Stand: 22.08.2020 16:13 Uhr

Demonstration gegen Polizeigewalt in Hamburg

In der Hamburger Innenstadt hat es eine Demonstration gegen rassistische Polizeigewalt gegeben. Nach Polizeiangaben haben sich etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Holstenwall versammelt. Auf Transparenten und Plakaten hieß es: "Wir verurteilen jegliche Art von Polizeigewalt" und "Solidarität zu jeder Zeit". Etwa 100 Menschen zogen danach noch weiter zu der Straße "Kohlhöfen" in der Neustadt. Dort hatte es vor fünf Tagen einen Polizeieinsatz gegeben, der für Diskussionen sorgte. Dabei war ein 15-Jähriger festgenommen worden.

Angemeldet wurde die Demonstration von der Linken-Fraktion, dem Hamburger Bündnis gegen Rechts, der Seebrücke Hamburg und linken Gruppierungen. Auch die Mutter des 15-Jährigen sollte unter den Teilnehmenden sein. Nach der Kundgebung zogen rund 100 Menschen zum Ort des Geschehens und hängten ein Transparent auf. Die Demonstrierenden erinnerten auch an die Opfer eines rassistischen Anschlags mit neun Toten in Hanau vor einem halben Jahr.

Handy-Videos von der Festnahme kursieren

Die Festnahme des 15-Jährigen in der Neustadt war auf Handy-Videos festgehalten und im Internet verbreitet worden. Darauf ist zu sehen, wie mehrere Beamte den Jugendlichen niederringen, der vor einer Wand mit dem Schriftzug "I can't Breathe" steht - das Graffiti ist eine Anlehnung an Polizeigewalt in den USA. In einer längeren Fassung des Videos ist zu erkennen, dass der Jugendliche sich zuvor gegen zwei Polizistinnen und zwei Polizisten heftig gewehrt hat, und sie immer wieder kräftig zur Seite schubst. Nach Angaben der Polizei hatte der Jugendliche mit einem Elektro-Roller wiederholt verbotswidrig den Gehweg benutzt. Anschließend sei er der Aufforderung, sich auszuweisen, nicht nachgekommen.

Debatte in den Sozialen Medien

In sozialen Medien wurde heftig über den Einsatz diskutiert und der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vorgeworfen. Dabei war vor allem eine kürzere Fassung des Videos zu sehen, die nicht zeigt, wie der junge Mann anfangs die vier Beamten schubst. Die Gewerkschaft der Polizei erklärte, "Polizeigewalt" erkenne sie in dem Video nicht. Innensenator Andy Grote (SPD) warnte vor reflexartigen Vorverurteilungen.

Interne Ermittlungen angekündigt

Die Polizei betonte, das Video zeige deutlich, dass die Beamten gewillt gewesen seien, den Widerstand mit einfacher körperlicher Gewalt zu beenden und den Jugendlichen zu Boden zu bringen. Der Einsatz werde vom Dezernat Interne Ermittlungen überprüft.

Weitere Informationen
Auf einer Wand in der Hamburger Neustadt steht "Please, I can't breathe" - eine Anlehnung an Polizeigewalt in den USA.

Video eines Polizeieinsatzes in Hamburg löst Debatte aus

Auch in Hamburg wird nach einem Handy-Video über einen Polizeieinsatz diskutiert. Mehrere Polizistinnen und Polizisten hatten einen großen Jugendlichen niedergerungen. (19.08.2020) mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.08.2020 | 15:00 Uhr

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