Stand: 22.04.2019 14:03 Uhr

Hamburg-Mitte: Das Herz der Stadt

Der Hamburger Bezirk Mitte mit seinen rund 300.000 Einwohner bezeichnet sich selbst gern als das Herz der Stadt. "Mitte ist ja nicht der größte Bezirk, das ist Bergedorf, der hat viel mehr Fläche. Und die meisten Menschen wohnen in Wandsbek. Hamburg-Mitte ist nie der größte Bezirk und der beste Bezirk, aber der Bezirk, in dem das Herz der Stadt schlägt", so formuliert es Falko Droßmann von der SPD, der seit März 2016 Bezirksamtsleiter und damit der inoffizielle Bezirksbürgermeister ist.

Zu Hamburg-Mitte gehören 19 Stadtteile von Finkenwerder im Südwesten bis Billstedt im Osten. Nicht zu vergessen Neuwerk, das Zentrum des 1990 gegründeten Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer. Und so verschieden die Stadtteile sind, so unterschiedlich sind auch die Bewohner des Bezirks. 16 Prozent waren Ende 2017 jünger als 18 Jahre alt, etwa 14 Prozent älter als 65 Jahre alt. Rund 147.000 Menschen im Bezirk Mitte haben einen Migrationshintergrund, der Ausländeranteil liegt bei 28 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag Ende März 2019 bei 8,1 Prozent und ist damit die höchste der sieben Hamburger Bezirke.

Wohnungsknappheit bedrückt viele im Bezirk

"Wenn ich in Mümmelmannsberg bin oder in Billstedt, dann ist das was ganz anderes als St. Pauli, es ist etwas ganz anderes als auf der Veddel oder auf Finkenwerder. Die Unterschiede sind hier so massiv", sagt Droßmann. Die Sorge um bezahlbaren Wohnraum aber vereint viele Mitte-Bewohner. Immer mehr Menschen haben Angst vor der Gentrifizierung ihrer Stadtteile, weil sie befürchten, aus ihren angestammten Quartieren etwa in St. Pauli, St. Georg, der Neustadt oder dem Portugiesenviertel vertrieben zu werden.

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Das ist bei der Politik durchaus angekommen und in einigen wenigen Fällen wurden im Bezirk Mitte in den vergangenen Jahren Exempel statuiert: So wurden im Stadtteil Hamm hamburgweit erstmals einige seit Jahren leer stehende Wohnungen zwangsvermietet. Außerdem hat die Stadt in St. Pauli erstmals ihr Vorkaufsrecht genutzt, um die Umwandlung von Miet- in teure Eigentumswohnungen zu verhindern.

Außerdem sollen sogenannte soziale Erhaltensverordnungen die Bewohner vor Verdrängung schützen, und man versucht, die Bewohner in städtebauliche Planungen einzubeziehen - bei Neubauten auf dem Gelände der ehemaligen Esso-Häuser, dem Paloma-Viertel, beispielsweise. Derzeit geht es dort allerdings nicht recht voran, weil sich die von den Anwohnern geforderte Baugenossenschaft noch nicht gefunden hat. Aber auch Neubauprojekte wie das Hafenbahn-Quartier an der S-Bahn-Station Elbbrücken für rund 1.000 Menschen sollen den Druck auf dem Wohnmarkt etwas abmildern.

Partyvolk sorgt für Unmut und Debatten

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Die Hinterlassenschaften der zahlreichen Besucher des järhlichen Schlagermoves sorgen immer wieder für Ärger.

Den Bewohnern St. Paulis ist die zunehmende Eventisierung auf dem Kiez ein Dorn im Auge. Schlagermove und andere Großveranstaltungen belasten den Stadtteil. Genauso wie das sogenannte Cornern rund um die vielen Kioske in St. Pauli oder in St. Georg. Hier debattiert die Hamburgische Bürgerschaft über eine gesetzliche Regelung zur Begrenzung der Öffnungszeiten oder über ein abendliches Alkoholverkaufsverbot. Das letzte Wort ist in dieser Debatte aber noch nicht gesprochen.

Autoverkehr steht nicht mehr überall im Fokus

Im Bereich der Verkehrspolitik wurde besonderes in der Innenstadt zuletzt einiges angestoßen. Rund um die Binnenalster werden die Straßen saniert und mit extra Radstreifen ausgestattet. Die Linienbusse sollen möglichst, wenn es nach dem Willen von der in Mitte regierenden rot-grünen Koaltion geht, aus der Mönckebergstraße und vom Rathausmarkt verschwinden und der gesamte Rathausmarkt neu gestaltet werden. Außerdem sind neue Velorouten dazugekommen, wurden erneuert oder sind zumindest geplant. Parkhäuser sollen Wohnungsbau weichen und im Sommer sollen erstmals acht kleinere Straßen rund um das Rathaus für drei Monate autofrei werden. Das Anwohnerparken soll ausgeweitet werden - und neue Fußweg-Verbindungen zwischen Innenstadt und Hafencity stehen zur Debatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.04.2019 | 08:00 Uhr

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