Stand: 02.05.2019 07:01 Uhr  - NDR 90,3

Lücke in der Versorgung kranker Obdachloser

Immer mehr Obdachlose in Hamburg sind offenbar pflegebedürftig. Die Krankenstube der Caritas für Obdachlose im Stadtteil St. Pauli hat jetzt erstmals dokumentiert, in welchen Fällen sie Patienten abweisen musste - und weist damit auf eine Lücke in der Gesundheitsvorsorge wohnungsloser Menschen hin.

Etwa jede fünfte Anfrage musste die Pflegeeinrichtung für obdachlose Menschen im vergangenen Jahr ablehnen, weil die Betroffenen zu pflegebedürftig für die Krankenstube waren. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, der NDR 90,3 und dem Hamburg Journal vorliegt. Im zweiten Halbjahr sei das 13 Mal der Fall gewesen, sagte Krankenstuben-Leiter Thorsten Eikmeier. Das klinge nicht viel, sei aber dramatisch. "Weil das natürlich 13 extreme Schicksale sind. Also das sind Menschen, die einen hohen Pflegebedarf haben, die in höchster Not sind und die keine Chance haben hier versorgt zu werden in Hamburg."

Krankenstube fast immer voll belegt

Hinzu kämen abgewiesene Fälle, weil die Krankenstube eigentlich immer voll belegt ist. "Wir könnten bei 20 Betten sicher noch eine null hinten dran hängen und hätten auch keine Schwierigkeiten die Betten zu füllen.“

Sozialbehörde will Daten erheben

Die Sozialbehörde hat jetzt Krankenhäuser und Obdachloseneinrichtungen aufgerufen, entsprechende Fälle zu dokumentieren, wie Sprecher Martin Helfrich sagte. "Wir erheben jetzt die Daten und schauen systematisch: Mit welchen Notwendigkeiten sind Menschen auf der Straße. Darauf werden wir dann auch aufbauen und schauen welche Maßnahmen gegebenenfalls zu ergreifen sind." Ob das heißt, dass dann auch Krankenhäuser bedürftige Menschen länger betreuen müssen, ist noch unklar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.05.2019 | 06:00 Uhr

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