Stand: 29.02.2020 11:34 Uhr

Coronavirus in Hamburg: UKE-Arzt erkrankt

Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg, spricht auf einer Pressekonferenz im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE) zum Thema Coronavirus. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius
Hamburgs Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks: Etwa 50 Kontaktpersonen des Erkrankten identifiziert.

Norddeutschland hat einen ersten bestätigten Coronavirus-Fall: Ein Arzt der Kinderklinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat sich mit dem Virus infiziert. Das sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Freitag bei einer Pressekonferenz zu dem Fall. Der Erkrankte lebt mit seiner Frau in Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein) vor den Toren Hamburgs. Beide befinden sich in häuslicher Isolation.

Kontaktpersonen in Isolation

Nach Angaben der Senatorin wurden etwa 50 Kontaktpersonen des Erkrankten identifiziert, alle stehen unter Quarantäne. Unter den Betroffenen seien 16 Kinder, die zusammen mit je einem Elternteil auf Station isoliert worden seien, und zwölf ärztliche Mitarbeiter, die in ihrem Zuhause in Isolation seien. Bislang wurde keine weitere Coronavirus-Erkrankung festgestellt, dennoch bleiben die betroffenen Personen zwei Wochen isoliert. Bei einer häuslichen Isolation werde immer im Einzelfall geprüft, ob Wohnung und körperlicher Zustand geeignet sind, zwei Wochen allein Zuhause zu verbringen.

Erkrankter verbrachte Urlaub in Norditalien

Der UKE-Arzt hatte in der norditalienischen Region Trentino Urlaub gemacht, war am vergangenen Sonntag aus dem Urlaub zurückgekehrt. Von Vorteil war es nach Angabe des Seuchenstabes, dass der Mann mit dem Auto aus dem Urlaub in Italien zurück gekommen ist, statt mit der Bahn oder einem Flugzeug. Er hatte am Montag die Arbeit wieder aufgenommen. Als sich am Dienstag erste Krankheitssymptome zeigten, brach er seinen Dienst ab. Am Donnerstag wurde er auf den Erreger SARS-CoV-2 getestet - am späten Abend lag das positive Testergebnis vor.

Isoliertem Patienten geht es gut

Die neue Kinderklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). © dpa Foto: Christian Charisius
Der Erkrankte arbeitet als Arzt in der Kinderklinik des UKE.

Dem erkrankten Mediziner gehe es gut, sagte UKE-Vorstand Joachim Prölß. Kolleginnen und Kollegen sowie alle Kinder und deren Eltern, die engen Kontakt mit dem erkrankten UKE-Mitarbeiter hatten, werden für 14 Tage unter Quarantäne gestellt, entweder im UKE oder - soweit es der Gesundheitszustand zulässt - zu Hause. Auf der betroffenen Station finden keine Neuaufnahmen statt. Prölß betonte, "das UKE ist weiterhin voll handlungsfähig". Es sei nichts gesperrt, keiner müsse sich Sorgen machen.

Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks betonte, dass sich die Maßnahmen in Hamburg vorerst nicht gravierend verändern würden, weil man sich schon länger auf einen solchen Fall vorbereitet habe. Ob in Hamburg Großveranstaltungen abgesagt würden, hänge davon ab, ob das Bundesgesundheitsministerium eine entsprechende Regelung erlasse.

Coronavirus-Expertin: Noch keine Pandemie

Nach Einschätzung der Hamburger Expertin Marylyn Addo ist die Ausbreitung des Coronavirus noch keine Pandemie in Deutschland. "Bis vor einigen Wochen hatten wir nur wenige Einzelfälle, die relativ schnell eingedämmt werden konnten", sagte die Leiterin der Sektion Infektiologie und Tropenmedizin am UKE. Das Geschehen sei im Moment noch relativ niedriggradig. Man könne die meisten Infektionsketten zurückverfolgen. Insgesamt sei die Situation momentan noch gut unter Kontrolle. Addo fügte aber hinzu: "Wir wissen nicht, wo wir in zwei Monaten stehen."

Flughafen: Selbstauskunftspflicht nur für China-Reisende

Bei der Frage, ob sich Hamburg ausreichend vor neuen Infizierten von außen schütze, gerät der Flughafen in das Visier. Bislang gibt es lediglich für Reisende aus China eine gewisse Selbstauskunftspflicht. Alle anderen Flüge bleiben unbehelligt - selbst solche aus offenkundigen Risikoländern wie dem Iran oder Italien. Doch ohne das Okay aus Berlin könne man nichts machen, so die Gesundheitsbehörde.

Hotline eingerichtet

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Die Hamburger Gesundheitsbehörde riet Bürgerinnen und Bürgern, sich bei einem konkreten Infektionsverdacht über den Arztruf der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Telefonnummer 116117 zu melden. Das wichtigste sei, keine Arztpraxis oder Notaufnahme aufsuchen, dadurch könnten im Zweifel andere Patientinnen und Patienten angesteckt werden. Außerdem richtete die Gesundheitsbehörde eine zusätzliche Hotline unter der Telefonnummer 040/428 284 000 ein. Diese ist täglich von 7 bis 19 Uhr zu erreichen.

Mehr Personal für die Hotline

Weil immer mehr Hamburger Informationen zum Coronavirus suchen, wird die Gesundheitsbehörde die neue Hotline mit mehr Personal ausstatten. Besondere Maßnahmen mit Einschränkungen für Hamburger sind demnach nicht geplant. Sozialsenatorin Melanie Leonhard sagte NDR 90,3, dass zum Beispiel auch keine Kita-Schließungen anstehen: "Sie erinnern sich vielleicht an die Fälle in Nordrhein-Westfalen. Ist eine Erzieherin, ein Erzieher betroffen, müssen wir da anders mit umgehen, als wenn es ein einzelnes Kind betrifft, was vielleicht die Kita nach dem Urlaub noch gar nicht besucht hat. Davon wird das abhängen. Aber man kann das nicht ausschließen, im Moment steht es aber überhaupt nicht an", sagte Leonhard.

Einfache Vorsichtsmaßnahmen

Prüfer-Storcks rief die Bevölkerung zur Vermeidung von Infektionen mit dem Coronavirus zu persönlichen Vorsichtsmaßnahmen. "Am wichtigsten ist Niesen und Husten am besten in die Armbeuge oder in ein Taschentuch", erklärte die Senatorin. Wie bei der Grippe gelte: "Häufig Hände waschen, Händeschütteln und Gesichtskontakt vermeiden." Die Verwendung von Atemmasken sei dagegen kaum von Nutzen für die breite Bevölkerung. In vielen Hamburger Geschäften sind die Masken derzeit auch nahezu vergriffen. Desinfektionsmittel sind stark nachgefragt. Zudem warnte sie vor übertriebener Sorge: "Der überwiegende Teil der Erkrankten in Deutschland muss gar nicht im Krankenhaus behandelt werden", sagte Prüfer-Storcks. "Die Symptome sind so mild, dass man das - wie eine Grippe - auch gut zu Hause überstehen kann."

Weltgesundheitsorganisation warnt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits am Donnerstag gewarnt, der neue Erreger habe "pandemisches Potenzial". SARS-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, sagte der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI). Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der SARS-CoV-2-Infizierten, was höher als bei der Grippe ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.02.2020 | 11:00 Uhr

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