Stand: 16.03.2020 15:53 Uhr  - NDR 90,3

Coronavirus: Hamburg untersagt alle Veranstaltungen

Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat die Regelungen im Umgang mit dem Coronavirus weiter verschärft. Grundsätzlich alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen und Versammlungen unabhängig von der Teilnehmerzahl werden ab Montag untersagt, heißt es in einer Mitteilung vom Sonntag.

Die Allgemeinverfügung gilt voraussichtlich bis zum 30. April. Betroffen sind unter anderem:

  • Jobcenter und Arbeitsagenturen (persönlicher Kontakt nur in Notfällen)
  • Jugend- und Stadtteilkulturzentren
  • Seniorentreffs
  • Bibliotheken
  • Musikschulen
  • Einrichtungen der Hamburger Volkshochschule
  • Indoorspielplätze
  • Clubs, Diskotheken, Musikclubs, Bars
  • Messen und Ausstellungen
  • Theater
  • Museen
  • Kinos
  • Spielhallen und Casinos
  • Volksfeste, Jahrmärkte und Spezialmärkte
  • Schwimmbäder
  • Saunas
  • öffentliche und private Sportanlagen
  • Fitness- und Sportstudios
  • Bordelle

Mindestabstand in Gaststätten

Restaurants, Gaststätten, Kantinen und Mensen dürfen öffnen, wenn die Plätze für die Gäste so angeordnet werden, dass ein Abstand von mindestens 1,50 Metern zwischen den Tischen gewährleistet ist. Stehplätze müssen so gestaltet werden, dass ein Abstand von mindestens 1,50 Metern zwischen den Gästen gewährleistet ist.

Wochenmärkte unter freiem Himmel werden weiterhin durchgeführt. Private Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen wie zum Beispiel Hochzeiten dürfen ebenfalls durchgeführt werden. Es wird jedoch dringend empfohlen, auch diese privaten Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben.

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Bittet die Hamburgerinnen und Hamburger um verantwortungsvolles Handeln: Bürgermeister Peter Tschentscher.
Tschentscher bittet um verantwortungsvolles Handeln

"Ich bitte alle Hamburgerinnen und Hamburger, die Anordnungen der Behörden ernst zu nehmen. In dieser besonderen Lage sind alle dazu aufgerufen, verantwortungsvoll zu handeln", sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).

Der Senat wolle "einen Wellenbrecher aufbauen, damit die Infektionswelle so abläuft, dass nicht große Teile der Bevölkerung gleichzeitig erkranken", sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Das würde das Gesundheitswesen überfordern. "Es werden weitere Maßnahmen folgen, mit denen wir auf die jeweilige Lage tagesaktuell reagieren können", kündigte sie an. Je mehr Verständnis für die Einschränkungen aufgebracht und Abstand voneinander gehalten werde, "desto mehr wird es uns gelingen, den Zusammenhalt zu stärken", sagte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). Hamburgs Sport-Staatsrat Christoph Holstein sagte bei NDR 90,3, es sei nicht ausgeschlossen, dass alle Beschränkungen beim Sport über den 30. April hinaus verlängert werden.

38 Neuinfektionen

In Hamburg wurden am Sonntag 38 weitere Fälle von Infizierungen mit dem Coronavirus bestätigt. Damit erhöht sich die Zahl der Infizierten in der Hansestadt auf insgesamt 196. Bei den 38 neu gemeldeten Fällen besteht nach derzeitigen Informationen überwiegend ein Zusammenhang mit Reiserückkehrern aus einem vom Robert-Koch-Institut (RKI) definierten Risikogebiet oder es handele sich um Personen, die Kontakt zu bereits bekannten erkrankten Personen hatten. Die Gesundheitsbehörde erklärte, diese Fälle seien nach wie vor abgrenzbar. Positiv sei, dass für die ersten Kontaktpersonen, die mit Infizierten in engen Kontakt gekommen waren, nach zweiwöchiger häuslicher Isolation die Quarantäne nach negativen Tests wieder aufgehoben werden konnte.

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Auch für Unternehmen soll es Hilfsangebote geben, über die Betroffene sich auf einer Internetseite informieren können. Ab Montag soll es zudem eine Hotline geben, die Unternehmerinnen und Unternehmer persönlich über mögliche staatliche Hilfsangebote informiert. Sie wird montags bis freitags von 9 -17 Uhr unter 040 428 41 1497 zu erreichen sein.

Betreuung nur für wenige

Fest steht: Kitas und Schulen bleiben zunächst für zwei Wochen geschlossen. Eine Betreuung kann nur für Kinder von Eltern stattfinden, die jetzt dringend gebraucht werden, wie beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Polizistinnen und Polizisten und Pflegende. Ausnahmen könnte es auch bei Supermarktangestellten geben. Der Landeselternausschuss (LEA) fordert, dass die Eltern mit der Betreuung ihrer Kinder nicht allein gelassen werden. Ein erster Schritt wäre die Zusage, dass Eltern von den Zuzahlungen zur Kinderbetreuung während der verordneten Schließzeit befreit werden.

In der kommenden Woche will die Sozialbehörde darüber beraten, wie Eltern unterstützt werden können. Auch der DGB appelliert an die Arbeitgeber. Teilzeit- und Mindestlohn-Beschäftigten drohe jetzt eine soziale Notlage. Darüber müssten Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften schnell reden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.03.2020 | 18:00 Uhr

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