Stand: 17.10.2019 18:15 Uhr

Diskussionen nach Luckes Uni-Rückkehr

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Bernd Lucke, während seines Versuchs, eine erste große Vorlesung nach seiner Rückkehr an die Universität Hamburg zu halten.

Die Rückkehr von AfD-Mitbegründer Bernd Lucke an die Universität Hamburg und damit verbundene Proteste sorgen für Diskussionen in der Hochschule und der Politik. Einen Tag, nachdem Lucke seine erste große Vorlesung abgebrochen hatte, kritisierte die Wissenschaftsbehörde die Störungen ausdrücklich - in einer zweiten Stellungnahme. Meinungsstreit an einer Universität dürfe nicht mit "wie auch immer gearteter Gewalt" ausgetragen werden, sondern mit Argumenten und Diskurs, hieß es. Zuvor hatten AfD, aber auch FDP und CDU klare Worte von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) eingefordert. Denn eine ersten Erklärung von ihr zusammen mit Universitätspräsident Dieter Lenzen war als halbherzig kritisiert worden.

SPD und Grüne fordern Diskurs

Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Sven Tode erklärte, freie Lehre und Wissenschaft seien Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft. Politische Auseinandersetzungen müssten in einem Rahmen stattfinden, der verschiedene Meinungen zulasse. Ähnlich äußerte sich der Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Farid Müller: "Die Kontroverse, die Lucke auslöst, sollten die Universität und ihre Studierenden nicht nur aushalten, sondern auch akademisch austragen können." Nun gehe es darum, eine Lösung zu finden, die allen gerecht werde.

FDP spricht von Angriff auf die Meinungsfreiheit

Schärfere Töne kamen von den Oppositionsparteien. CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg sagte, Anfang der 1930er-Jahre hätten Nazis die jüdischen Professoren aus Vorlesungen gegrölt. Solange sich jemand auf dem Boden der Verfassung bewege, müsse man seine Meinung aushalten. Die FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels sprach angesichts der Tumulte von einem "nicht zu tolerierenden Angriff auf die Meinungsfreiheit". Die AfD nannte die Ereignisse "Gesinnungsterror linker Gruppierungen".

Linke kritisiert AfD-Mitbegründer Lucke

Anders die Linke: Ihr Bürgerschaftsabgeordneter Martin Dolzer ging auf Störungen und den Abbruch der Vorlesung nicht genauer ein, sondern erklärte, "Lucke ist der Gründer einer Partei, die für Rassismus und gesellschaftliche Spaltung steht". Diese stehe im Widerspruch zur Universität als Ort für Wissenschaftsfreiheit und Dialog.

Lucke kehrte am Donnerstag - also einen Tag nach der verhinderten Vorlesung - für ein Seminar an die Universität Hamburg zurück. Daran nahmen rund 20 Studenten teil.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.10.2019 | 18:00 Uhr

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