Kommentar: Hamburg wird immer ein Zufluchtsort bleiben

Stand: 25.02.2023 08:40 Uhr

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat Hamburg rund 30.000 Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen und untergebracht. Das hat die Stadt ganz gut hinbekommen. Aber schaffen wir es auch, die vielen Schutzsuchenden in der Stadt gut zu integrieren? Die größte Herausforderung steht uns noch bevor, meint Susanne Röhse in ihrem Kommentar.

von Susanne Röhse

Es ist ein großer Kraftakt, alle Menschen, die vor Tod, Gewalt und Zerstörung zu uns gekommen sind, angemessen zu versorgen. Hamburg hat fast 20.000 neue Unterkunftsplätze hergerichtet, Hotels angemietet, ja sogar Immobilien gekauft. Leider müssen Menschen zeitweise auch wieder in Zelten und großen Hallen schlafen - wie schon 2015/2016.

Große Solidarität und Hilfsbereitschaft in Hamburg

Aber anders als noch vor sieben Jahren klappt das alles relativ geräuschlos. Und rund die Hälfte der Schutzsuchenden aus der Ukraine ist sogar privat untergekommen - das hilft der Stadt und zeigt auch, wie groß die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Menschen hier in Hamburg ist. Ohne die geht es auch nicht, denn weiterhin kommen täglich viele Menschen in die Stadt - aus der Ukraine und wieder deutlich mehr aus Syrien, Afghanistan und dem Iran.

Geflüchtete brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf

Hamburg will in diesem Jahr noch einmal 10.000 neue Unterkunftsplätze bauen. Die sind dringend nötig. Doch die Geflüchteten brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf - Unterbringung und Versorgung sind nicht das große Problem. Auf die Probe gestellt und arg strapaziert wird gerade die soziale Infrastruktur in der Stadt: 7.000 ukrainische Kinder besuchen bereits Hamburger Schulen. Das sind 350 zusätzliche Schulklassen - ein historischer Schülerzuwachs.

Mehrere Bereiche stoßen an ihre Grenzen

Das Schulsystem stößt langsam an seine Grenzen, heißt es aus der Schulbehörde. An Grenzen stoßen auch die Sportvereine, Anbieter von Deutschkursen, aber auch Psychologen und Ärzte - in vielen Bereichen wird es immer schwerer, einen Platz oder einen Termin ohne lange Wartezeiten zu bekommen.

Stadt muss jetzt viel mehr investieren

Diese Probleme lösen sich nicht von allein und sie werden eher größer, denn Hamburg wird immer ein Zufluchtsort bleiben. Deshalb muss die Stadt jetzt viel mehr investieren: in Kitas, Schulen, Freizeiteinrichtungen und in die ärztliche Versorgung. Die größte Aufgabe aber bleibt, bezahlbare Wohnungen zu bauen. Davon profitieren am Ende alle Menschen in Hamburg. Und es verhindert, dass die Stimmung in der Stadt eines Tages kippt.

Weitere Informationen
Teilnehmerinnen einer Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine halten in hamburg Plakate mit der Aufschrift "Save Ukraine" und "Stop war". © picture alliance/dpa Foto: Daniel Bockwoldt

"Hamburg steht still": Gedenkminute und Demos für die Ukraine

Busse und Bahnen standen für eine Minute still, Tausende Menschen gingen auf die Straße: Am Jahrestag des russischen Angriffs wurde in Hamburg der Opfer gedacht. (24.02.2023) mehr

Eine junge Frau aus der Ukraine mit ihrem Pass in der Hand in Hamburg. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

33.000 Ukrainer sind bislang in Hamburg untergekommen

In dieser Woche jährt sich der Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Tausende Menschen aus dem Land suchen Schutz in Hamburg. (21.02.2023) mehr

Anna, die Ehefrau eines vor zwei Monaten getöteten Soldaten, und der Vater Oleksandr stellen auf dem Friedhof der Hafenstadt Odessa die ukrainische Nationalflagge am Grab ihres Ehemannes auf. (Foto vom 24. Februar 2024) © Kay Nietfeld/dpa

Zwei Jahre Ukraine-Krieg: Russlands Überfall und die Folgen

Am 24. Februar 2022 begann der Angriff. In der Ukraine starben mindestens 10.000 Zivilisten. mehr

Das Rathaus in Hamburg © Colourbox Foto: Giovanni

Der Hamburg-Kommentar

Jeden Sonnabend kommentiert die Aktuell-Redaktion von NDR Hamburg das politische Geschehen in der Hansestadt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 25.02.2023 | 08:40 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Migration

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Luftaufnahme der Autobahn A7 mit dem neu angelegten Park auf dem Autobahndeckel in Hamburg-Stellingen © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Hamburg-Stellingen: Park auf Autobahndeckel eröffnet

Wo früher mal Autobahn war, sind jetzt Wiesen, Kletteranlagen, Fitness-Stationen, Spielplätze und Kleingärten. Der neue Park verbindet das ehemals geteilte Stellingen. mehr