Stand: 20.02.2018 17:35 Uhr

Machtkampf bei Polizeigewerkschaft eskaliert

von Sebastian Pittelkow

Jahrelang gab es im Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hamburg einen Führungsstreit. Nun ist der Konflikt eskaliert: Nach Recherchen des NDR hat eine ehemalige stellvertretende Landesvorsitzende am Dienstag eine eigene Kreisgruppe gegründet.

Über Jahre hat sich die Hamburger Landesgruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP) einen internen Machtkampf geliefert. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht Gerhard Kirsch, GdP-Landesvorstand Hamburg. Nach Recherchen des NDR traten Ende vergangener Woche drei von vier Stellvertretern aus Protest gegen Kirsch von ihren Posten zurück. Am Dienstag wurde eine eigene Kreisgruppe gegründet. Erste Mitglieder folgten dem Aufruf. Die Abtrünnigen gehen davon aus, dass sich ihrer neuen Kreisgruppe zwischen 50 bis 100 Gewerkschaftler anschließen werden. Damit droht der GdP in Hamburg die Spaltung.

Vorwürfe an Kirsch

Mit ihrem Austritt wollten die drei stellvertretenden Landesvorsitzenden aus den Bereichen Wasserschutz, Kriminalpolizei und Verwaltung einer möglichen Abwahl auf einem Sonderdeligiertentag Ende Februar zuvorkommen. Sie werfen dem Landesvorsitzenden Kirsch vor, er habe sie auf dem Sonderdelegiertentag abwählen und Vertreter der Schutzpolizei an ihrer Stelle zu Stellvertretern wählen lassen wollen. Eine entsprechende Kandidatenliste für neue stellvertretende Landesvorsitzende geht aus einem GdP-internen Schreiben hervor. Dem Bereich Schutzpolizei gehört auch Kirsch an.

"Mein Anspruch an einen Landesvorsitzenden ist, dass er den Laden zusammenhält und alle Bereiche berücksichtigt. Und das hat er nicht", sagte Gunhild Weidemann, nun Vorsitzende der neuen Kreisgruppe gegenüber dem NDR. Sie vertrat zuvor als stellvertretende Landesvorsitzende den Bereich Kriminalpolizei.

"Ich bin der Landesvorsitzende, nicht mehr und nicht weniger"

GdP-Chef Kirsch bestreitet, die Abwahl seiner drei Stellvertreter betrieben zu haben. "Ich bin der Landesvorsitzende, nicht mehr und nicht weniger. Hier werden alle Entscheidungen demokratisch getroffen", erklärte der GdP-Landesvorsitzende auf Anfrage.

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Im Zentrum der Auseinandersetzung steht Gerhard Kirsch, GdP-Landesvorstand Hamburg.

Der Abspaltung vorausgegangen war ein jahrelanger Führungsstreit im Landesverband der Gewerkschaft. Mehrfach warfen Funktionäre GdP-Chef Kirsch undemokratisches Verhalten vor. Im Jahr 2011 kam es auch deshalb zu einer ersten Austrittswelle. Führende Mitglieder verließen die GdP Hamburg, um sich dem Landesverband Mecklenburg-Vorpommern anzuschließen. Ihnen sollen letztlich etwa 150 Gewerkschaftler gefolgt sein. Kirsch sagt heute rückblickend, die ausgetretenen Mitglieder hätten sich damals nicht an demokratische Beschlüsse halten wollen und seien deshalb gegangen.

Streit landete vor Gericht  

Dennoch ging der Streit innerhalb der GdP Hamburg weiter. Zu tief war das Zerwürfnis zwischen Kirsch und seinen Kritikern, darunter auch das mit seiner Stellvertreterin Weidemann. Sie und ein weiterer hoher GdP-Funktionär wurden von Kirsch suspendiert. Die schriftliche Begründung des Gewerkschafts-Chefs lautete damals: Die beiden hätten ihn und andere Funktionäre über Monate diffamiert und ihm finanzielle Ungereimtheiten zum Schaden der GdP unterstellt. Der interne Streit landete vor Gericht. Die Suspendierung wurde aufgehoben. Der Machtkampf ging weiter.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 20.02.2018 | 19:30 Uhr

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