Bahn und Nordländer wollen Schienenausbau vorantreiben

Stand: 12.01.2022 15:56 Uhr

Die Deutsche Bahn will den Schienenausbau in Norddeutschland beschleunigen. Mit den Ländern Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern gründete sie am Mittwoch das Bündnis "Zukunft Schiene Nord".

Die neue Bundesregierung will den C02-Ausstoß Deutschlands reduzieren. Ein wichtiger Baustein dabei: der Verkehrssektor. Mehr Menschen sollen auf den Zug umsteigen. Außerdem soll der Güterverkehr auf der Schiene ausgebaut werden. Das funktioniert aber nur, wenn das Streckennetz der Bahn entsprechend ausgebaut ist - die Deutsche Bahn und die fünf norddeutschen Bundesländer wollen dazu in dem Bündnis "Zukunft Schiene Nord" an einem Strang ziehen. Unter anderem mit besseren Absprachen, wann wo gebaut wird, damit nicht eine Baustelle auf die nächste folgt.

30 Milliarden sollen investiert werden

Im Norden sollen mehr als 30 Milliarden Euro in den Neubau und die Sanierung von Bahnstrecken fließen. Das ist viel Geld, aber der Zugverkehr soll auch zuverlässiger werden. Und die Nordländer wollen die Planungen beschleunigen, wollen keine jahrelangen Hängepartien mehr.

Reinhard Postelt © NDR Foto: Marco Peter
AUDIO: Gründung des Bündnisses "Zukunft Schiene Nord" (1 Min)

Pofalla: "Gründung einer Schienen-Hanse"

Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn AG, unterzeichnet zur Gründung des Bündnisses "Zukunft Schiene Nord" ein Dokument. © dpa Foto: Christophe Gateau
Will den Schienenausbau gemeinsam mit den Nordländern vorantreiben: Bahn-Vorstand Ronald Pofalla.

Bahnvorstand Ronald Pofalla wählte am Mittwoch große Worte zu den Plänen: "Wir gründen eine Schienen-Hanse. Wir wollen mehr Menschen für das umweltfreundliche Verkehrsmittel die Bahn gewinnen." Mit der länderübergreifenden Zusammenarbeit plane man künftig effektiver, schneller und gesamthafter - für ein Schienenverkehrsangebot aus einem Guss, so Pofalla.

Gedrängel auf den Schienen

Von der Allianz pro Schiene, einem Zusammenschluss von Verbänden, zur Förderung des Bahnverkehrs, gab es Lob. "Gerade in den Küstenländern kommen wachsender Güterverkehr und wachsende Pendlerströme auf der Schiene zusammen", sagte Geschäftsführer Dirk Flege. Daher müssten die Ausbaupläne für das Schienennetz schnell umgesetzt werden - gerade im Hinblick auf ambitionierte Klimaziele. Die Allianz wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren der Personen- und Güterverkehr auf der Schiene stark gewachsen seien, das Schienennetz im Land hingegen geschrumpft sei. Das Gedrängel auf den Gleisen werde schon jetzt immer größer, so Flege.

Verkehrsknotenpunkt Hamburg

Auch Pofalla betonte die Wichtigkeit einer leistungsfähigen Bahn-Infrastruktur gerade im Norden. "Denken Sie alleine an den Knoten Hamburg, ein neuralgischer Punkt für das Schienennetz in ganz Deutschland", sagte er. Hamburg steht im Mittelpunkt des Schienen-Bündnisses. Über den Hafen rollen 20 Prozent aller Güter auf der deutschen Schiene. Dazu kommt bald auch der Verkehr über den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel, sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). "Wir sehen, dass wir dafür neue kräftige große Elbbrücken brauchen. Wir haben dort vier Gleise, die schon über 100 Jahre alt sind und wollen sechs Gleise", so der Senator.

Schnellere Planverfahren

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) will sich in dem neuen Bündnis dafür einsetzen, dass Planverfahren künftig nicht so lange dauern. Dabei geht es ihm nicht nur um "Alpha E" - die geplante Schnelltrasse zwischen Hamburg und Hannover -, sondern um alle Ausbauprojekte der Bahn in seinem Land. Der Nahverkehr soll verstärkt und auch dort die Häfen besser angeschlossen werden. Viele Projekte stehen schon im Bundesverkehrswegeplan.

Geld kommt überwiegend aus Bundesmitteln

Bei den über 30 Milliarden Euro, die bis 2030 in die norddeutsche Schieneninfrastruktur fließen sollen, handelt es sich größtenteils um Bundesmittel, die bereits jetzt für Neu- und Ausbauprojekte eingeplant sind. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sprach von einem starken Signal. Er sagte aber auch: "Machen wir uns nichts vor, es ist auch bitter nötig und das kann man insbesondere in meinem Bundesland bestens besichtigen." So habe Schleswig-Holstein etwa mit aktuell 29 Prozent die geringste Quote an elektrifizierten Strecken im gesamten Bundesgebiet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.01.2022 | 15:00 Uhr

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