Stand: 27.01.2019 21:42 Uhr

Bertini-Preis für Schüler mit Zivilcourage

Im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater ist am Sonntag zum 21. Mal der Bertini-Preis für Zivilcourage verliehen worden. In diesem Jahr wurden vier Projekte junger Hamburger ausgezeichnet, die in besonderer Art und Weise Erinnerungsarbeit für die Opfer des Nationalsozialismus leisten und sich gegen Fremdenhass und für Zivilcourage engagieren. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.

Nele Borchert.

Schülerin gibt Stolpersteinen ein Gesicht

Hamburg Journal -

In Hamburg gibt es mehr als 5.300 sogenannte Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer der NS-Zeit. Die 16-jährige Nele Borchert will nun auch deren Porträts zeigen.

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Zivilcourage auf der Theaterbühne

Zu den ausgezeichneten Projekten gehört das Theaterprojekt "Kein deutscher Land". Es setzt sich mit verschiedenen Formen der Radikalisierung von Jugendlichen auseinander. Die 19 Schüler des Helmut-Schmidt-Gymnasiums in Wilhelmsburg wollen damit auf die alltäglichen Erfahrungen von Jugendlichen mit Ausgrenzung, Diskriminierung und Identitätssuche aufmerksam machen, einen Prozess des Nachdenkens anregen und zum gemeinsamen Austausch ermutigen. Rund um die Theater-Aufführungen initiierte der Kurs außerdem eine Kunstausstellung, mehrere Lesungen und Podiumsdiskussionen zum Thema.

Die Preisträger
01:58
Hamburg Journal 18.00

Bertini-Preis: Kein deutscher Land

23.01.2019 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00
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Bertini-Preis: Die Swing-Jugend in der NS-Zeit

23.01.2019 18:00 Uhr
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Bertini-Preis: Gedenksteinen ein Gesicht geben

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Bertini-Preis: Täterschaften in der NS-Zeit

23.01.2019 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00

Ebenfalls ausgezeichnet wurde das von Schülern der Bugenhagen-Schule in Alsterdorf entwickelte Theaterstück "Aus der Reihe tanzen" über die Geschichte der Hamburger Swing-Jugend, deren Musik von den Nazis verboten wurde. Die 18 Schülerinnen und Schüler erinnern mit ihrem Theaterprojekt an den Mut der Hamburger Jugendlichen, die sich während der NS-Zeit als erste subkulturelle Strömung gegen die Gleichschaltung der Nationalsozialisten aufgelehnt hatten.

Film-Projekte leisten Erinnerungsarbeit

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Ein Ort, an dem das Grauen der NS-Zeit plötzlich ganz nah ist: Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums in Osdorf sind zur Gedenkstätte im polnischen Belzec gereist.

Zu den Preisträgern gehören ebenso die Film-Projekte mehrerer Schülergruppen des Lise-Meitner-Gymnasiums in Osdorf. Nach einer Exkursion zu den Gedenkstätten Majdanek und Belzec in Polen haben sich die drei Schülergruppen filmisch mit dem Holocaust und verschiedenen Formen der (Mit-)Täterschaft in Vernichtungslagern auseinandergesetzt. Darunter waren unter anderem die an Deportationen und Massenerschießungen beteiligten Einsatzkräfte des Hamburger Polizei-Bataillons 101.

Gedenksteinen ein Gesicht geben

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Mit wasserlöslicher Kreidefarbe hat die Schülerin Nele Borchert das Gesicht von Erna Pauline Stadtaus auf den Gehweg gesprüht, sie wurde 1942 deportiert und ermordet.

Nele Borchert vom Albert-Schweitzer-Gymnasium in Ohlsdorf hat sich innerhalb ihres ausgezeichneten Projekts intensiv mit 15 ermordeten Personen beschäftigt, zu deren Gedenken in Hamburg Stolpersteine verlegt wurden. Sie recherchierte deren Schicksale, suchte nach Fotos von ihnen, fertigte daraus Schablonen und machte mithilfe von Kreidesprühfarbe die Bilder der Menschen neben den Stolpersteinen sichtbar. "Gesichter sind aussagekräftiger als Daten, Gedenksteine oder Namen", meinte die 16-Jährige. Zudem plant die Schülerin, die Gesichter direkt auf deren ehemalige Wohnhäuser zu projizieren, um damit für jeden sichtbar auf die Enteignung und spätere Vernichtung der Menschen hinzuweisen und so die Idee der Stolpersteine weiterzudenken.

Benannt nach einem Roman Giordanos

Der Bertini-Preis wird traditionell am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus verliehen. Der Name geht auf den Roman "Die Bertinis" des Hamburger Schriftstellers Ralph Giordano zurück. Der im Dezember 2014 verstorbene Giordano arbeitete mehr als 40 Jahre an dem Buch, in dem er das Schicksal seiner Familie in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur schildert, das geprägt war von Ausgrenzung, Verfolgung und ständiger Angst. Ralph Giordano war Ehrenvorsitzender des Vereins und immer zuversichtlich, dass der Bertini-Preis seine Botschaft "Lasst euch nicht einschüchtern" weitertragen werde.

Die Ausschreibung zum Bertini-Preis richtet sich seit 1998 an alle jungen Hamburger ab 14 Jahren. Sie können sich einzeln, als Gruppe oder Schulklasse mit einem Projekt bewerben - oder von anderen für ihr mutiges "Eintreten gegen Unrecht, Ausgrenzung oder Gewalt von Menschen gegen Menschen in dieser Stadt" vorgeschlagen werden.

Weitere Informationen
14:58
Hamburg Journal 18.00

Vorstellung der Nominierten für Bertini-Preis

23.01.2019 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00

Am Wochenende wird zum 21. Mal der Bertini-Preis für Zivilcourage verliehen. Vier Projekte junger Hamburger erhalten die Auszeichnung - das Hamburg Journal stellt die Nominierten vor. Video (14:58 min)

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit von Deutschen systematisch ermordet. Jedes Jahr am 27. Januar erinnert ein Gedenktag an alle Opfer des Nationalsozialismus. mehr

Ralph Giordano: Ein engagierter Kritiker

Der Schriftsteller Ralph Giordano hatte ein erlebnisreiches Leben als streitbarer Publizist und Fernsehreporter. Geprägt haben ihn seine Erfahrungen in der Nazizeit. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 27.01.2019 | 18:00 Uhr

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