Stand: 15.11.2018 17:14 Uhr

Die Heilsarmee in St. Pauli: Suppe, Seife, Seelenheil

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Die Heilsarmee lebt den christlichen Gedanken der Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit.

"Jesus lebt" - das Schild mit den großen schwarzen Buchstaben auf orangefarbenem Hintergrund ist beim Gang durch die Talstraße unweit der Reeperbahn in Hamburg-St. Pauli nicht zu übersehen. Wohl jeder, der hier mal in einer Kneipe, einem Restaurant oder Club war, kennt es. Am Eingang eines alten Backsteingebäudes weist das Schild auf eine Institution hin, die von dort nicht wegzudenken ist: die Heilsarmee - eine christliche Freikirche mit sozialer Tätigkeit, gegründet 1865 in London, seit 1890 in der Hansestadt verwurzelt.

Das Haus, das die Heilsarmee 1922 gekauft hat, ist allerdings dringend sanierungsbedürftig, "mit großem Aufwand, vom Keller bis zum Dach", wie Achim Janowski von der Heilsarmee im Gespräch mit NDR.de sagt. Die Sanierung wird etwa vier bis viereinhalb Millionen Euro kosten. Die Vorbereitungen laufen, umgebaut wird vom kommenden Frühjahr bis weit ins Jahr 2020. Die Baumaßnahmen werden über Kredite finanziert, die später über Mieteinnahmen refinanziert werden sollen.

Sozialarbeiter in Uniform

Bekannt geworden sind die Mitglieder der weltweit tätigen Freikirche als "Sozialarbeiter in Uniform". Unter dem Motto "Suppe, Seife, Seelenheil" helfen sie den Ärmsten der Armen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft - in Hamburg also genau dort, wo Drogen, Prostitution, Obdachlosigkeit und Armut sichtbar sind und wo viele Menschen Unterstützung und Zuspruch benötigen. In der Suppenküche der Heilsarmee bekommen Obdachlose und verarmte Menschen aus dem Viertel etwas zu Essen. Außerdem haben sie hier die Möglichkeit, sich zu duschen, die Haare schneiden zu lassen - oder einfach nur ein offenes Ohr für ihre Sorgen zu finden. "Unser Angebot wird nicht weniger wichtig", formuliert Janowski die Bedeutung der Arbeit der Heilsarmee.

Bei der Heilsarmee in Hamburg St. Pauli  Foto: Daniel Kaiser

Heilsarmee kämpft gegen Elend und Armut

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 2. Juli 1865 gründete, geschockt vom Elend in den Londoner Slums, William Booth die Heilsarmee. Sie hat noch heute einen General und mehr als 17.000 Offiziere.

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Niemand soll zum Glauben bekehrt werden

"In allem was wir tun, wollen wir Gott hier in St. Pauli die Ehre geben", heißt es auf der Homepage des Korps Hamburg, also der Heilsarmee-Gemeinde in der Hansestadt. Bekehren zum Glauben aber wollen die Mitglieder niemanden, sondern helfen, die Welt ein Stück besser und gerechter zu machen. Jeden Tag nehmen laut Janowski etwa 70 bis 90 Menschen die Hilfsangebote der Heilsarmee in Hamburg an: "Die Zahl ist relativ konstant. Überwiegend sind es deutsche Männer, die zu uns kommen. Aber auch Frauen oder Migranten sind dabei."

Zehn Ehrenamtliche kümmern sich in der Talstraße um sie. Ihr Anliegen ist es, christliches Miteinander zu leben. In Hamburg half die Heilsarmee schon bei der Cholera-Epidemie im Gängeviertel 1892 oder auch bei der schweren Sturmflut 1962.

Singen, predigen, sammeln

Die Heilsarmee-Mitglieder ziehen gelegentlich in Uniformen und mit Holzkreuz und Fahne singend und predigend über die Reeperbahn. Dass sie dabei ausgelacht, bepöbelt und manchmal sogar bespuckt werden, prallt an ihnen ab. Sie wollen Bedürftige auf sich und ihr christliches Anliegen aufmerksam machen und gleichzeitig bei Touristen und Hamburgern um Spenden bitten. "Wir suchen Menschen, die für ihre Mitbürger ihre Herzen und Geldbeutel öffnen", sagt Janowski. Öffentliche Zuschüsse erhält die Heilsarmee nicht. "Und wir haben keine Rücklagen", betont Janowski.

"Jeder Mensch ist es wert, dass ihm geholfen wird"

William Booth © picture alliance / akg-images

10. April 1829: Der Geburtstag von William Booth

NDR Info -

Der Engländer William Booth wurde am 10. April 1829 in ärmlichen Verhältnissen in Nottingham geboren. 1865 gründete er die Heilsarmee, die heutzutage um Nachwuchs kämpfen muss.

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In Deutschland hat die Heilsarmee nur 1.300 Mitglieder, weltweit jedoch sind es nach eigenen Angaben 1,7 Millionen in 131 Ländern. Hierzulande sei vielen Menschen gar nicht bekannt, was sie leistet. Sie werde vor allem als Hilfsorganisation, etwa bei Katastropheneinsätzen, oder als Träger sozialer Einrichtungen gesehen, "aber erst in zweiter Linie als Kirche", sagt Hervé Cachelin. Er ist der Ururenkel von William Booth, der den Vorläufer der Heilsarmee 1865 in London gründete. Dessen Einstellung lautete: Kirchenlieder zu singen und für die Menschen zu beten reicht nicht. Man müsse praktisch und konkret helfen - "so wie Christus es getan hat". Jeder Mensch sei es wert, dass ihm geholfen wird.

Auch mehr als hundert Jahre nach Booth' Tod im Jahr 1912 lebt seine Idee weiter - und wird der der Einsatz der Ehrenamtlichen weiter dringend benötigt.

Weitere Informationen

Prominente werben für klamme Heilsarmee

Sie kümmert sich um Obdachlose und Prostituierte auf dem Hamburger Kiez, doch jetzt braucht die Heilsarmee selbst Hilfe. Prominente wollen helfen, Geld für das marode Gebäude aufzutreiben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.11.2018 | 18:00 Uhr

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