Stand: 10.08.2020 13:42 Uhr  - NDR 90,3

Hamburger KomponistenQuartier: Besuch wieder möglich

von Annette Matz
Die Köpfe der Komponisten vor dem KomponistenQuartier. © NDR Foto: Annette Matz
Beliebtes Fotomotiv bei Besuchern und Besucherinnen: Die Komponisten.

Das Hamburger KomponistenQuartier ist nach viereinhalb Monaten Corona-Zwangspause wieder geöffnet. In der Hamburger Neustadt zwischen Laeizshalle und Michel gibt es Wissenswertes über sieben Komponierende zu erfahren, die alle eine Verbindung zu Hamburg haben. Dort erfährt man so einiges über 200 Jahre Hamburger Musikgeschichte. Die Museumsräume sind in schön nachgebauten Bürger- und Kaufmannshäusern untergebracht. Man fühlt sich wie bei einer Zeitreise.

Frisch renovierte Räume

Noch am Morgen der Eröffnung waren die Handwerker da. Manfred Bullinger, ehrenamtlich im  Vorstand des KomponistenQuartiers, hat ihnen extra um sieben Uhr morgens die Tür aufgeschlossen. Nicht ganz viereinhalb Monate war der Eingang zu. Die Zeit wurde zum Renovieren genutzt. "Das war auch mal nötig", sagt Bullinger freundlich. Im letzten Jahr waren über 16.000 Besucherinnen und Besucher da - mehr als 500 Führungen gab es. Das hinterlasse Spuren nach all den Jahren.

Beliebtes Ausflugsziel für Elbphilharmonie-Besuchende

In das KomponistenQuartier zu kommen, ist ein wenig wie Urlaub.
Deshalb haben auch viele Nicht- Hamburgerinnen und -Hamburger vor der Corona-Krise zum Beispiel die Zeit vor dem geplanten Konzertbesuch in der Elbphilharmonie genutzt, um einen Abstecher hierher zu machen. Auch internationale Orchester, die in Hamburg zu Gast waren, haben sich oft nach den Proben die Zeit mit den Hamburger Komponistenstars aus dem 18. und 19. Jahrhundert vertrieben.

Komponistenköpfe beliebtes Fotomotiv

Vor dem wirklich wunderschön nachgebauten Bürger- und Kaufmannshäusern des 18. Jahrhunderts, aus rotem Backstein, steht groß das beliebteste Fotomotiv des Quartiers: die Köpfe der sechs Komponisten und einer Komponistin, die hier ihr Museum haben. Sie sind alle auf die eine oder andere Weise mit Hamburg verbunden - Telemann, Bach, Hasse, die Geschwister Mendelsohn, Johannes Brahms und natürlich Gustav Mahler. Er war sechs Jahre lang  Kapellmeister an der heutigen Staatsoper. 1891 bis 1897 war das.  Mahlers Taufbuch aus dem Kleinen Michel liegt in einem der Museumshäuser in einer Vitrine unter Glas. Daneben steht ein Fahrrad. "Dieser etwas vergeistigte Mann hat sich aber sehr für Technik interessiert und er war einer der ersten Fahrradfahrer in Hamburg", erläutert Bullinger.

 Alltagsgeschichten über Komponisten

Gustav Mahler hatte sich an jedem Urlaubsort ein Komponierhäuschen bauen lassen. Über den Alltag der Komponisten erfährt man in den Museumsräumen noch viel mehr. Die Briefe der Geschwister Mendelsohn sind dort zu sehen und zu hören: Sie haben gegenseitig füreinander komponiert. Georg Phillipp Telemann und sein Komponistenfreund Händel haben sich Blumenzwiebeln per Post zugeschickt. Im Garten vor dem Haus steht sogar eine nach Telemann benannte Dahlie und eine Pfingstrose, die ebenfalls Telemann heißt.

Briefe von Bach

Eine Blume wurde nicht nach Carl Philipp Emanuell Bach benannt. Aber der Musikdirektor, der über 20 Jahre lang in Hamburg war und 1788 im Michel begraben wurde, liebte Hamburg und die Hamburgerinnen und Hamburger besonders. "Gutherzig und umgänglich" seien sie und mit ihnen könne man "ein angenehmes und vergnügtes Leben" führen. Das schrieb Bach damals an den Musik-Kollegen und historischen "Headhunter" Charles Burney, der ihn nach London abwerben wollte.

Seltene und wertvolle Instrumente

Ein besonders wertvolles Highlight ist das alte Spinett. Es ist aus dem Jahr 1730 und wurde von dem Engländer Thomas Hitchcock gebaut. Es ist sehr zart und sehr empfindlich. "Deshalb dürfen es auch nur zwei Personen bei uns bespielen", sagt Bullinger. Neueste Errungenschaft des Hauses ist ein automatisches Klavier. Das kann man zwar auch normal spielen, der Clou sind aber die Klavierrollen mit Lochstreifen. Und der Schatz des Hauses ist eine Original- Klavierrolle von Gustav Mahler selbst signiert - zu wertvoll um sie abzuspielen.

Das Komponistenquartier in der Hamburger Peterstraße ist ab sofort wieder von Dienstags bis Sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Schirmherr ist übrigens Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano.

Weitere Informationen
Porträt des Komponisten Georg Philipp Telemann (1681-1767) © picture-alliance / akg-images Foto: akg-images

Telemann, der barocke Multitasker

Er war Geschäftsmann, Verleger und komponierte Tausende von Musikstücken: Georg Philipp Telemann. Als einer der wenigen Künstler seiner Zeit konnte er von seinem Schaffen gut leben. mehr

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847) © picture-alliance / dpa

Mendelssohn Bartholdy: Der "Mozart" aus Hamburg

Wohl jeder kennt Musik von Mendelssohn Bartholdy - oft ohne es zu wissen: Sein "Hochzeitsmarsch" begleitet viele Brautpaare zum Altar. Geboren wurde der Komponist 1809 in Hamburg. mehr

Porträt des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach (Lithographie von Alfred Lemoine) © picture-alliance / akg-images Foto: akg-images

Carl Philipp Emanuel - Der "Hamburger Bach"

Zwei Jahrzehnte prägte Johann Sebastian Bachs Sohn als Musikdirektor das kulturelle Leben Hamburgs. Vor 300 Jahren wurde der im Michel beigesetzte Barock-Komponist geboren. mehr

Johannes Brahms vor dem Haus des befreundeten Ehepaares Fellinger in Wien III, Hauptstraße 96. - Fotografie, September 1894 (Maria Fellinger). © akg-images Foto: Maria Fellinger

Johannes Brahms - Der schwermütige Komponist

Deutsches Requiem, Ungarische Tänze und vier Sinfonien: Die Werke von Johannes Brahms sind weltberühmt. 1833 wurde der Komponist in Hamburg geboren. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.08.2020 | 19:20 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Der Außenbereich der Bar "Le Vou" im Hamburger Schanzenviertel. © Florencia Acosta Foto: Florencia Acosta

Weiterer Corona-Ausbruch in einer Hamburger Bar

Nach dem Corona-Ausbruch in der Bar "Katze" gibt es eine Häufung in einem weiteren Lokal im Hamburger Schanzenviertel. 16 Menschen wurden nach einem Besuch im "Le Vou" positiv getestet. mehr

St. Paulis Daniel-Kofi Kyereh (l.) erzielt den Anschlusstreffer zum 1:2 gegen den VfL Bochum © Witters Foto: Christof Koepsel

St. Pauli punktet dank toller Moral und Kyereh in Bochum

Der FC St. Pauli hat am ersten Zweitliga-Spieltag ein 2:2 beim Aufstiegskandidaten VfL Bochum geschafft. Die Hamburger lagen bereits mit 0:2 zurück, trafen dann in der Schlussphase doppelt. mehr

Teilnehmer einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen stehen vor dem Reichstag, ein Teilnehmer hält eine Reichsflagge. © picture alliance/dpa Foto: Fabian Sommer

Hamburg prüft Verbot von Reichsflaggen

Nachdem in Bremen Reichs- und Reichskriegsflaggen jetzt verboten sind, prüft Hamburg einen ähnlichen Weg. Möglich wurde das durch einen entsprechenden Erlass des Bremer Innensenators. mehr

Menschen genießen im Hamburger Stadtpark die Sonne. © Imago Images/HochZwei/Angerer Foto: Imago Images/HochZwei/Angerer

15-Jährige im Stadtpark missbraucht: Polizei sucht Zeugen

Ein 15-jähriges Mädchen soll im Hamburger Stadtpark von mindestens fünf Jugendlichen sexuell misshandelt worden sein. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen. mehr