Stand: 23.07.2020 21:16 Uhr

Mietpreisbremse wird offenbar häufig ignoriert

Ein Großteil der Vermieter in Hamburg verstößt offenbar gegen die Mietpreisbremse. Eine Auswertung von 6.000 Annoncen durch das NDR Magazin Panorama hat ergeben, dass 41 Prozent der Wohnungen teurer angeboten wurden als es die Mietpreisbremse erlaubt.

Eine Hochhauswohnung aus den 1970er-Jahren auf St. Pauli soll zum Beispiel 1.750 Euro kalt kosten. Die Mietpreisbremse sieht 586 Euro vor. Oder 60 Quadratmeter an einer Ausfallstraße in Hamm werden für 1.150 Euro statt erlaubter 462 angeboten. Panorama hat alle Annoncen des Jahres exakt ausgewertet. Das Ergebnis: Die Bremse bremst nicht bei 41 Prozent der Angebote.

Ausnahmen bei Modernisierung werden geltend gemacht

Viele Vermieter greifen zu einem Trick, sagt Daniel Halmer vom Verbraucherportal Conny: "Wir beobachten deutlich, dass immer mehr Vermieter sich auf die sogenannte Modernisierungs-Ausnahme bei der Mietpreisbremse berufen." Bei großen Modernisierungen gilt die Bremse nicht. So wird einfach behauptet, alles sei erneuert. Der Vermieter Akelius modernisiere, um Quadratmeter-Mieten von 19 Euro aufzurufen. Europa-Chef Jordan Milewicz sagt: "Dieser Wohnraum ist bezahlbar. Es gibt in Deutschland Mieter, die möchten in einer hochwertig sanierten und modernisierten Wohnung leben."

Die Recherchen zeigen: Meistens wird die Mietpreisbremse in nicht so teuren Stadtteilen missachtet - wie etwa in Hamm, Horn und Steilshoop.

VIDEO: Darum geht's: Mietpreisbremse (2 Min)

Weitere Informationen
Haus auf der Hamburger Kiez. © NDR Foto: Johannes Edelhoff

Absurd: Höhere Mieten auch dank Mietpreisbremse

In vielen Städten funktioniert die Mietpreisbremse nicht: In Hamburg bspw. waren 41 Prozent der von Panorama untersuchten Angebotsmieten teurer als zulässig. Schuld ist ein entscheidender Konstruktionsfehler im Gesetz. mehr

Wohnungsanzeige © NDR Foto: Screenshot

Überteuert wohnen in Hamburg

Das NDR Magazin Panorama hat die Hamburger Wohnungsanzeigen aus dem Jahr 2020 ausgewertet. Die Sortierung erfolgte anhand der prozentualen Abweichung von der ortsüblichen Vergleichsmiete (Mietenspiegel). Bildergalerie

Wohnungssuchende stehen in einer Schlange auf der Straße vor einem Haus in Hamburg. © NDR Foto: Bettina Less

Hamburger Verordnung zur Mietpreisbremse

Im Interesse des Mieterschutzes hat der Hamburger Senat 2015 eine Mietpreisbegrenzungsverordnung für das gesamte Gebiet Hamburgs und für die Geltungsdauer von fünf Jahren erlassen. (hamburg.de) extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.07.2020 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Fahrgäste verlassen und besteigen an der Hamburger Haltestelle Landungsbrücken die U-Bahn. © picture alliance / dpa Foto: Markus Scholz

Hamburger Hochbahn: Ein Drittel weniger Fahrgäste

2020 wurden 314 Millionen Fahrgäste in U-Bahnen und Bussen befördert. Die Hochbahn-Bilanz weist ein tiefes Minus auf. mehr