Stand: 22.08.2019 16:55 Uhr

Fernbahnhof Altona: Viel zu klein geplant?

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Die Fern- und Regionalzüge sollen nach den Planungen der Bahn künftig am zwei Kilometer nördlich gelegenen S-Bahnhof Diebsteich halten, der dafür ausgebaut werden soll.

Ein Jahr ist es nun her, dass die Planungen für die Verlegung des Fern- und Regionalbahnhofs Hamburg-Altona gestoppt worden sind. Das Gericht hatte damals einem Eilantrag des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) stattgegeben, der mit der ungeklärten Zukunft der Autoverladestation des Bahnhofs begründet worden war. Um sich gegenseitig von ihren Argumenten pro und contra Verlegung zu überzeugen, haben sich Vertreter der Stadt, der Bahn und der Kläger seit Frühjahr dieses Jahres zu mittlerweile sieben Faktenchecks und einem Ortstermin getroffen.

Höheres Fahrgastaufkommen unterschätzt?

Am Donnerstag informierten nun der VCD und die Initiative Prellbock darüber, was die Faktenchecks aus ihrer Sicht gebracht haben. Kernpunkt: Ihrer Meinung nach wurde der künftige Fernbahnhof Diebsteich viel zu klein geplant. Das Fahrgastaufkommen der Bahn werde massiv steigen, sagte Prellbock-Sprecher Michael Jung. Das sei in den jahrealten Planunterlagen nicht berücksichtigt, deshalb reichten sechs Bahnsteige am Diebsteich nicht aus. "Im Diebsteich haben wir das Phänomen, dass wir 25 Prozent weniger Gleise für den Fern- und Regionalverkehr haben, diese aber doppelt so viel Verkehr aufnehmen müssen."

Bahn will besser informieren

Die Deutsche Bahn weist das entschieden zurück. Der Leiter Großprojekte Regionalbereich Nord der Deutschen Bahn, Frank Limprecht, will nach eigenem Bekunden weiterhin "mit Information und Fakten alles dransetzen, das Verständnis für unser geplantes Großprojekt zu schärfen".

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"Die Zweifel sind vielleicht noch ein Stückchen größer geworden", sagt VCD-Sprecher Rainer Schneider.

20 Stunden hatte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) mit Prellbock Altona und dem VCD verhandelt - ohne dessen Vorstand Rainer Schneider zu überzeugen. "Je mehr Licht ins Dunkel kommt, desto mehr sehen wir eigentlich: Die Zweifel sind vielleicht noch ein Stückchen größer geworden", sagte Schneider. So halten sie an der Klage gegen die Verlegung des Fernbahnhofs Altona fest. Allerdings räumen sie ein, dass Hamburg dann nur 25 Prozent der dort geplanten 1.900 Wohnungen bauen könnte.

Noch kein neuer Gerichtstermin

Ein Jahr nach dem Planungsstopp gibt es noch keinen Gerichtstermin im Hauptsacheverfahren. Der zuständige Senat des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichts gehe aber weiterhin davon aus, das Verfahren in diesem Jahr terminieren und entscheiden zu können, sagte ein Gerichtssprecher. Er begründete die Wartezeit mit der Komplexität des Verfahrens sowie anderen termingebundenen Prozessen.

Die Fern- und Regionalzüge sollen nach den Planungen der Bahn künftig am zwei Kilometer nördlich gelegenen S-Bahnhof Diebsteich halten, der dafür ausgebaut werden soll. Das Projekt hat ein Volumen von rund 360 Millionen Euro. Der S- und Bus-Bahnhof Altona soll jedoch bestehen bleiben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.08.2019 | 16:00 Uhr

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