Reinhard Postelt von NDR 90,3. © NDR Foto: Screenshot

Kommentar: Was vom ITS-Kongress in Hamburg bleibt

Stand: 16.10.2021 08:40 Uhr

Fünf Tage lang hat Hamburg im Mittelpunkt des Zukunftsverkehrs gestanden. Der ITS-Weltkongress hat Tausende Expertinnen und Experten in die Messehallen und das CCH gezogen – das war ein Rekord. Gezeigt wurde die neueste Technik für Straße, Radweg, Schiene und Luft. Aber nützt der Kongress auch Hamburgs Verkehr?

Ein Kommentar von Reinhard Postelt

Der ITS Weltkongress hat schon einiges ins Rollen gebracht. Hamburg hat dafür mehr als 30 Millionen Euro vom Bund bekommen, um als Musterknabe der deutschen Mobilität zu glänzen. Mit dem Geld hat der HVV neue Angebote finanziert - vom Ticketsystem "HVV any" bis zur Möglichkeit, mit der switch-App auch Carsharing-Wagen oder -Fahrräder zu buchen. Und und und.

Noch weit vom Musterknaben entfernt

Der Kongress war keineswegs, wie der Fahrradclub ADFC behauptet, eine Automesse. Der öffentliche Nahverkehr und der Einsatz von klimafreundlichen Antrieben standen im Vordergrund, um das private Auto auszubremsen. Doch vom Musterknaben der Mobilität ist Hamburg noch weit entfernt. Wo sind sie denn, die intelligenten Ampeln?

Oder der HVV: Beim ITS-Kongress feierte er sich, als hätte er schon ein Einser-Abitur abgelegt. Dabei muss er erst mal seine Hausaufgaben machen, um in die Oberstufe versetzt zu werden. Da sind die ständigen Verspätungen. Die S-Bahn hat versprochen, sie mit einer Weltpremiere auf dem Kongress zu bekämpfen - nämlich mit den automatischen S-Bahnen nach Bergedorf. Doch was ist mit den häufig kaputten Stellwerken im gesamten Netz? Die sind erst in zehn Jahren ausgetauscht.

Für den HVV gibt es viel zu tun

Oder das HVV-Versprechen, bei mehr als 20 Minuten Verspätung einen Teil des Fahrpreises zu erstatten. Das geht nur mit umständlichem Antrag. Dann erhält man einen Papiergutschein, der nur in den wenigen Servicestellen ausgezahlt wird. Und ich wäre dankbar, wenn endlich alle ausfallenden Züge in der Fahrplan-App markiert würden.

Doch der ITS-Kongress hat insgesamt ein Aufbruchsignal gegeben - für klimafreundlichen und intelligenten Verkehr. Ermutigend war die Begeisterung der 4.000 Hamburgerinnen und Hamburger, die sich am "Tag der offenen Tür" in den Messehallen informiert haben – vor allem junge Leute. Ihre Offenheit gegenüber neuen Ideen zeigt: Wir müssen runter von unserem hohen Ross, vom Fahrersitz.

Wir sollten Neues ausprobieren

Mal was Neues ausprobieren – zum Beispiel ein Sammeltaxi von Moia und Ioki oder ein rotes Stadtrad – das ist es! Denn wenn wir nicht mitmachen, kommen die Kongress-Innovationen nicht in Hamburgs Verkehr an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 16.10.2021 | 08:40 Uhr

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