Stand: 19.06.2020 16:02 Uhr

Corona-Beschränkungen laut UKE bei Kindern erfolgreich

Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, gibt eine Pressekonferenz über ein Zwischenergebnis der Studie C19.Child. © picture alliance/dpa Foto: Georg Wendt
Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE, berichtete über eine Studie zur Corona-Infektion bei Kindern.

Die Kontaktbeschränkungen gegen das Coronavirus sind für Kinder und Jugendliche erfolgreich gewesen. Das ist eines der vorläufigen Ergebnisse einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zu Corona-Infektionswegen bei Kindern und Jugendlichen. Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE und Leiterin der Studie hat darüber am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz informiert.

VIDEO: Zwischenbilanz: UKE-Studie zu Kindern und Corona (5 Min)

Nur wenige Kinder mit Antikörpern

"Wir haben sehr großes Glück gehabt, dass uns die Katastrophe bei Kindern erspart geblieben ist", sagte Muntau. Bisher lägen im Rahmen der Studie 3.107 Abstrichbefunde von Kindern und Jugendlichen aus Hamburg vor. "Wir haben bei keinem einzigen der Kinder einen positiven Virusnachweis gefunden. Bei 36 Kindern haben wir Antikörper im Blut nachgewiesen", so Muntau. Nur 1,5 Prozent der untersuchten Kinder hätten sich also nachweislich schon mit dem Coronavirus auseinandergesetzt. "Das bedeutet, dass die Lockdown-Maßnahmen für die Kinder und Jugendlichen erfolgreich waren", sagte Muntau. Die Zahlen zeigten aber auch, dass man von einer Herdenimmunität noch weit entfernt sei. Die Studienteilnehmer kämen aus allen Stadtteilen und alle Altersgruppen seien gut repräsentiert.

Alter der Kinder macht Unterschied bei Infektionen

Als vorläufiges Fazit der Studie habe sich auch gezeigt, dass das Alter der Kinder dabei einen Unterschied ausmache, wie häufig sie sich infizieren und Antikörper bilden. Kleine Kinder hätten in der Studie seltener Antikörper gebildet als ältere. "Ältere Kinder sind eher betroffen", sagte Muntau. Das könne auch soziale Ursachen haben, weil ältere Kinder womöglich einen größeren Kontaktradius hätten als jüngere.

6.000 Kinder sollen getestet werden

Die großangelegte Corona-Studie war am UKE im Frühjahr gestartet: Rund 6.000 Kinder und Jugendliche sollen insgesamt gescreent, getestet und auf Antikörper untersucht werden. Die Medizinerinnen und Mediziner wollten herausfinden, wie häufig und wie schwer Kinder und Jugendliche sich mit Sars-CoV-2 infizieren und wie Kinder das Virus verbreiten.

Corona: Wer überträgt das Virus auf wen?

Zugleich sollte erforscht werden, "wie groß das Risiko einer Verbreitung des neuartigen Coronavirus durch asymptomatische Kinder ist und ob chronisch kranke Kinder ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion haben als gesunde Kinder", hatte Muntau im Vorfeld erklärt. Darum sollten Daten von gesunden und chronisch kranken 0- bis 18-Jährigen mit und ohne Symptomen einer Covid-19-Infektion einbezogen werden.

Ansteckungsgefahr von Kindern weiterhin offen

Am Freitag erklärte Muntau auf Nachfrage: "Wie infektiös Kinder sind, kann die Studie nicht beantworten." Die Ansteckungsgefahr von Kindern könne erst dann erforscht werden, wenn es eine zweite, große Infektionswelle gebe, sagte die Kinderärztin. Denn während der ersten Welle sei diese Frage nicht wissenschaftlich untersucht worden. Alle Forschungen dazu hätten erst während des weltweiten Lockdowns begonnen - also als alles dafür getan wurde, um die Infektionszahlen nach unten zu drücken.

Alle Hamburger Kinderkliniken beteiligt

Die Studie läuft noch weiter an allen Kinderkliniken in Hamburg. Große Unterstützung erfahre die Studie auch durch niedergelassene Kinderärzte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.06.2020 | 14:00 Uhr

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