Hamburger Grüne wählen Blumenthal zur Parteichefin

Stand: 30.05.2021 20:05 Uhr

Die Hamburger Grünen haben am Sonntag eine neue Landesvorsitzende gewählt: Maryam Blumenthal übernimmt die Parteiführung von der bisherigen Landeschefin Anna Gallina.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Blumenthal erhielt bei dem virtuellen Parteitag 59,6 Prozent der Stimmen und setzte sich damit gegen die Bürgerschaftsabgeordnete Sina Demirhan durch, die auf 39 Prozent kam. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Leon Alam, Sprecher der Grünen Jugend Hamburg, aus Eimsbüttel gewählt. Die Voten müssen noch durch Briefwahl bestätigt werden.

Im Gespräch mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen erneuerte Blumenthal am Sonntagabend die Forderung ihrer Partei, dass Hamburg bis 2035 als Stadt klimaneutral sein soll. "Da müssen wir natürlich ran und unseren Klimaplan anpassen, unser Klimagesetz nochmal überarbeiten", sagte die neue grüne Parteichefin.

Pädagogin mit politischem Selbstbewusstsein

Die 35 Jahre alte Blumenthal ist Lehrerin an einer Stadtteilschule und in der Fraktion Sprecherin für Sport und berufliche Bildung. Sie wurde in Teheran geboren. Blumenthal steht für selbstbewusste Grüne, Konflikte scheut sie nicht - auch nicht mit dem Koalitionspartner SPD: "Bei den Koalitionsverhandlungen und in den Jahren als Vorsitzende habe ich gezeigt, dass ich für Stabilität stehe, dass ich aber überhaupt keine Angst habe, grüne Ideen weit nach vorne zu tragen", so Blumenthal.

Blumenthal: Raus aus der "grünen Blase"

Die Grünen müssten raus aus ihrer Blase und stärker werden in den äußeren Stadtbezirken, erklärte Blumenthal auch in ihrer Bewerbungsrede. Denn in Harburg, Bergedorf und Wandsbek lebten rund 40 Prozent der Menschen dieser Stadt: "Das bedeutet, wir müssen die Themen der äußeren Stadt zu unser aller Themen machen. Und es bedeutet, dass wir da rein müssen, wo die Türen nicht auf Anhieb für uns offenstehen." Die Grünen seien für viele verschiedene Milieus überhaupt nicht der Ansprechpartner, "das muss sich ändern", sagte sie.

Erfahrung durch eigene Migrationsgeschichte

"Es geht darum, dass wir die älteren Menschen über 60 erreichen", erklärte Blumenthal am Sonntagabend im Hamburg Journal. "Es geht darum, dass wir in Stadtteile reinkommen, in denen wir bei der letzten Bürgerschaftswahl nicht so gute Ergebnisse erzielt haben wie in anderen Stadtteilen. Und es geht auch darum, dass wir die Menschen mit Migrationsgeschichte erreichen. Sicherlich kann ich da auch als Person, mit meiner Biografie, ein paar Türen öffnen. Ich bin ja selbst auch nicht in Deutschland geboren, sondern aus dem Iran mit meinen Eltern als Kleinkind nach Deutschland gekommen, bin in Steilshoop in einem Hochhaus aufgewachsen – also so ein bisschen vermeintlich untypisch grün."

Blumenthal: "Klimaschutz ist eine soziale Frage"

Blumenthal will die Grünen als sozial gerechte Partei profilieren. Dabei gehe es ihr nicht um neue Konkurrenz zu Linken und SPD, sagte sie im Hamburg Journal. "Wir sind schon eine sozial gerechte Partei – Klimaschutz ist eine soziale Frage. Wir müssen das in meinen Augen nur noch ein bisschen deutlicher herausstellen." Aber es sei eine Aufgabe, Klimaschutz so zu gestalten, dass man ihn sich nicht nur als Luxus leisten könne.

Das Ende der "kleinen Ära" Gallina

Ihre Vorgängerin Gallina war im vergangenen Jahr nach der Bürgerschaftswahl als Justizsenatorin in den rot-grünen Senat gewechselt und trat daraufhin nicht wieder an. Nach sechs Jahren im Amt verabschiedete sich die 37-Jährige von den Teilnehmenden der Landesmitgliederversammlung als Vorsitzende und gab ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg, "den Laden" zusammenzuhalten. Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank sprach vom Ende einer "kleinen Ära". "Wir waren in den letzten Jahren so erfolgreich wie nie", sagte sie mit Hinweis auf die Europa- und Bezirkswahlen 2019 und die Bürgerschaftswahl ein Jahr später.

Beck führt die Landesliste an

Am Sonnabend hatte die digitale Landesmitgliederversammlung bereits die Kandidatenliste für die Bundestagswahl am 26. September bestimmt. Spitzenkandidatin wurde die Wirtschaftsexpertin Katharina Beck. Auf dem umkämpften Listenplatz zwei konnte sich der frühere Justizsenator Till Steffen auf Anhieb gegen fünf Mitbewerber durchsetzen. Emilia Fester von der Grünen Jugend und der Harburger Bundestagsabgeordnete Manuel Sarrazin wurden auf die aussichtsreichen Plätze drei und vier gewählt.

Weitere Informationen
Katharina Beck (Bündnis90/Die Grünen) freut sich auf der Landesmitgliederversammlung über ihre Wahl auf Platz eins der Landesliste zur Bundestagswahl 2021. © picture alliance / dpa Foto: Markus Scholz

Beck Spitzenkandidatin der Hamburger Grünen für Bundestagswahl

Die Wirtschaftsexpertin verfügt über keine parlamentarische Erfahrung. Auf Listenplatz zwei folgt Till Steffen. (29.05.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.05.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Ein Mann bringt ein abgehängtes Hinweisschild zur Maskenpflicht zu seinem Fahrzeug. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt

Senat will die Maskenpflicht teilweise aufheben

Die Inzidenz liegt stabil unter 20. Zumindest für die Außenbereiche plant der Senat, die Maskenpflicht in Hamburg zu kippen. mehr