Kommentar: Udo Lindenberg ist ein würdiger Ehrenbürger

Stand: 03.09.2022 08:40 Uhr

Am kommenden Mittwoch bekommt Hamburg einen neuen Ehrenbürger. Und der heißt Udo Lindenberg - die Zustimmung von Senat und Bürgerschaft jetzt einmal vorausgesetzt. Das ist eine gute Wahl, meint Wigand Koch in seinem Kommentar.

von Wigand Koch

"Bei Onkel Pö spielt 'ne Rentnerband seit 20 Jahren Dixieland" - kennt diese Liedzeile irgend jemand nicht in Hamburg? Ein halbes Jahrhundert hat der Lindenberg-Song jetzt schon auf dem Buckel. Und seit einem halben Jahrhundert macht das Lied nicht nur gute Laune, sondern auch Hamburg-Reklame. Dieses musikalische Denkmal für die Hamburger Musikszene Anfang der 1970er-Jahre und ihren damaligen Kneipen-Tempel in Eppendorf, das Onkel Pö. Beide längst Geschichte. Aber Udo, Udo ist immer noch da. Und wie.

Lindenberg hat sich in die Herzen der Menschen gesungen

Ich mochte sie immer, die Lindenberg-Songs "Andrea Doria" oder "Hinterm Horizont" oder "Sonderzug nach Pankow". Aber dafür muss man ja nicht gleich Hamburgs Ehrenbürger werden. Auch Udos Likör-Gemälde sind eher hübsch als historisch wertvoll. Nein, wie groß Udo Lindenbergs Wirkung und Einfluss waren, wie sehr er sich in die Herzen der Menschen gesungen hat, hab ich erst verstanden, als ich eine Ausstellung über sein Leben in einem Museum in Leipzig gesehen habe. Da standen die Leute vor einem Bildschirm, auf dem Lindenbergs Konzert in Leipzig kurz nach der Wende gezeigt wurde. Und sie haben geweint. Der Udo, der hat auch für uns in der DDR gesungen.

Träume von einer bunten Republik

Haltung - dafür steht Udo Lindenberg. Gegen den Krieg, siehe "Wozu sind Kriege da?". Gegen die deutsche Teilung, siehe "Mädchen aus Ost-Berlin". Diese Ost-West-Romanze, in der Lindenberg schon in den Siebzigern von einem Rock-Festival auf dem Alexanderplatz geträumt hat. Bunte Republik, so wünscht sich Lindenberg Deutschland. Dafür steht er. Und macht "sein Ding".

Hut ab!

Es ist alles andere als ein gerader Weg, den Lindenberg gegangen ist. Abstürze, Alkohol, Karrieretief inklusive. Aber der Mann hat gekämpft. Udo, Hut ab dafür! Und wenn ihn der Hamburger Senat am Mittwoch zum Ehrenbürger macht, kann ich nur sagen: Ich bin froh, mit Udo Lindenberg die gleiche Stadt teilen zu dürfen.

Weitere Informationen
Verleihung der Ehrenbürgerschaft im Hamburger Rathaus: Udo Lindenberg zwischen Bürgermeister Peter Tschentscher und Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (beide SPD). © picture alliance/dpa Foto: Marcus Brandt

Ehrenbürger Udo Lindenberg: So lief der Festakt in Hamburg

Der 76 Jahre alte Musiker nahm die höchste Auszeichnung der Hansestadt am Mittwochabend sichtlich gerührt entgegen. mehr

Szene mit Udo Lindenbeg mit Hut und langem Mantel im Flur des Hotel Atlantic ARD/NDR TATORT: ALLES KOMMT ZURÜCK, am Sonntag (26.12.21) um 20:15 Uhr im ERSTEN © NDR / Frizzi Kurkhaus Foto: Frizzi Kurkhaus

Udo Lindenberg: Ein Mann, zwei Karrieren

Der Hut, die Sonnenbrille und das Nuscheln sind seine Markenzeichen. 2021 ist Musiker Udo Lindenberg 75 geworden - nun ist er Ehrenbürger in Hamburg. mehr

Hamburgs neuer Ehrenbürger Udo Lindenberg steht nach der Abstimmung in der Hamburgischen Bürgerschaft im Rathaus. © Marcus Brandt/dpa

Ehrenbürger in Hamburg: Diese Persönlichkeiten gehören dazu

Von Udo Lindenberg bis Helmut Schmidt: Eine Auswahl der Ehrenbürgerinnen und Ehrenbürger der Stadt Hamburg. Bildergalerie

Der Rathausturm mit der Flagge von Hamburg im Vordergrund. © picture alliance / dpa Foto: Ulrich Baumgarten

Die Ehrenbürger der Hansestadt Hamburg

Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung, die Hamburg zu vergeben hat. Die bisherigen Ehrenbürger im Überblick. mehr

Hamburger Rathaus mit blauem Himmel © digiphot - MEV-Verlag Germany

Der Hamburg-Kommentar - Sonnabend bei NDR 90,3

Jeden Sonnabend um 8.40 Uhr kommentiert die Aktuell-Redaktion von NDR 90,3 das politische Geschehen in Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 03.09.2022 | 08:40 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Peter Tschentscher bei der Ankunft an der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen in Berlin für die Konferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder. © picture alliance / dpa Foto: Jens Krick

"Notsituation": Tschentscher mahnt Einheit von Bund und Ländern an

Hamburgs Bürgermeister sagte, die Ministerpräsidenten hätten beschlossen, dass es einen Energiepreisdeckel für Strom, Gas und Wärme geben müsse. mehr