Stand: 01.03.2019 12:31 Uhr

Greta Thunberg in Hamburg: "Wir machen weiter"

Statt zur Schule zu gehen haben am Freitagvormittag Tausende Schüler aus Norddeutschland in der Hamburger Innenstadt für einen besseren Klimaschutz demonstriert. Der Protestzug der "Fridays-for-Future"-Kundgebung wurde von einer prominenten Unterstützerin angeführt: Die 16-jährige schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die die Bewegung ins Rollen brachte, kam dafür während ihrer Ferien mit der Bahn aus Schweden und führte einen Protestzug vom Gänsemarkt zum Rathausmarkt an. Die Veranstalter sprachen von 10.000 Teilnehmern, die Polizei von rund 3.800.

"Wir werden weiter streiken"

Auf dem Rathausmarkt hielt die 16-Jährige, die nach ihren Auftritten auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz (Katowice) und beim Weltwirtschaftsforum in Davos weltberühmt wurde, eine kurze Rede. "Wir werden weiter streiken, bis sie etwas unternehmen", sagte Thunberg auf Englisch an die Politiker und allgemein an die Erwachsenen gerichtet. "Sie haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht, wir schon. Wir werden weitermachen, bis sich etwas ändert", kündigte sie an und bekam den Applaus der Jugendlichen und "Greta! Greta!"-Sprechchöre. Im Innenstadtbereich kam es wegen der Proteste zu längeren Staus. Die Polizei forderte Autofahrer auf, den Bereich weit zu umfahren.

Die Hamburger Schüler Lilli (17) und Gustav (16) übergaben Thunberg einen langen Brief. Die beiden hatten eine Online-Petition gestartet und zu sogenannten Lovespeeches aufgerufen, da ihr Vorbild von vielen Menschen im Internet auch angefeindet wird. "Wir lieben Greta für das, was sie tut, für ihren Mut, Dinge zu sagen, die viele Erwachsene nicht wahrhaben wollen, für ihr Durchhaltevermögen und dafür, dass sie uns eine Stimme gibt", sagte Lilli. Bisher haben mehr als 72.000 Menschen die Petition auf change.org unterzeichnet.

Hamburger Schulbehörde bleibt hart

Die Schulbehörde in der Hansestadt blieb derweil hart: Wer in der Schulzeit für den Klimaschutz auf die Straße geht, wird als Schulschwänzer betrachtet. Mit allen disziplinarischen Konsequenzen - vom Gespräch mit den Eltern über Einträge ins Zeugnis bis zu möglicherweise 0 Punkten für das Mündliche. Das teilte die Schulbehörde auf Anfrage von NDR 90,3 mit. Auch hätten Schulen nicht die Möglichkeit, Schüler für die Demo zu befreien. Geschehe das, werde die Schulaufsicht dem nachgehen. Daran ändere sich auch nichts durch den Besuch von Greta Thunberg in Hamburg. Auf die Frage, ob die Schulbehörde den Streiks auch Positives abgewinnen könne, kam die Antwort: Sympathie oder Antipathie seien keine relevanten Kriterien im Handeln einer Behörde.

Auch Kritik an der Schulbehörde

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Greta Thunberg (Mitte) führte den Protestzug durch die Hamburger Innenstadt mit an.

Die Linke kritisierte die Haltung der Behörde: "Statt die Schulen in ihrer Selbstverantwortung zu stärken und außerunterrichtliche Projekte zu fördern, fallen Schulsenator Ties Rabe wieder nur Sanktionen ein", sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus. "Wir müssen als Eltern- und Großelterngeneration endlich begreifen, dass den jungen Menschen der Kampf gegen den Klimawandel ernst ist. Und wir können darüber heilfroh sein." Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert, Nachhaltigkeit und Klimaschutz stärker in den Unterricht einzubeziehen.

Hass gegen sie? "Eine natürliche Reaktion"

In einem Interview mit dem NDR sagte Thunberg: "Ich finde es schlecht, dass Schüler dafür bestraft werden, wenn sie für ihre Zukunft kämpfen." Dass Schüler neben ihrem Kampf für ihre Zukunft auch gegen die Erwachsenen kämpfen müssten, sei nicht fair. Zu den Hass-Kommentaren im Internet gegen sie sagte Thunberg: "Das ist eine natürliche Reaktion. Als ich ich begann, wusste ich, dass es natürlich viel Hass geben wird. Aber deren Argumente sind so lächerlich. Sie hassen uns nur, weil wir für etwas einstehen."

Sie verwies darauf, dass jeden Tag mehr als 200 Tierarten aussterben würden. Zudem wüssten die wenigsten Menschen vom CO2-Budget, also der festgelegten Menge an Kohlendioxid, die noch freigesetzt werden dürfe, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten.

Freitags Demo statt Schule

Thunberg demonstriert seit vergangenem August jeden Freitag vor dem Reichstag in der schwedischen Hauptstadt Stockholm für mehr Klimaschutz. Durch ihre Aktion ist sie weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt geworden. Nach ihrem Vorbild gehen mittlerweile Zehntausende Schüler in verschiedenen Ländern freitags nicht mehr zur Schule, sondern demonstrieren und fordern die Politik ihres jeweiligen Landes auf, sich stärker fürs Klima einzusetzen.

Schleswig-Holstein ist wohlwollender

In Schleswig-Holstein gab es jüngst Anerkennung für die Schüler, die sich für besseren Klimaschutz engagieren. Sie finde es klasse, dass sich Schüler auch in Schleswig-Holstein aktiv für ihre Zukunft einsetzen, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Dass die Aktionen während der Schulzeit stattfinden, davon ist die Ministerin hingegen nicht begeistert.

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Die Protestaktion "Schulstreik fürs Klima" der 15-jährigen Schwedin Thunberg hat Nachahmer in aller Welt gefunden. tagesschau.de berichtet. (04.12.2018) extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.02.2019 | 12:00 Uhr

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