Stand: 19.06.2020 16:02 Uhr  - NDR 90,3

Corona-Beschränkungen laut UKE bei Kindern erfolgreich

Bild vergrößern
Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE, berichtete über eine Studie zur Corona-Infektion bei Kindern.

Die Kontaktbeschränkungen gegen das Coronavirus sind für Kinder und Jugendliche erfolgreich gewesen. Das ist eines der vorläufigen Ergebnisse einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zu Corona-Infektionswegen bei Kindern und Jugendlichen. Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE und Leiterin der Studie hat darüber am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz informiert.

Zwischenbilanz: UKE-Studie zu Kindern und Corona

Hamburg Journal -

Wie anfällig sind Kinder und Jugendliche für Covid-19 und wie stark verbreiten sie das Coronavirus? Das erforscht eine Studie im Hamburger UKE. Nun wurden erste Ergebnisse vorgestellt.

5 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Nur wenige Kinder mit Antikörpern

"Wir haben sehr großes Glück gehabt, dass uns die Katastrophe bei Kindern erspart geblieben ist", sagte Muntau. Bisher lägen im Rahmen der Studie 3.107 Abstrichbefunde von Kindern und Jugendlichen aus Hamburg vor. "Wir haben bei keinem einzigen der Kinder einen positiven Virusnachweis gefunden. Bei 36 Kindern haben wir Antikörper im Blut nachgewiesen", so Muntau. Nur 1,5 Prozent der untersuchten Kinder hätten sich also nachweislich schon mit dem Coronavirus auseinandergesetzt. "Das bedeutet, dass die Lockdown-Maßnahmen für die Kinder und Jugendlichen erfolgreich waren", sagte Muntau. Die Zahlen zeigten aber auch, dass man von einer Herdenimmunität noch weit entfernt sei. Die Studienteilnehmer kämen aus allen Stadtteilen und alle Altersgruppen seien gut repräsentiert.

Alter der Kinder macht Unterschied bei Infektionen

Als vorläufiges Fazit der Studie habe sich auch gezeigt, dass das Alter der Kinder dabei einen Unterschied ausmache, wie häufig sie sich infizieren und Antikörper bilden. Kleine Kinder hätten in der Studie seltener Antikörper gebildet als ältere. "Ältere Kinder sind eher betroffen", sagte Muntau. Das könne auch soziale Ursachen haben, weil ältere Kinder womöglich einen größeren Kontaktradius hätten als jüngere.

6.000 Kinder sollen getestet werden

Die großangelegte Corona-Studie war am UKE im Frühjahr gestartet: Rund 6.000 Kinder und Jugendliche sollen insgesamt gescreent, getestet und auf Antikörper untersucht werden. Die Medizinerinnen und Mediziner wollten herausfinden, wie häufig und wie schwer Kinder und Jugendliche sich mit Sars-CoV-2 infizieren und wie Kinder das Virus verbreiten.

Corona: Wer überträgt das Virus auf wen?

Zugleich sollte erforscht werden, "wie groß das Risiko einer Verbreitung des neuartigen Coronavirus durch asymptomatische Kinder ist und ob chronisch kranke Kinder ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion haben als gesunde Kinder", hatte Muntau im Vorfeld erklärt. Darum sollten Daten von gesunden und chronisch kranken 0- bis 18-Jährigen mit und ohne Symptomen einer Covid-19-Infektion einbezogen werden.

Ansteckungsgefahr von Kindern weiterhin offen

Am Freitag erklärte Muntau auf Nachfrage: "Wie infektiös Kinder sind, kann die Studie nicht beantworten." Die Ansteckungsgefahr von Kindern könne erst dann erforscht werden, wenn es eine zweite, große Infektionswelle gebe, sagte die Kinderärztin. Denn während der ersten Welle sei diese Frage nicht wissenschaftlich untersucht worden. Alle Forschungen dazu hätten erst während des weltweiten Lockdowns begonnen - also als alles dafür getan wurde, um die Infektionszahlen nach unten zu drücken.

Alle Hamburger Kinderkliniken beteiligt

Die Studie läuft noch weiter an allen Kinderkliniken in Hamburg. Große Unterstützung erfahre die Studie auch durch niedergelassene Kinderärzte.

Weitere Informationen

UKE: Studie zu Corona-Folgen für psychische Gesundheit von Kindern

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche aus? Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf will die Folgen für die psychische Gesundheit mithilfe einer Studie erforschen(29.05.2020). mehr

Hamburger Studie: Corona befällt mehrere Organe

Covid-19 ist keine reine Lungenerkrankung - das haben Untersuchungen des Universitätsklinimkums Hamburg-Eppendorf bestätigt. Nun suchen die Wissenschaftler nach einem Frühwarnsystem. (14.05.2020) mehr

Gesundheitsstudie: Nun auch mit Kindern und Jugendlichen

Das UKE erweitert wegen der Corona-Pandemie eine Gesundheitsstudie um Kinder und Jugendliche. Zwischen 600 und 1.000 Kinder sollen auf ihre Infektionsanfälligkeit untersucht werden. (28.04.) mehr

Coronavirus in Hamburg: Hier bekommen Sie Hilfe

Sie wohnen in Hamburg und haben eine Frage zum Coronavirus? Wir haben Ihnen eine Liste mit relevanten Informationen, Telefonnummern und Hilfemöglichkeiten zusammengestellt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.06.2020 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:29
Hamburg Journal
02:33
Hamburg Journal
01:16
Hamburg Journal