Stand: 13.02.2020 20:17 Uhr  - NDR 90,3

Köhlbrandquerung: Hamburg einigt sich mit Bund

Ein Ersatz für die marode Köhlbrandbrücke rückt näher: Hamburg und der Bund haben sich darauf geeinigt, dass die Köhlbrandquerung den Status einer Bundesstraße erhält - was Auswirkungen auf die Finanzierung des kostspieligen Projekts hat.

Es geht um Milliarden

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Die Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen ist marode und muss bald ersetzt werden.

Monatelang hatte die Wirtschaftsbehörde von Michael Westhagemann (parteilos) mit dem Bundesverkehrsministerium hinter verschlossenen Türen darüber verhandelt, wie sich der Bund an den Kosten beteiligen könnte. Mehr als drei Milliarden Euro würde ein Tunnel unter dem Köhlbrand kosten. Eine neue Brücke wäre etwas günstiger, hält aber auch nicht so lange wie die unterirdische Querung. Jetzt gibt es eine Einigung. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) unterzeichneten am Donnerstag in Berlin eine Absichtserklärung des Bundes, sich an den Kosten zu beteiligen.

"Im Hamburger Hafen schlägt das Wirtschaftsherz Mitteleuropas", sagte Scheuer. "Von hier aus werden Waren und Güter in alle Welt befördert." Dabei komme der Köhlbrandquerung eine Schlüsselrolle zu. "Deswegen machen wir sie zur Bundesstraße und wollen den Neubau mit Bundesmitteln fördern."

Bislang eine Landesstraße

Bislang ist die marode Köhlbrandbrücke keine Bundes-, sondern eine Landesstraße. Bundestag und die neue Bürgerschaft müssen aber der Statusänderung noch zustimmen. Damit wäre dann der Weg dafür frei, dass der Bund einen wesentlichen Teil der Kosten für einen Ersatzbau trägt. Die Rede ist von mindestens der Hälfte der geschätzten Kosten.

Während sich die Hafenwirtschaft über die Entscheidung des Bundes freut, kommt Kritik von der Umweltschutzorganisation NABU. Statt Milliarden für eine neue Köhlbrandquerung und für die Hafenautoautobahn A26-Ost in die Hand zu nehmen, sollte er lieber die existierende Hafenroute ausbauen, meint der Verbandsvorsitzende Alexander Porschke. Wirtschaftssenator Westhagemann zeigte sich dagegen erleichtert über die Zusage des Bundes: "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir das so schnell jetzt schaffen."

Tunnel statt Brücke?

Die Köhlbrandbrücke muss in den kommenden zehn Jahren ersetzt werden, weil sich eine erneute Sanierung nicht mehr lohnen würde. Zudem ist die Brücke zu niedrig für die größten Frachtschiffe, die nach Hamburg kommen. Nach Informationen von NDR 90,3 gilt im Bundesverkehrsministerium mittlerweile - wie im Hamburger Senat - die Tunnel-Lösung als die bessere Variante. Westhagemann stellte aber klar, dass es noch keine Entscheidung gebe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.02.2020 | 06:00 Uhr

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