Stand: 04.08.2018 20:55 Uhr

Bunte CSD-Parade zieht durch Hamburg

Sie gilt als der Höhepunkt der "Pride Week" in Hamburg: Am Sonnabend sind Tausende bunt gekleideter Menschen beim Christopher Street Day (CSD) in einer Parade von der Langen Reihe in St. Georg durch die Innenstadt gezogen. Insgesamt waren laut Polizei etwa 80.000 Menschen als Teilnehmer und 100.000 als Zuschauer an der Strecke unterwegs. Die Veranstalter vom Verein Hamburg Pride sprachen von insgesamt 200.000 Teilnehmern. Die Demonstration setzte sich für sexuelle Vielfalt und Toleranz ein. Der Weg führte zum Jungfernstieg und Ballindamm, wo ab dem Nachmittag ein großes Straßenfest stattfand. Angeführt wurde der Zug von Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sowie der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). "Es ist toll zu sehen, wie viele Menschen aus Hamburg und aus aller Welt die Straßen säumen", sagte Fegebank. Auch Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) war dabei.

"Freie Bahn für Genderwahn!"

Die politische Parade stand am Ende einer Woche mit Diskussionsrunden, Lesungen, Vorträgen und Filmvorführungen in der Hansestadt. Das Motto hieß in diesem Jahr "Freie Bahn für Genderwahn!" und die Teilnehmer forderten neben einer Einführung des dritten Geschlechts einen gendersensibleren Umgang mit der Sprache sowie eine Reform des Transsexuellengesetzes. "Jeder Mensch wird mit einem Geschlecht geboren - seinem eigenen", sagte Schirmherrin Lucie Veith, Gründerin des Vereins Intersexuelle Menschen.

CSD erinnert an Aufstand von 1969

Der CSD ist nach einem Aufstand von Homosexuellen in der Christopher Street in New York entstanden. Diese wehrten sich im Juni 1969 gegen gewalttätige Razzien der Polizei in Schwulenkneipen. Der Aufstand endete in tagelangen Straßenschlachten. Heute erinnert man sich in New York am letzten Sonnabend in Juni mit dem Christopher Street Liberation Day an die Auseinandersetzungen. Auch in vielen anderen Ländern demonstrieren Schwule und Lesben im Sommer für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung.

AfD kündigt Verfassungsklage gegen Ehe für alle an

Von seiner politischen Bedeutung habe der CSD auch nach der Gesetzesänderung zur Ehe für alle nichts verloren, betonte Hamburg-Pride-Vorsitzender, Stefan Mielchen. "Die Ehe für alle war eine Forderung von vielen - es sind nach wie vor über 20, die wir zum Hamburg Pride formulieren." Schärfster politischer Gegner sei inzwischen die AfD, die eine Verfassungsklage gegen die Ehe für alle angekündigt hat - und damit nach Ansicht von Experten sogar Erfolg haben könnte. Fegebank mahnte zu Wachsamkeit: "Deshalb ist es eine große Aufgabe für uns alle in der Gesellschaft, Erstrittenes und Erkämpftes zu verteidigen und zu bewahren und einen guten Blick dafür zu haben, wo unsere Freiheiten und Grundwerte angegriffen werden."

Grundgesetzänderung gefordert

Eine weitere Forderung des Christopher Street Day: Menschen der LSBTI-Gemeinschaft, also Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle sollen besser vor Diskriminierung geschützt werden. Um das zu erreichen, verlangte SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Annkathrin Kammeyer eine Grundgesetzänderung. Dieses Ziel könne nur gemeinsam erreicht werden.

Erst am Mittwoch hatten Fegebank und Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) gemeinsam mit Mitgliedern des Senats die Regenbogenflagge am Rathaus gehisst. Die "Hamburg Pride Week 2018" geht noch bis Sonntag.

Von bunt bis schrill: Die Hamburger CSD-Parade 2018

Weitere Informationen

Link: Hamburger Christopher Street Day 2018

Auf der Seite von Hamburg Pride finden sich mehr Informationen zum Christopher Street Day 2018 in Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 04.08.2018 | 19:30 Uhr

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