Drohne analysiert: Wie krank sind Hamburgs Bäume?

Stand: 06.06.2022 20:46 Uhr

Den Hamburger Wäldern machen vor allem Stürme und die Trockenheit zu schaffen. Viele Förster kommen mit der Schadensanalyse kaum hinterher. Hilfe könnte jetzt aus der Luft kommen. Die Firma Flynex hat jetzt ein System entwickelt, bei dem per Drohne Wälder automatisch überflogen werden - Schäden sollen flächendeckend erkannt werden.

Der Sachsenwald ist eines der beliebtesten Hamburger Naherholungsgebiete. Auch hier hat die dichte Abfolge von Frühjahrsstürmen im Februar gewütet. "Die Herausforderung ist, den Wald in allen Ecken und Enden kennenzulernen und zu sehen, was los ist", sagt Holzwirtschaftsexperte Jan Bergeest. Die Bestandsanalyse eines Waldgebietes wird bislang durch Begehungen durchgeführt. Ein kleiner Abschnitt wird dokumentiert, das Ergebnis hochgerechnet - unter Umständen geschieht das nur alle zehn Jahre.

Eine Drohne, so teuer wie ein Mittelklassewagen

Das Hamburger Startup Flynex verspricht dagegen eine Just-In-Time-Analyse und setzt dafür eine spezielle Drohne ein. Sie verfügt über eine hochauflösende Spezialkamera und ist damit so teuer wie ein Mittelklasseauto. Einmal in der Luft fliegt sie automatisch ein fest programmiertes Raster über dem Waldgebiet ab und macht Meter für Meter hochauflösende Fotos.

"Nach den Stürmen im Februar ist es unglaublich schwer, das Schadensausmaß vom Boden aus abzuschätzen. Und wenn man da mit Drohnenbefliegung schnell ein Bild zustande kriegt, kann man natürlich Arbeitskapazitäten und Einsatzgebiete besser planen. Das hilft an an ganz vielen Ecken und Enden", meint Bergeest.

Künstliche Intelligenz wertet aus

Im nächsten Schritt analysiert eine künstliche Intelligenz die Bilder und soll Antworten auf Fragen liefern wie: Wie viele Bäume sind wie stark geschädigt? Wo sind die Schäden und wie wurden sie verursacht? Wo leiden Bäume unter Trockenheit oder Schädlingen? Das könne man durch das System zuverlässig durch künstliche Intelligenz analysieren, die durch ein neuronales Netz gesteuert werde, sagt Michael Petrosjan von Flynex. Am Ende soll ein aktueller und vor allem präziser Waldschadensbericht herauskommen.

Grundsätzlich ist die Idee mit den hochauflösenden Drohnen und der künstlichen Intelligenz bei der Auswertung in Zukunft für viele Aufgaben denkbar. Zum Beispiel, wenn es um Schäden an Energieleitungen geht oder auch den Klimaschutz. Hamburg könnte auch flächendeckend herausfinden, wie der energetische Zustand seiner Gebäude ist.

Weitere Informationen
Zwei Techniker stehen neben der Schwerlastdrohne, die noch am Boden ist. © picture alliance/dpa | Marcus Brandt Foto: Marcus Brandt

Weltpremiere: Frachtdrohne absolviert Erstflug in Hamburg

Die Drohne hat 18 Rotoren, zehn Meter Durchmesser und wiegt fast eine Tonne. Sie kann 200 Kilogramm heben. (12.10.2021) mehr

Eine Rettungsdrohne startet. © NDR / Finn Kessler

Hamburger Rettungskräfte trainieren Einsätze mit Drohnen

Im Hamburger Hafen wurden am Sonnabend mehrere Notfallsituationen simuliert, bei denen Drohnen zur Rettung eingesetzt wurden. (09.10.2021) mehr

Eine Drohne steht auf einem Anhänger. © NDR Foto: Dietrich Lehmann

Hamburger Flughafen: Abfangdrohnen holen Drohnen vom Himmel

Immer wieder fliegen Drohnen in die Verbotszone am Flughafen. Das Drohnen-Projekt "Falke" soll sie abfangen. (23.09.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 06.06.2022 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Dirk Heinrich, Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, spricht im Ärztehaus Hamburg bei einer Protest- und Fortbildungsveranstaltung. © picture alliance / dpa Foto: Georg Wendt

Hamburger Ärzte protestieren gegen geplante Honorarkürzungen

Viele Arztpraxen in Hamburg waren am Mittwoch geschlossen. Mehr als 1.200 Ärzte beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren an einem Protest-Tag. mehr