Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

Handelskammer fordert: Hafen engagierter weiter entwickeln

Stand: 19.01.2021 15:06 Uhr

Wie kann der Hamburger Hafen fit für die kommenden Jahrzehnte gemacht werden? Die Handelskammer hat dazu einen umfangreichen Forderungskatalog entwickelt - und geht zugleich hart mit der Politik ins Gericht.

Hamburg habe es in den vergangenen zehn Jahren versäumt, seinen Hafen konsequent weiterzuentwickeln, sagte Handelskammer-Präses Norbert Aust bei der der Präsentation des Papiers "Hamburg 2040 - Zukunftsplan Hafen". Der Umschlag sei im Vergleich zu den anderen Häfen in Nordeuropa nur halb so stark gewachsen. Und Hamburg ist nach Ansicht der Handelskammer im Schnitt ein Drittel teurer als die Konkurrenz.

Handelskammer setzt auf Innovationen

Aber: Allein auf die Menge der umgeschlagenen Waren zu schauen, reicht nach Ansicht von Aust nicht. "Um seiner Rolle für den Standort Hamburg wieder gerecht zu werden, muss der Hamburger Hafen Innovationstreiber werden und stark auf Nachhaltigkeit setzen", so Aust. Willem van der Schalk, Vize-Präses der Kammer, sieht die größten Chancen des Hafens in der Ansiedlung neuer und nachhaltiger Industrien. "Hierzu zählt die Nutzung, Herstellung und der Transport alternativer Treibstoffe", so van der Schalk. Er verwies vor allem auf den Wasserstoff als Energieträger der Zukunft. Aber auch der Transport von Containern im Hafen über den Wasserweg und neue Mobilitätskonzepte zählten zu den Chancen. Die Handelskammer setzt außerdem auf Automatisierung. Dadurch könnten die ohnehin knappen Flächen besser genutzt werden.

Um das Problem der Verschlickung dauerhaft zu lösen, schlägt die Kammer eine gemeinsame Deponie in der Nordsee vor, die von allen deutschen Häfen genutzt werden kann.

Neue Hafenflächen erschließen?

Gleichzeitig macht sich die Kammer dafür stark, dass neue Hafenflächen erschlossen werden, etwa rund um das Kraftwerk Moorburg. Dagegen wehren sich aber Anwohner und Umweltverbände wie der BUND. Diesen Punkt sieht auch die rot-grüne Koalition kritisch. Der Auf- und Ausbau eines neuen Standorts dürfe nicht die Existenz des Dorfes Moorburg gefährden, betonte die hafenpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, Miriam Putz. In Moorburg leben etwa 700 Einwohner. Der SPD-Wirtschaftsexperte Hansjörg Schmidt sagte dazu unter Hinweis auf den Koalitionsvertrag: "Moorburg wird in dieser Legislaturperiode nicht für Hafenerweiterungszwecke entwickelt."

Koalition begrüßt Strategiepapier

Grundsätzlich begrüßten die Koalition und auch die CDU-Opposition das Strategiepapier der Handelskammer aber. "Unser Anliegen ist es, den Hafen zukunftssicher zu gestalten", sagte Schmidt. Wichtig seien dabei unter anderem die Digitalisierung der Hafenwirtschaft, die Klimaneutralität und die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur. Und Grünen-Fraktionschef Dominik Lorenzen betonte, die Handelskammer lasse frischen Wind durch den Hafen wehen und greife das grüne Leitbild eines ökologischen Innovationshafens mutig auf.

Weitere Informationen
Das Containerterminal Burchardkai im Hamburger Hafen. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius

Hamburger Hafen: Prognose geht von geringerem Wachstum aus

Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. "Ernüchternd", meint der Wirtschaftssenator zu den schlechteren Aussichten. (03.12.2020) mehr

Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

Hamburger Hafen: Ein Minus, das Hoffnung macht

Verluste verringert: Im Hamburger Hafen geht es nach dem Corona-bedingten Einbruch langsam wieder aufwärts. (24.11.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.01.2021 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Bürgermeister Peter Tschentscher im Hamburger Rathaus zur Corona-Lage © NDR

Corona-Lage in Hamburg: Tschentscher mahnt zur Vorsicht

Hamburgs Bürgermeister hat unter anderem eine neue Verordnung mit einer verschärften Maskenpflicht vorgestellt. mehr