Stand: 12.12.2019 20:22 Uhr  - Hamburg Journal

Mann klagt gegen Verrentung - und bekommt Recht

Das Hamburger Sozialgericht hat am Donnerstag einen ungewöhnlichen Fall verhandelt: Der 36-jährige Raymond Wittmann von der Veddel hatte gegen die Deutsche Rentenversicherung Nord geklagt. Der Grund: Er will nicht mehr Rentner sein, sondern arbeiten wie jeder andere auch. Doch das Jobcenter und die Deutsche Rentenversicherung hatten das wegen einer geistigen Behinderung des Mannes anders gesehen. Am Donnerstag fällten die Richter nach dreistündiger Anhörung ihre Entscheidung - zugunsten des 36-Jährigen. Er gilt jetzt nicht mehr als erwerbsunfähig.

Wittmann hat eine geistige Behinderung - das Lernen, Lesen und Schreiben fällt ihm schwer. Das Jobcenter war deshalb der Überzeugung gewesen, dass er auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance hat und schickte ihn zur Deutschen Rentenversicherung. Sie zahlt ihm seit einigen Jahren eine Erwerbsminderungsrente. Er könnte zwar in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten, sein Traum ist es aber, endlich eine Ausbildung zum Fach-Lageristen anzufangen. Doch das geht eben nur, wenn er kein Rentner mehr ist.

Bescheide werden aufgehoben

Durch die Entscheidung vom Donnerstag ist er seinem Ziel nun einen großen Schnitt nähergekommen. "Das Gericht hat entschieden, dass die Bescheide aufgehoben werden und wir haben dem stattgegeben", sagte Sebastian Bollig von der Deutschen Rentenversicherung. "Wir werden jetzt prüfen, wie wir dem Kläger dabei helfen können, dass er wieder ins Arbeitsleben einsteigen kann."

Sozialgerichtssprecher Peter Winter glaubt zwar nicht an einen sofortigen Einstieg Wittmanns als Lagerist-Auszubildender. "Jetzt muss aber geprüft werden, wie man ihn am besten in den Arbeitsmarkt bringen kann."

"Das ist gut gelaufen"

Wittmann selbst reagierte erleichtert: "Das ist gut gelaufen", sagte er dem Hamburg Journal. Zuversichtlich ist auch die ehemalige sogenannte Hartz-IV-Rebellin Inge Hannemann, die ihn vor Gericht unterstützte. "Was er den ganzen Tag über an Aktivität zeigt, muss er jetzt bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zeigen. Aber das schafft er."

Der Verhandlung vor dem Hamburger Sozialgericht kommt auch grundsätzliche Bedeutung zu: Denn ein Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention ist es, dass Menschen mit Behinderungen auch auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Job finden.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 12.12.2019 | 19:30 Uhr

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