Stand: 04.09.2019 20:29 Uhr

Kreuzfahrtbranche bittet zum Umwelttag

Die Kreuzfahrtindustrie muss sich mit dem wachsenden Klima- und Umweltbewusstsein der Menschen, angestoßen auch durch die Fridays-for-Future-Bewegung, auseinandersetzen und sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Darum hat der Kreuzfahrtvervand CLIA am Mittwoch zum Umwelttag nach Hamburg eingeladen - und zwar an Bord eines Kreuzfahrtschiffs. Zeitgleich veranstaltete auch der Naturschutzbund Nabu einen Umwelttag zum Thema Kreuzfahrt.

Das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 1" im Hamburger Hafen.

Umwelttag der Kreuzfahrtbranche in Hamburg

Hamburg Journal -

Die Kreuzfahrtindustrie bemüht sich, in Sachen Umweltschutz gut dazustehen. Beim Umwelttag der Branche ging es am Mittwoch unter anderem um Antriebsarten. Peter Kleffmann berichtet.

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Kreuzfahrtindustrie will gut dastehen

Die Kreuzfahrtindustrie bemüht sich, in Sachen Umweltschutz gut dazustehen. Wenn auch nicht ganz freiwillig. "Wir müssen auch die Bevölkerung abholen und erklären, was wir tun und was wir an erfolgreichen Dingen umsetzen", sagt Helge Grammerstorf vom Kreuzfahrtvervand CLIA. "Wir sind aber auch ganz ehrlich an der Stelle, wo wir sagen, was wir noch nicht können, woran aber geforscht wird."

Beispiel eins: die Antriebe. Wer wie TUI seine neuen Schiffe mit einem sogenannten Scrubber, also eine Art Katalysator, ausrüstet, ist im Vergleich zu anderen Reedereien in Sachen Umweltschutz schon ganz vorne dabei. "Wir haben uns gerade von der wissenschaftlichen Seite nochmal bestätigen lassen, dass das eine sehr gute und auch umweltgemäße Form der Technologie auf dem Schiff ist", sagt Grammerstorf. Die es allerdings auch ermöglicht, weiterhin giftiges Schweröl zu verbrennen.

Flüssiggasantriebe als Alternative

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Die bessere Alternative sind Flüssiggasantriebe (LNG-Antriebe), aber die sind auch teurer und deswegen weniger beliebt. "Im Großen und Ganzen tut die Kreuzfahrtindustrie zu wenig, weil sie im Prinzip Technologien, die ihnen nur gewährleisten, im Rahmen der gesetzlichen Bedingungen zu bleiben, preist, aber eigentlich weniger darüber hinaus tut", sagt Malte Siegert vom Nabu. "Es gibt nur wenige Anbieter, die wirklich weit darüber hinausgehen."

Beispiel zwei: Landstrom: Es gibt zwar nur ein Terminal mit Landstromanschluss in Hamburg, aber eben auch kaum geeignete Schiffe, weil die Umrüstung Geld kostet. Während in den USA Landstromanschlüsse an Bord quasi Pflicht sind, werden in Hamburg die Reedereien geschont.

Kiel holt Reedereien ins Boot

Die Hafenstadt Kiel scheint ihr Landstromprojekt engagierter anzugehen. "Wir haben uns erst mit den Reedereien zusammengesetzt und geklärt: Wie sieht der Zeitplan aus? Wer kann wann seine Schiffe umrüsten? Wer ist bereit dafür, in Kiel an den Landstromanschluss zu gehen?", sagt Nicole Claas von der Seehafen Kiel GmbH. "Und als wir dann das Portfolio hatten und wussten, dass das was wird, sind wir ins Rennen gegangen."

Kreuzfahrten beliebt wie nie

Von ihren Kunden müssen die Reedereien in Sachen Umweltschutz keinen allzu starken Gegenwind befürchten. Die Kreuzfahrtbranche boomt: 2,26 Millionen Deutsche sind 2018 auf Kreuzfahrt gegangen, mehr als jemals zuvor. Und hier siegt - zumindest noch - der Reisepreis.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 04.09.2019 | 19:30 Uhr

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