Stand: 10.10.2019 06:35 Uhr

Demo in Hamburg gegen türkische Militäroffensive

Mehrere Hundert Menschen haben am Mittwochabend in Hamburg gegen die türkische Offensive im Nordosten Syriens demonstriert. Nach Angaben der Polizei zogen etwa 900 Personen vom Schanzenviertel zum Bahnhof Altona. Der Protestzug verlief ohne größere Zwischenfälle.

"Völkerrechtswidriger Angriffskrieg"

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Mehrere Hundert Menschen demonstrierten im Schanzenviertel gegen die türkische Militäraktion.

Cansu Özdemir, die Co-Vorsitzende der Fraktion der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft, rief zu Protesten auf: "Im Bündnis mit islamistischen Milizen bringt Präsident Erdogan Krieg über eine friedliche Region, die erst seit kurzem vom Terror des IS befreit ist. Das Leben von Hunderttausenden Menschen ist in Gefahr." Sie forderte von der Bundesregierung ein sofortiges Ende aller Waffenlieferungen und der Militärkooperation mit der Türkei. Nur über internationalen Druck könne "der völkerrechtswidrige Angriffskrieg" beendet werden.

Offensive richtet sich gegen kurdische YPG-Miliz

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Türkei startet auch Bodenoffensive

Nach Angriffen aus der Luft hat das türkische Militär in Nordsyrien nun auch seine Bodenoffensive gestartet. Mehr bei tagesschau.de. extern

Die türkischen Streitkräfte hatten am Mittwoch ihre Offensive im Norden Syriens gestartet. Sie richtet sich gegen die kurdische YPG-Miliz, die von der Türkei als Terrororganisation angesehen wird. Nach intensiven Artillerie- und Luftangriffen auf Städte entlang der Grenze drang die türkische Armee auch mit Bodentruppen über die Grenze vor. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien wurden sowohl kurdische Kämpfer als auch Zivilisten getötet. Tausende Zivilisten seien auf der Flucht. 

Der türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan will nach eigenen Angaben die "terroristische Bedrohung" an der Grenze beseitigen. Ankara sieht die YPG wegen ihrer Verbindungen zu den Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Gefahr an. Die "Operation Friedensquelle" soll laut Erdogan auch eine "Sicherheitszone" schaffen, um die Rückkehr syrischer Flüchtlinge zu erleichtern. Die türkische Offensive war seit geraumer Zeit erwartet worden. Möglich wurde sie unter anderem durch den Abzug von US-Soldaten, die in der Region wie ein Puffer zwischen Kurden und der türkischen Armee gewirkt hatten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.10.2019 | 06:00 Uhr

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