Stand: 20.06.2020 19:48 Uhr  - Hamburg Journal

Galeria Karstadt Kaufhof: Bestürzung über Filial-Schließungen

Die angekündigte Schließung von vier Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof sorgt in Hamburg für Sorgen und Proteste. Vor dem Alstertal-Einkaufszentrum in Poppenbüttel haben am Sonnabendmittag rund 50 Beschäftigte für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Auch Karstadt Sports scheint betroffen: Die Filiale in der Mönckebergstraße soll angeblich geschlossen werden - ebenso die in Harburg, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" erfahren haben will. Eine Bestätigung liegt NDR 90,3 und dem Hamburg Journal nicht vor.

Vier von sieben Filialen in Hamburg schließen

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hatte am Freitag angekündigt, deutschlandweit zahlreiche Filialen zu schließen. Vier der sieben Filialen in der Hansestadt stehen demnach auf der Streichliste des Unternehmens. Betroffen sind Wandsbek und Bergedorf sowie die beiden ehemaligen Kaufhof-Standorte in der Mönckebergstraße und im Alstertal Einkaufszentrum. Die ehemaligen Karstadt-Häuser in der Innenstadt, in Eimsbüttel und in Harburg sollen erhalten werden.

Kein Verständnis bei den Kunden

Am Sonnabend gab es in der Hamburger Innenstadt für die Entscheidung nur wenig Verständnis. "Ich kann es nicht nachvollziehen, die Filialen sind immer voll, wenn wir hier sind", sagte eine Passantin. "Hier kann man wenigsten noch jemanden Fragen, wenn man Hilfe braucht", erklärte eine Frau, es sei bitter für die Leute und für die Stadt, eine andere.

Kaufhof in der Mönckebergstraße "ein Magnet"

Der Kaufhof in der Mönckebergstraße gilt als Tor zur Hamburger Einkaufswelt. Für Brigitte Engler vom City Management ist die Bedeutung des Kaufhauses groß. "Viele Menschen kommen, weil sie wissen, auf dieser Fläche finden sie alles. Da kennt man sich aus, das kennt man seit Jahrzehnten." Und diese Menschen hielten sich dann auch in der Innenstadt auf. "Es ist ein echter Magnet". Das Aus könnte einen fatalen Eindruck hinterlassen. "In einer Zeit, in der der stationäre Handel sich schwer tut, in der wir absolut geschwächt sind, durch die Corona.Pandemie, habe ich im Moment keine Vorstellung, wer die Fläche mieten sollte."

Protest in Poppenbüttel

Die vierte Filiale des Karstadt-Kaufhof-Konzerns, die in Hamburg schließen soll, ist die in Poppenbüttel im Alstertal-Einkaufszentrum. Sowohl am Freitag, wie auch am Sonnabend demonstrierten dort die Angestellten für den Erhalt. Betriebsrat Michael Zuther sagte am Rande der Demonstration zu NDR 90,3: "Der gestrige Tag war einer der schwerste meines Berufslebens." Der Kaufhof in Poppenbüttel sei aus seiner Sicht wirtschaftlich gut aufgestellt, "die Kunden danken uns das", sagte Zuther.

Bundesweit sollen 62 Filialen geschlossen werden

Mit den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern wurde ein Sozialtarifvertrag verhandelt. Betroffene Angestellte können demnach bis zu sechs Monate in eine Transfergesellschaft. Galeria Karstadt Kaufhof kündigt an, bundesweit 62 von 172 Filialen mit insgesamt 6.000 Arbeitsplätzen schließen zu müssen.

Entsetzen über "Kahlschlag"

Die Gewerkschaft ver.di äußerte sich entsetzt über die geplanten Schließungen. Fachbereichsleiterin Heike Lattekamp sagte: "Filialschließungen sind kein Zukunftskonzept, sondern Kahlschlag. Solche Pläne sind unmenschlich und ohne Nutzen."

Politik kritisiert Schließungen

Auch die CDU kritisiert die Schließungen. Der Senat müsse laut CDU Perspektiven entwickeln, damit die Häuser nicht über Jahre leer stünden. Die AfD befürchtet weitere Schließungen durch die ausbleibende Kundschaft und fordert, den Corona-Ausnahmezustand so schnell wie möglich zu beenden und für ein gutes wirtschaftliches Klima zu sorgen. Die Linke will die Nachfrage erhöhen. Dafür müsse man vor allem die kleinen Einkommen stärken.

Wirtschaftssenator will Arbeitsplätze erhalten

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) will möglichst viele Häuser und Arbeitsplätze erhalten. Offenkundig konnte Karstadt-Kaufhof trotz der Sanierungsbemühungen nicht wieder zur alten Stärke zurückfinden, zumal die Probleme von der Coronakrise verschärft worden seien, erklärte Westhagemann.

Weitere Informationen
Mitarbeiter von Galeria Kaufhof Karstadt halten im Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ) bei einer Kundgebung vor einer Galeria-Kaufhof-Filiale ein Transparent mit der Aufschrift "Galeria Karstadt Kaufhof -Zukunft statt Kahlschlag" sowie schwarze Luftballons. © picture alliance/dpa Foto: Bodo Marks

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Bei Galeria Karstadt Kaufhof hat man sich offenbar auf ein Sanierungskonzept verständigt. 62 Filialen sollen geschlossen werden, Tausende Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Mehr bei tagesschau.de. extern

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Hamburg Journal | 20.06.2020 | 19:30 Uhr

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