Stand: 27.03.2018 17:37 Uhr

MDK Nord sieht Qualitätsmängel in Pflegeheimen

In den Pflegeheimen in Hamburg und Schleswig-Holstein gibt es zum Teil erhebliche Qualitätsmängel. Das legen Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Nord (MDK Nord) nahe. Diese Daten hat der MDK exklusiv für NDR 90,3 und das Hamburg Journal ausgewertet.

Probleme bei Vorbeugung von Druck-Geschwüren

Besonders kritisch sieht es demnach bei der Vorbeugung von Druck-Geschwüren aus: Oft achten Pflegeheime nach wie vor nicht darauf, ob sich zum Beispiel ein bettlägeriger Bewohner wund liegen könnte. Nur in gut 60 Prozent der untersuchten Fälle war die Vorsorge laut MDK Nord gut. Wichtig allerdings ist in diesem Zusammenhang, dass es hier nur um die Vorsorge geht. Ob ein Heim-Bewohner dann tatsächlich ein Druck-Geschwür bekommt, ist damit noch nicht gesagt.

Nur jede zweite Wunde fachgerecht versorgt

Noch problematischer ist der Umgang mit chronischen Wunden. Nur jede zweite von den Prüfern begutachtete Wunde wurde im Heim wirklich fachgerecht versorgt. In beiden Punkten schneiden die Heime in Hamburg und Schleswig-Holstein damit deutlich schlechter ab als im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt aus dem Jahr 2016. Und in beiden Punkten hat sich die Situation in Norddeutschland im Vergleich der Jahre 2016 mit 2017 nicht verbessert.

Pflegegesellschaft wehrt sich gegen Vorwürfe

Martin Sielaff von der Hamburgischen Pflegegesellschaft weist die Aussagen zurück: "Ohne dem MDK zu Nahe treten zu wollen, gehe ich nicht von offenbaren Qualitätsmängeln in den Hamburger Pflegeeinrichtungen aus." Es gebe einen Runden Tisch, an dem sich Fachleute regelmäßig über das Problem des Wundliegens austauschen. Der MDK Nord habe bei diesen Treffen keinen Alarm geschlagen, sagt Sielaff. Er vermutet daher, dass es sich nicht um echte Qualitätsmängel handelt: "Der MDK hat hier ja, das kann man ja ein bisschen an den Formulierungen sehen, über Dokumentations-Mängel berichtet."

Die tatsächliche Qualität der Pflegeheime erfasse der Bericht überhaupt nicht, so die Pflegegesellschaft. Anders sieht das die Gewerkschaft ver.di: Nach ihrer Einschätzung macht der Bericht des MDK Nord noch einmal deutlich, dass in den Pflegeheimen Fachkräfte fehlten.

6.500 Heimbewohner befragt und untersucht

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Entwicklung der Pflegequalität im Norden

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüft jedes Jahr rund 800 stationäre Pflegeeinrichtungen in Hamburg und Schleswig-Holstein. Hier gibt es die Auswertung als PDF. Download (306 KB)

Der MDK Nord prüft jedes Jahr die rund 800 Pflegeheime in Hamburg und Schleswig-Holstein. Im vergangenen Jahr hat er dabei 6.500 Heimbewohner befragt und untersucht. Alle Angaben beziehen sich auf beide Bundesländer - eine getrennte Auswertung legt der MDK Nord nicht vor. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen kommentiert er nicht.

Grundsätzlich gibt es aus Sicht vieler Fachleute aber zwei Erklärungen, warum es zu Problemen in Pflegeheimen kommt: Zum einen kann es daran liegen, dass die Arbeitsabläufe schlecht organisiert sind. Zum anderen daran, dass Pflegekräfte fehlen. Und selbst in Heimen, in denen alle Stellen besetzt sind und die Arbeit gut organisiert ist, reicht oft das Geld nicht dafür aus, sich besser um alle Bewohner zu kümmern.

Was Hamburg über Pflege denkt

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Pflegegesellschaft bestreitet Qualitätsmängel

Die Hamburgische Pflegegesellschaft bestreitet die durch den MDK Nord erhobenen Qualitätsmängel in den Hamburger Pflegeheimen. Hier gibt es die Stellungnahme der HPG als PDF. Download (15 KB)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.03.2018 | 06:00 Uhr

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