Stand: 24.08.2020 15:47 Uhr

Angebliches Van-Gogh-Gemälde wird in Hamburg versteigert

Kaufinteressenten betrachten ein von seiner Echtheit her umstrittenes Van-Gogh-Gemälde, das vom Auktionshaus Dechow in Hamburg versteigert werden soll. © picture alliance / dpa Foto: Axel Heimken
Ein echter van Gogh? Das Gemälde "Die Mühle von Wijk" wurde am Montag in Hamburg präsentiert.

Für mindestens 500.000 Euro will das Hamburger Auktionshaus Dechow ein angeblich von Vincent van Gogh (1853-1890) stammendes Gemälde versteigern. Das Ölbild mit dem Titel "Die Mühle von Wijk" soll am 1. September in einer Online-Auktion unter den Hammer kommen. Ob das Gemälde tatsächlich von dem niederländischen Maler stammt, ist nicht sicher. Das Amsterdamer Van-Gogh-Museum, die führende Instanz bei der Beurteilung der Echtheit, teilte mit: "Das Museum hat dieses Gemälde untersucht und denkt nicht, dass das Werk von Vincent van Gogh gemacht wurde."

Kunsthistoriker glaubt an Echtheit

Das Auktionshaus, das auf Industriegüter wie große Bagger oder Maschinen spezialisiert ist, verweist auf ein Gutachten zur Farbe des Bildes und auf die Expertise des Kieler Kunsthistorikers Ulrich Kuder. Der emeritierte Professor glaubt, dass das Gemälde in die Frühphase van Goghs passt. Er habe sich für den großen niederländischen Maler Jacob van Ruisdael begeistert, der um 1760 "Die Mühle von Wijk bij Duurstede" gemalt hatte. Van Gogh habe dieses Bild kopiert und leicht variiert. Es passe zur Haager Schule, der auch die frühen Werke van Goghs zugerechnet werden, sagte Kuder bei der Präsentation des Gemäldes am Montag. Außerdem trage das Bild die ungewöhnliche Signatur "van Gogh". "Das macht kein Fälscher", betonte der Professor. "Ein Fälscher weiß, dass van Gogh mit "Vincent" signiert hat." Der Schriftzug auf der "Mühle von Wijk" entspreche ansonsten genau van Goghs Handschrift.

VIDEO: Angebliches Van-Gogh-Gemälde wird versteigert: Ist es echt? (2 Min)

"Wir können es nicht beweisen, aber es gibt viele Indizien"

Das Gemälde soll 1904 von einem Leipziger Kaufmann in Paris erworben worden sein. Er vererbte es an seine Enkelin, die es nach ihrem Umzug nach Neustadt in Holstein an die gegenwärtigen Privatbesitzer in der Nähe von Kiel verkaufte. Der Projektleiter bei Dechow, Jens-Peter Franz, sagte, es habe 1994 für einen fünfstelligen D-Mark-Betrag den Besitzer gewechselt. Franz bedauerte, dass das Amsterdamer Museum seine Einschätzung nicht begründet habe. Das Auktionshaus gehe mit den Zweifeln ganz transparent um: "Wir können nicht beweisen, dass es echt ist, aber es gibt sehr viele Indizien."

 

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Hamburg Journal | 24.08.2020 | 19:30 Uhr

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