Heizkraftwerk Wedel soll bald weniger Kohle verfeuern

Stand: 26.10.2020 16:50 Uhr

Hamburgs Umweltsenator Kerstan hat am Montag angekündigt, dass das umstrittene Kraftwerk in Wedel in den kommenden Jahren deutlich weniger CO2 ausstoßen soll. Es geht um 150.000 Tonnen pro Jahr.

Die Stadt Hamburg will den Kohleverbrauch und damit den CO2-Ausstoß des Heizkraftwerks Wedel an der Unterelbe deutlich reduzieren. "Es ist ein Meilenstein für den Klimaschutz", sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Ab sofort werde der Kohleeinsatz dort um 20 und ab dem Jahr 2023 um mindestens 30 Prozent verringert. "Das wird in der Summe 30 Prozent oder 150.000 Tonnen weniger Kohle pro Jahr bedeuten", so Kerstan.

Kraftwerk in Wedel soll weniger CO2 ausstoßen

30 Prozent weniger Kohle bedeutet dann auch 30 Prozent weniger CO2-Emissionen. Erreichen will man das unter anderem durch eine - wie es heißt - optimierte Fahrweise der Anlage, vor allem aber durch eine Power-to-Heat-Anlage. Die wandelt überschüssigen Windstrom in Wärme um.

Die ersten Ausschreibungen laufen bereits und Kerstan hofft, dass die Power-to-Heat-Anlage im Frühjahr 2023 in Betrieb gehen kann. Die Baukosten von knapp 30 Millionen Euro wird der Netzbetreiber 50Hertz übernehmen.

Anwohner kämpfen seit Jahren gegen das Kohlekraftwerk

Das Kraftwerk Wedel, gegen das Anwohner seit Jahren kämpfen, ist rund 60 Jahre alt und gehört damit zu den ältesten Kraftwerken Deutschlands. Es verbrennt aktuell durchschnittlich 475.000 Tonnen Kohle pro Jahr und stößt dabei 1,13 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus. In fünf Jahren soll das Heizkraftwerk Wedel endgültig vom Netz gehen.

CDU sieht "Mogelpackung"

Der klima-und energiepolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Stephan Gamm, nannte Kerstans Pläne eine Mogelpackung. Sie seien nicht mehr als "eine homöopathische Maßnahme mit grünem Anstrich". Dafür werde die Drosselung des Kohleeinsatzes die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zusätzlich belasten. Die Folge seien höhere Preise für die Fernwärmekunden.

Lob aus Schleswig-Holstein

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), nannte die geplante Kohlereduktion für das Kraftwerk Wedel dagegen einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen. "Es ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt für einen klimaneutralen Norden." Gleichzeitig mahnte er jedoch, das Kraftwerk Wedel so zügig wie möglich vom Netz zu nehmen.

Den Anwohnenden rund um das Kraftwerk gehen die Maßnahmen nicht weit genug, erklärte eine Sprecherin einer Bürgerinitiative. Sie befürchten Gesundheitsschäden durch Partikel in der Luft, daran würde auch eine Reduktion des Ausstoßes nichts ändern. Deshalb will die Initiative weiter auch gerichtlich gegen den Kraftwerksbetreiber vorgehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.10.2020 | 14:00 Uhr

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