Stand: 06.07.2016 15:30 Uhr

Teure Auflagen schrecken Bunker-Investor nicht ab

Die entscheidende Nachricht für ein grünes Hochbunker-Dach auf dem Hamburger Heiligengeistfeld ist am Mittwoch gekommen: "Der Beschluss der Bezirksversammlung ist ein entscheidendes Signal für uns. Wichtig ist auch, dass es eine so klare Mehrheit gab", sagte Robin Houcken, Leiter vom Planungsbüro Bunker, im Auftrag des Investors im Gespräch mit NDR 90,3. Am Abend zuvor hatten zwei Drittel der Bezirkspolitiker für das 25-Millionen-Euro-Projekt gestimmt. Allerdings sind nur noch drei statt der geplanten fünf neuen Bunkeretagen und 38 statt 52 Veranstaltungen pro Jahr in der geplanten Halle auf dem Bunkerdach erlaubt. Und Investor Thomas Matzen muss ein Quartiersparkhaus bezahlen.

Akzeptanz im Viertel muss gewährleistet sein

SPD-Mitte-Fraktionschef Arik Willner begründete die Auflage von drei statt fünf Stockwerken am Dienstag damit, dass sich das höhere Bauwerk in seiner Massivität nicht in das städtische Gesamtbild einfügen und in der Bevölkerung kaum akzeptiert werde. Eine weitere Auflage ist, dass der bis 2053 bestehende Erbbaurechtsvertrag mit dem Investor soll nicht kostenlos verlängert werde. Denn nach den bisherigen Planungen entgingen der Stadt rund 2,5 Millionen Euro - zugunsten des Investors.

"Das sind harte Auflagen", sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Hamburg Mitte, Michael Osterburg. Darüber müsse nun mit dem Geldgeber gesprochen werden. Ob das umstrittene Projekt nun noch wirtschaftlich sei werde ergebnisoffen geprüft, sagte Houcken. Weniger Stockwerke kosten zwar auch weniger Geld, allerdings sollte gerade die obersten zwei Etagen öffentlich genutzt werden - etwa der frei zugängliche Garten. Bezirksamt und Investor wollen sich in den nächsten Tagen zusammensetzen.

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Umstrittene Umgestaltung

Der Investor, der den Bunker seit 1993 mit einem Erbbaurechtsvertrag gepachtet hat, will rund 25 bis 30 Millionen Euro in die pyramidenförmigen Aufbauten investieren. Das Dach des denkmalgeschützten Bunkers soll zu einem mehrstöckigen Stadtgarten umgestaltet werden, der für alle frei zugänglich sein soll. Der bisherige Plan des Investors sieht vor, den Bunker durch fünf weitere Stockwerke auf fast 60 Meter Höhe wachsen lassen. Darin Platz finden soll auch eine Sporthalle, die der FC St. Pauli nutzen will. Außerdem sind ein Amphitheater, ein Hotel, Räume für die Stadtteilkultur und für Gastronomie geplant.

Doch die geplante Umgestaltung ist umstritten und wird nicht nur im Stadtteil St. Pauli kontrovers diskutiert. Größter Kritikpunkt ist, dass der Pächter des Bunkers an der Feldstraße Teile der neuen Flächen kommerziell nutzen will und muss, um das Projekt verwirklichen zu können. Auch wird diskutiert, ob eine Aufstockung und Begrünung den Mahnmalcharakter des Denkmals unkenntlich machen würde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.07.2016 | 15:00 Uhr

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