Stand: 09.11.2018 11:09 Uhr

Dioxin-Fund: "Ein mulmiges Gefühl"

Den Grenzwert ums 700-fache überschritten: Die Dioxin-Konzentration, die Experten bei Bodenuntersuchungen in der Boberger Niederung emittelt haben, ist "sehr sehr hoch", wie Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Donnerstag sagte. Das Ergebnis der Einzelmessung ist vor allem für Angler ein Schock, die seit Jahrzehnten in der Nähe des betroffenen Gebiets gefischt haben.

Karpfen, Schleie und Aale gefangen

"Wir haben leider sehr mulmige Gefühle", sagte Jens Kiesel vom Anglerverein, der die angrenzenden Teiche nach eigenen Angaben seit 1963 gepachtet hat. Es sei in den vergangenen Jahrzehnten dort sehr viel geangelt worden. "Karpfen, Schleie und Aale - alles Fische, die im Grund wühlen. Und jetzt hoffen wir inständig, dass die Belastung der Tiere nicht so hoch ist."

Ein vier Hektar großes Gebiet rund um den Fundort ist seit Mitte Oktober abgesperrt. Da Dioxin besonders gefährlich ist, wenn es mit der Nahrung in den Körper gelangt, werden auch die Fische aus den nahe gelegenen Teichen untersucht. Das Angeln ist bis auf Weiteres untersagt. Inwieweit Besucher der Boberger Niederung gefährdet sind, sei derzeit noch unklar, sagte Kerstan: "Gesundheitliche Gefährdungen entstehen, wenn man aus dem Gebiet Pilze oder Beeren oder aus den Teichen Fische gegessen hat. Wenn sie denn belastet sind - das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht." Die Untersuchungen seien aufwendig und benötigten viel Zeit. "Wir werden leider bis Januar brauchen."

Info-Veranstaltung am 13. November

Da bislang nur das Ergebnis einer einzelnen Messung vorliege, sei noch nicht klar, ob es sich um eine punktuelle oder großflächige Belastung handele, so Kerstan. Am kommenden Dienstag sollen die Anwohner bei einer Veranstaltung in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg über die Lage informiert werden.

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02:03
Hamburg Journal

Boberger Niederung: Hoher Dioxin-Wert nachgewiesen

08.11.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Die Dioxion-Konzentration im betroffenen Gebiet im Naturschutzgebiet Boberger Niederung liegt bei 700 Mikrogramm pro Kilogramm. Der Verdacht gegen den Chemiekonzern Boehringer erhärtet sich. Video (02:03 min)

Unabhängig von der Größe des Gebiets handele es sich schon angesichts des jetzt vorliegenden "sehr, sehr hohen Wertes" um ein "schweres Umweltvergehen", sagte der Umweltsenator.

Verdacht gegen Chemiekonzern Boehringer

Ein Verdacht gegen den Chemiekonzern Boehringer habe sich erhärtet. "Man kann Dioxine ganz gut zuordnen. Die haben einen gewissen Fingerabdruck, insofern können wir schon sagen, in Hamburg können solche Rückstände nur auf dem Boehringer-Gelände angefallen sein", sagte Kerstan. Höchstwahrscheinlich handele es sich um Rückstände aus der Pflanzenschutzmittelproduktion, die aus dem nahegelegenen Moorfleeter Werk von Boehringer stammen. Die Wasserschutzpolizei habe Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Manfred Braasch vom BUND Hamburg nannte die hohen Dioxin-Werte "erschreckende Neuigkeiten". "Wenn es sich bewahrheitet, dass die Dioxin-Werte flächendeckend so hoch sind, muss man hier umgehend das Erdreich abtragen", sagte er im Gespräch mit NDR 90,3.

Erinnerungen an die 80er-Jahre

Der Fall erinnert an den Dioxin-Skandal um die Chemiefirma Boehringer in den 1980er-Jahren. Weil das Dioxin auf dem Werksgelände in Moorfleet nicht beseitigt werden konnte, musste die betroffene Fläche über viele Jahre aufwendig versiegelt werden. Das Gelände gilt auch heute noch als eine der bekanntesten Dioxin-Altlasten in Deutschland.

Karte: Sperrung im nördlichen Bereich der Boberger Niederung

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.11.2018 | 09:20 Uhr

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