Stand: 04.01.2019 20:22 Uhr

Hackerangriff: Politiker aus Hamburg betroffen

Unbekannte Hacker haben massenhaft Daten von Politikern, Künstlern und Journalisten im Internet veröffentlicht. Betroffen sind Hunderte Politiker von allen im Bundestag vertretenen Parteien - mit Ausnahme der AfD. Unter anderem wurden offenbar schon vor Weihnachten private Handynummern, Adressen und Briefe im Internet über Twitter veröffentlicht. Wer hinter dem Hacker-Angriff steckt, ist noch unklar. Auffällig ist, wie viele Hamburger Politiker auch betroffen sind. Viele sprechen von einem Einschüchterungsversuch.

Tschentscher und Scholz betroffen

Unter den Politiker aus Hamburg, von denen Daten veröffentlicht wurden, sind unter anderem der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sowie die Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (SPD) und Christoph Ploß (CDU). Aber auch von den Hamburger Fraktionschefs von CDU und Grünen, André Trepoll und Anjes Tjarks, stehen private Daten im Netz. Tschentscher hat bereits Konsequenzen gezogen und sich eine neue Handy-Nummer besorgen lassen, weil die bisherige im Internet veröffentlicht worden war.

Leonhard verurteilt Attacke

Die Hamburger SPD-Landesvorsitzende, Sozialsenatorin Melanie Leonhard, verurteilte die Attacke im Gespräch mit NDR 90,3. "Es ist ein wirklich bedrückendes Gefühl", sagte Leonhard. Wenn man politisch aktiv ist, stehe man ohnehin viel in der Öffentlichkeit, es gebe wenig, das privat bleibe, aber die eigensten Daten gehörten eigentlich dazu. "Es ist eine Botschaft, wenn man das öffentlich macht: 'Du bist angreifbar'. Das ist kein schönes Gefühl."

CDU-Chef Trepoll fordert schnelle Aufklärung

Ähnlich äußerte sich auch Grünen-Fraktions-Chef Anjes Tjarks. „Das ist in der Tat kein gutes Gefühl, weil man doch denkt, man wird in seinen Grundrechten verletzt, in seiner ganzen Privatsphäre.“ Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD), von der ebenfalls private Daten veröffentlciht wurden, erklärte: "Wir stehen im engen Kontakt mit den IT-Beauftragten der Stadt und auch dem Bundestag, um die Hintergründe aufzuklären und zu schauen, was jetzt zu tun ist." Eine schnelle Aufklärung und eine schnelle Ermittlung der Täter forderte auch CDU-Fraktions-Chef André Trepoll.

Hamburgs Datenschützer beklagt schlechte Kommunikation

Unterdessen beschwert sich Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar über die schlechte Kommunikation mit den Bundesbehörden. Nur zufällig habe er aus den Medien erfahren, dass es dieses massive Datenleck gebe, sagte Johannes Caspar dem NDR Hamburg Journal. Es gehe jetzt eben möglichst um eine Schadensbegrenzung. "Und die hätte man sicher besser liefern können, wenn man früh genug informiert gewesen wäre über das ganze Szenario."

Kaum Schutz im Netz

Die Verunsicherung bei den betroffenen Politikern sei groß, so Caspar. "Wir versuchen uns insbesondere darum zu kümmern, dass diese Daten aus dem Netz verschwinden.“ Trotzdem: Wirklich verhindern, dass diese persönlichen und sensiblen Daten auch weiter öffentlich im Netz stünden, könne man nicht, bedauerte Caspar.

Kritik an der Informationspolitik der Behörden

Kritik gibt es nun auch an der Informationspolitik der Behörden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wusste nach eigenen Angaben schon seit Wochen davon, dass massenhaft persönliche Daten von Personen des öffentlichen Lebens ins Internet gestellt wurden, hatte die Fraktionsvorsitzenden der betroffenen Parteien im Bundestag aber nicht informiert. BSI-Präsident Arne Schönbohm hatte dem TV-Sender Poenix gesagt, es sei schon vor einem Monat mit betroffenen Abgeordneten gesprochen worden, auch habe man Gegenmassnahmen eingeleitet.

Telefonnummer, Chat-Verläufe, Kreditkarten

Sorgen bereitet den Sicherheitsbehörden jetzt vor allem, ob der Hacker noch aktiv ist und weitere Daten ins Netz stellt. Neben Telefonnummern wurden unter anderem Fotos von Personalausweisen oder Kreditkarten online gestellt, von einigen Betroffenen waren auch private Chats etwa mit ihren Kindern veröffentlicht worden. Politisch brisantes Material war dagegen nicht dabei.

Auch Journalisten betroffen

Auch Journalisten der ARD, des ZDF und bekannte Moderatoren waren Ziel des Angriffs. Nur von AfD-Politikern gibt es keine Einträge. Inzwischen ist die Twitter-Seite des mutmaßlichen Hackers gesperrt - am Freitag gegen 10 Uhr waren dort noch alle Links zu den Daten öffentlich.

Aufklärung wird dauern

In Berlin gab es eine Krisensitzung des nationalen Cyber-Abwehr-Zentrums. Die Bundesregierung nehme den Vorfall "sehr, sehr ernst", sagte eine Sprecherin. Die Behörden arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung des Falles. Dies werde aber wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Sie warnte, die veröffentlichten Daten seien mit "großer Vorsicht zu handhaben". Selbst in authentische Dokumente könnten gefälschte Daten eingeschleust worden sein.

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Hacker haben massenweise Daten von Hunderten deutschen Politikern, Journalisten und Künstlern im Internet veröffentlicht. Wer steckt hinter der Attacke? Mehr bei tagesschau.de extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.01.2019 | 11:00 Uhr

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