Stand: 09.10.2019 11:22 Uhr

Hamburg will mehr Steckdosen für Schiffe

Der Hamburger Senat hat am Dienstag den Ausbau der Stromanschlüsse für große Container- und Kreuzfahrtschiffe beschlossen. Als erster Hafen in Europa soll Hamburg in drei Jahren eine umweltfreundliche Stromversorgung auch für die großen Containerschiffe anbieten - und damit einen großen Schritt vorangehen, wie Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei der Vorstellung der Pläne sagte. "Alle reden von Klimaschutz und Luftverschmutzung, wir handeln."

Landstromanlage.

Im Hafen soll künftig mehr Landstrom fließen

Hamburg Journal -

Der Hamburger Senat will das Landstrom-Angebot für Schiffe im Hafen stark ausbauen. Bis 2022 sollen mehrere neue Anlagen entstehen - auch für Containerschiffe.

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Acht Anschlusspunkte im Hafen geplant

An insgesamt acht Anschlusspunkten sollen sich Container- und Kreuzfahrtschiffe künftig mit Strom aus dem Hamburger Netz versorgen können. Technisch keine einfache Aufgabe, denn ein ans Stromnetz angeschlossenes Kreuzfahrtschiff kann so wirken, als werde plötzlich eine Kleinstadt mitversorgt.

Senat rechnet mit Kosten von 76 Millionen Euro

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Acht Anschlüsse zur Landstromversorgung sind im Hamburger Hafen geplant.

Der Burchardkai, der Europakai und der Predöhlkai sollen bis 2022 Anschlüsse für Landstrom bekommen, außerdem alle Kreuzfahrtterminals. Ab 2022 im Probebetrieb, ab 2023 dann regulär. Der Strom soll klimaneutral erzeugt werden. 76 Millionen Euro sollen investiert werden. Hamburg hofft darauf, dass der Bund die Kosten etwa zur Hälfte finanziert. Doch das ist noch nicht unterschrieben.

Diesel erheblich billiger

Es gibt noch weitere unbeantwortete Fragen: Wie können die Reeder zum Beispiel dazu gebracht werden, tatsächlich umzusteigen? Bislang erzeugen die meisten Schiffe ihren Strom selbst. Das ist bisher erheblich billiger für die Reedereien: Denn noch kostet sie der klimaschädliche Strom aus Diesel zwei Drittel weniger. "Diesen Wettbewerbsnachteil müssen wir verringern", sagte Tschentscher am Dienstag.

Bürgermeister lobt Landstromanlage in Altona

Von großem Nutzen für die jetzige Entscheidung zum Ausbau der Stromanschlüsse sei Hamburgs erste Landstromanlage in Altona gewesen, sagte Tschentscher. Seit 2016 können dort Kreuzfahrtschiffe probeweise Strom beziehen.

Tschentscher will Zeichen setzen

Gegenwärtig könnten rund zwölf Prozent der großen Containerschiffe, die den Hamburger Hafen anlaufen, Landstrom nutzen. Das sind 135 Schiffe, die drei- bis viermal im Jahr kommen. "Wenn Hamburg als größter deutscher Hafen sagt, wir stellen Landstrom bereit, dann bewirkt das auch entsprechende Entscheidungen auf der Reeder-Seite", erklärte der Bürgermeister. Die Zahl der landstromfähigen Schiffe werde schnell zunehmen.

Linke: Reeder sollen Kosten übernehmen

Den wirtschaftspolitischen Sprecher der FDP, Michael Kruse, überzeugten die Pläne des Senats nicht. Trotz mehrjähriger Bearbeitungszeit sei das Konzept unausgegoren. Man habe es wohl noch unbedingt vor der Bürgerschaftswahl präsentieren wollen, glaubt er. Die Linke sprach dagegen von einem guten Signal. Es sei aber nicht einzusehen, dass für die nötigen 76 Millionen Euro die Steuerzahler aufkommen sollen. Außerdem misstraut sie der geplanten Freiwilligkeit. Die Reedereien sollten verpflichtet werden, den Landstrom auch zu nutzen.

Umweltverbände fordern Landstrompflicht

Auch Umweltverbände kritisierten die Pläne des Senats. Diese seien ein Tropfen auf den heißen Stein, meinte Manfred Braasch vom Hamburger BUND. Sönke Diesener vom Nabu Hamburg forderte, die Stadt dürfe nicht nur auf den guten Willen der Reedereien setzen, sondern müsse eine Landstrompflicht einführen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.10.2019 | 06:00 Uhr

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