Stand: 09.06.2020 16:28 Uhr

"Jeder wird gebraucht": Hamburg wirbt um Azubis

Weniger Bewerberinnen und Bewerber und weniger Stellen: die Corona-Pandemie hinterlässt auch auf dem Ausbildungsmarkt ihre Spuren. "Sonst haben wir im Mai immer die Zahl von etwa 10.000 Ausbildungsstellen", sagte Sönke Fock von der Agentur für Arbeit. In diesem Jahr seien es 1.263 Ausbildungsstellen weniger. Und die Betriebe haben laut Hjalmar Stemmann von der Handwerkskammer ein Drittel weniger Bewerbungen als sonst üblich bekommen. Im Rathaus stellten Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag mit Partnern der beruflichen Bildung Maßnahmen gegen einen Stellen- und Bewerbendeneinbruch vor.

VIDEO: Corona-Prämie für neue Ausbildungsplätze (2 Min)

4.770 freie Ausbildungsstellen

Dabei wurde klar: Es gibt tatsächlich weniger Stellen und Bewerberinnen und Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt als vor der Corona-Krise. Bei der Agentur für Arbeit sind gegenwärtig 4.770 Ausbildungsstellen im Angebot, rund zehn Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Zahl der Bewerber sei in ähnlichem Umfang auf 3.960 zurückgegangen. Aber es gibt auch gute Entwicklungen. "Es gibt im Moment - trotz der Coronakrise - kaum Ausbildungskündigungen. Sie liegen unter einem Prozent", sagte Hjalmar Stemmann von der Handwerkskammer. Ein Großteil der Handwerksbetriebe, die bisher ausbildeten, planten das auch für das kommende Jahr. Dennoch: Handelskammer-Präses Norbert Aust berichtete von einer Umfrage, nach der rund ein Viertel der Betriebe die Ausbildung in diesem Jahr zurückfahren will. Im Hamburger Handwerk wurden laut Handwerkskammer-Präses Hjalmar Stemman von Januar bis Mai knapp zehn Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Klares Bild erst nach den Ferien

Ein klares Bild über die Lage auf dem Ausbildungsmarkt werde sich erst nach den Sommerferien ergeben. Es sei zu überlegen, ob Bewerber und Betriebe die Möglichkeit erhalten sollten, den Beginn der Ausbildung flexibel und in Abstimmung mit den Berufsschulen bis in den November hinein zu verschieben. Arbeitsagentur und Kammern böten eine Vielzahl von Beratungs- und Vermittlungsangeboten an, so Aust.

Beratungsangebote ausgebaut

Damit der Stellen- und Bewerbereinbruch in der Corona-Krise nicht zu groß wird, sollen die Beratungsangebote ausgebaut werden. Schulsenator Rabe stellte die Ausbildungsvorbereitung AvDual für Schülerinnen und Schüler vor. 700 Plätze mehr soll es hier an berufsbildenden Schulen geben. In der Berufsqualifizierung mit Ausbildungsplatzgarantie können im Jahr 2020 insgesamt 600 Plätze an den berufsbildenden Schulen belegt werden, 350 mehr als bislang. Außerdem gibt es die sogenannten Praxisklassen an Stadtteilschulen. Die Schülerinnen und Schüler der Praxisklassen lernen an zwei Tagen im Betrieb und an drei Tagen in der Schule.

Die Hansestadt brauche die jungen Auszubildenden, um wirtschaftlich voran zu kommen, so Rabe. "Jede und jeder wird gebraucht. Die Schulbehörde wird alles tun, auch wenn ersten Anlauf nicht klappt, dass kein Bewerber perspektivlos auf der Straße sitzen muss", versprach er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.06.2020 | 14:00 Uhr

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