Kräne und ein Trockendock spiegeln sich im Wasser der leeren Werftanlage der Pella Sietas Werft in Hamburg. © picture alliance / dpa Foto: Jonas Walzberg

Kaum noch Hoffnung für Hamburger Pella Sietas Werft

Stand: 19.08.2021 20:55 Uhr

Fast 400 Jahre alt ist Deutschlands älteste Werft, Pella Sietas in Hamburg-Neuenfelde. Nach der Insolvenz stehen die Chancen äußerst schlecht, dass es für das Unternehmen noch eine Zukunft gibt.

Zu hoch gepokert, verzockt hat sich die bisherige Führung der Pella Sietas Werft. Das sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Achim Ahrendt, nachdem er zwei Wochen die Bücher geprüft hat. "Das besondere ist, dass Aufträge da sind, dass aber überhaupt keine Liquidität da ist, um diese Aufträge weiter abzuarbeiten", sagte er am Donnerstag. Nach Ahrendts Einschätzung stehen kaum Optionen offen, weil der Insolvenzantrag viel zu spät gestellt worden sei. Management und Gesellschafter hätten auf Corona-Hilfsmittel gehofft.

Wichtiger Auftrag droht wegzubrechen

Und nun droht auch noch ein wichtiger Auftrag ganz wegzubrechen: Die Reederei Norden-Frisia will eine Wattenmeer-Fähre nicht mehr, für die bereits Teile in einer Halle bei Pella Sietas zusammengebaut worden sind. Darüber sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Donnerstag informiert worden.

"Hoffnung schwindet"

Vor einigen Wochen haben noch etwa 300 Menschen bei der Werft gearbeitet, jetzt hat bereits fast ein Drittel von sich aus gekündigt. Die verbliebenen Beschäftigten seien niedergeschlagen und ratlos, sagte Betriebsratschef Georg Netuschil: "Die Hoffnung schwindet von Tag zu Tag."

Die Kasse ist leer

Um frisches Geld zu bekommen, damit die insolvente Werft weiter arbeiten kann, bleiben nur wenige Tage - maximal ein bis zwei Wochen, heißt es bei der Gewerkschaft IG Metall. In der Kasse der Werft gibt es gerade einmal noch 16.000 Euro. Nötig wären zwei Millionen Euro für einen Monat.

Dr. Achim Ahrendt, vorläufiger Insolvenzverwalter der Pella Sietas Werft. © picture alliance / dpa Foto: Jonas Walzberg
Der vorläufige Insolvenzverwalter Ahrendt sucht nach Interessenten für die Werft.

Insolvenzverwalter Ahrendt sucht noch nach einem Interessenten für die Werft und hat dazu eine Beratungsgesellschaft eingeschaltet. In Frage kommen einerseits Finanzinvestoren, andererseits auch andere Werften, die einen Standort in der EU suchen. Noch aber steht die Suche ganz am Anfang - und bis zu einem möglichen Verkauf vergehen in der Regel Monate.

Werft zählt zu ältesten Schiffbaubetrieben der Welt

Die Werft zählt zu den ältesten Schiffbaubetrieben der Welt. Erstmals 1635 urkundlich erwähnt blieb sie über neun Generationen hinweg in Familienbesitz. 2014 war sie von der russischen Pella Shipyard aus einer früheren Insolvenz heraus übernommen worden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.08.2021 | 17:00 Uhr

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