Stand: 29.11.2019 14:32 Uhr  - NDR 90,3

Eimsbüttel: Grüne scheitern - Erfolg für Gätgens

Überraschung im Hamburger Bezirk Eimsbüttel: Die neue grün-schwarze Mehrheit ist am Donnerstagabend mit ihrem Versuch gescheitert, Katja Husen (Grüne) als neue Bezirksamtsleiterin zu wählen. Stattdessen ergab die Abstimmung in der Bezirksversammlung, dass Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (SPD) im Amt bestätigt wurde - zumindest vorläufig.

Husen erhielt nicht die notwendigen 26 Stimmen, sondern eine weniger. Eigentlich kommt Grün-Schwarz auf 28 Abgeordnete, die alle anwesend waren. Drei Abgeordnete von CDU und Grünen hatten Husen also die Stimme verwehrt. Dass ein Misstrauensvotum gegen einen Bezirksamtsleiter scheitert, ist einmalig.

Gätgens: "Das ist unglaublich"

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Die Grüne Katja Husen wollte Bezirksamtsleiter Kay Gätgens eigentlich ablösen.

"Das ist unglaublich", sagte Gätgens. "Ich habe nicht damit gerechnet und bin zutiefst gerührt." Vor der Abstimmung hatte er sich noch mal zu Wort gemeldet und eine emotionale Rede gehalten. In den drei Jahren habe er Eimsbüttel als einzigem Bezirk ein Leitbild gegeben - für bezahlbares Wohnen, neue Mobilität und mehr sozialen Zusammenhalt - und dies umgesetzt. "Mir war es wichtig, noch einen Redebeitrag zu halten, um deutlich zu machen, mit wieviel Leidenschaft und Engagement ich meine Rolle als Bezirksamtsleiter ich in den letzten drei Jahren wahrgenommen habe. Offenbar hat diese Rede auch ein bisschen gefruchtet", sagte er NDR 90,3.

Lange Gesichter gab es bei den Grünen und der CDU. Der Co-Fraktionschef der Grünen, Ali Mir Agha, sagte: "Das ist für Grün-Schwarz ein herber Rückschlag." CDU-Fraktionschef Rüdiger Kuhn meinte: "Die Enttäuschung ist heute riesengroß. Unser Machtanspruch bleibt aber erhalten."

Grüne wollen neue Wahl

Die knapp gescheiterte Husen verließ die Bezirksversammlung kommentarlos. Die Grünen wollen sie trotz der Niederlage nun noch einmal zur Wahl stellen. "Wir müssen diese Hürde nehmen, wie auch immer wir es hinkriegen", sagte Eimsbüttels Grüner Kreischef, Justizsenator Till Steffen. "Denn wir haben die starke Absicht, diese Koalition ins Werk zu setzen."

CDU-Kreischef Rüdiger Kruse sieht Eimsbüttels Koalition mit den Grünen weiter als Muster für den Senat, räumte aber ein, das sei "kein Ponyhof". "Bei der geheimen Abstimmung mag der eine oder die andere in beiden Fraktionen gedacht haben, die Kandidation braucht nicht jede Stimme. Es spricht nichts dagegen, Katja Husen noch einmal ins Rennen zu schicken."

In der Bezirksversammlung haben Grüne und CDU, die sich nach der Bezirkswahl auf eine Koalition geeinigt hatten, eine knappe Mehrheit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.11.2019 | 06:00 Uhr

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