Stand: 19.12.2019 17:05 Uhr

Energiewende-Projekt: Chancen und Probleme

Hamburg und Schleswig-Holstein wollen sich bis 2035 zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. Dazu haben sie mit 60 Partnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft das Projekt "NEW 4.0 - Norddeutsche Energiewende" gegründet. Am Donnerstag wurde in Hamburg drei Jahre nach der Gründung eine positive Zwischenbilanz gezogen. Man habe bewiesen, dass eine verlässliche Stromversorgung auch mit erneuerbaren Energien möglich sei. Es gebe aber auch Probleme. "Die Energiewende ist machbar, aber sie wird nicht einfach", sagte Projektleiter Werner Beba von der Hochschule HAW in Hamburg bei einer Konferenz mit den Beteiligten des Projekts.

In Feldversuchen und Demonstrationsanlagen seien technische Lösungen erprobt worden, die dabei helfen könnten, eine sichere Energieversorgung auf regenerativer Basis bis 2035 zu finden. Dazu zählen zum Beispiel Batteriespeicher und Wasserstoff ebenso wie das Leistungsmanagement bei großen Stromabnehmern wie Fabriken der Grundstoffindustrie. Sie hätten ein erhebliches Potenzial, um mit flexibler Stromabnahme die Stabilität der Versorgung zu verbessern.

Westhagemann: "Projekte nicht wirtschaftlich"

Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) sprach von einem großer Erfolg. "Ich glaube, das war das größte länderübergreifende Projekt, was es je gegeben hat", sagte er. Bislang wurden knapp 90 Einzelprojekte umgesetzt. Doch deren Zukunft ist ungewiss. Westhagemann: "Man muss einfach feststellen: wirtschaftlich sind sie nicht. Weil die Rahmenbedingungen fehlen." Denn auch Erzeuger von Ökostrom werden vom Bund mit Abgaben belastet. Das müsse aufhören, damit die Investoren aus der Wirtschaft auch Geld mit ihren Ökostrom-Anlagen verdienen könnten, forderte Westhagemann.

Buchholz: Wasserstoffstrategie des Bundes fehlt

Auch die beiden schleswig-holsteinischen Minister Bernd Buchholz (FDP/Wirtschaft) und Jan Philipp Albrecht (Grüne/Umwelt) verwiesen auf die Probleme durch den politisch gesetzten Rahmen. "Die Umwandlung von Strom in Speichermedien, Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe müssen zur Energiewende gehören", sagte Buchholz. Wenn es gelänge, den Norden als Erzeugerland und die Millionenmetropole Hamburg als Verbraucherland zu einer regenerativ versorgten Region zusammenzuspannen, dann wäre das eine wichtige Nachricht für die ganze Welt. In Berlin seien jedoch noch einige Hausaufgaben zu erledigen. So fehle eine nationale Wasserstoffstrategie.

In das Projekt NEW 4.0 sind bislang rund 40 Millionen Euro öffentliche Fördermittel geflossen. Die gesamten Investitionen bezifferte Beba auf rund 200 Millionen Euro. Das Projekt läuft noch bis Ende 2020. Danach ist ein Folgeprojekt geplant, bei dem sich auch Mecklenburg-Vorpommern beteiligt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.12.2019 | 18:00 Uhr

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