Stand: 05.09.2016 20:18 Uhr

Frachter-Brand befeuert Kritik an Löschboot-Flotte

Nach dem Großfeuer auf dem Containerschiff "Arauco" im Hamburger Hafen gibt es lautstarke Kritik an den veralteten Löschbooten der Hamburger Feuerwehr. Um den Brand in den Griff zu bekommen, musste unter anderem das große Mehrzweckschiff "Neuwerk" aus Cuxhaven angefordert werden. Aus dem Hamburger Bestand waren zwei Löschboote im Einsatz.

"Nur knapp einer Katastrophe entgangen"

Seit Jahren sei das Problem der veralteten Hamburger Löschboote bekannt, sagte Norbert Hackbusch (Die Linke) im Gespräch mit NDR 90,3. "Wie kann sich ein Hafen von Welt einen solchen Zustand erlauben?" Mit einer Kleinen Anfrage an den Senat will die Linke nun Sicherheitsmängel offenlegen. Carl Jarchow (FDP) beklagte, dass der Hafen wohl nur knapp einer Katastrophe entgangen sei. Der Einsatz habe deutlich gemacht, dass eine Ausstattung mit modernen Löschbooten unumgänglich sei.

"Großstadtfeuerwehr müsste besser aufgestellt sein"

"Es fehlt der politische Wille, die Feuerwehr stärker zu unterstützen", sagte Daniel Dahlke vom Berufsverband der Feuerwehr dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen. "Eine Feuerwehr für eine Großstadt mit einem der größten Häfen Europas müsste besser aufgestellt sein." Wenn man Kräfte aus dem ganzen norddeutschen Raum zu einem eigentlich normalgroßen Brand zusammenziehen müsse, zeige dies, dass es um die Sicherheit im Hafen nicht gut stehe.

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Veraltete Flotte? Ein kleines Hamburger Löschboot vor dem brennenden Containerriesen.

Die Bürgerinitiative "Hamburg für die Elbe" warf dem Senat vor, die Gefahr von Bränden auf Containerschiffen zu unterschätzen. Zurzeit seien im Hafen geradezu "museale Löschboote" im Einsatz.

Ausschreibung läuft

Nach mehrfacher Verzögerung wurde erst vor wenigen Wochen die Anschaffung eines neuen, großen Löschbootes für Hamburg europaweit ausgeschrieben. Es soll rund 40 Meter lang sein und rund 16 Millionen Euro kosten. Mitte 2018 soll es spätestens in Dienst gestellt werden. Kurz danach sollen zwei weitere kleinere Löschboote in Dienst gestellt werden. "Das hätten wir längst haben müssen", kritisierte der innenpolitische Sprecher der CDU, Dennis Gladiator. Viel zu lang lang sei der Senat untätig geblieben.

Ermittler untersuchen die "Arauco"

Unterdessen haben Brandermittler der Wasserschutzpolizei die "Arauco" nach dem Brand erstmals betreten können. Der Container, in dem das Feuer bei Schweißarbeiten ausbrach, ist inzwischen von Bord geholt. Jetzt beginnt die chemische Untersuchung der Brandreste. Damit will man herausfinden, wodurch das Feuer ausgelöst wurde. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung und unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Stoffen. Das Containerschiff wird laut Polizei dann mit dem kontaminierten Löschschaum an Bord in eine Werft nach Bremerhaven geschleppt.

Feuer auf der "CCNI Arauco" im Hamburger Hafen

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Die Feuerwehr hat ihren Einsatz auf dem Frachter "Arauco" im Hamburger Hafen beendet. Experten untersuchen die Container, um die genaue Brandursache zu ermitteln. (05.09.2016) mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.09.2016 | 20:00 Uhr

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