Stand: 10.07.2020 12:59 Uhr  - NDR 90,3

21-Jähriger berichtet von rassistischen Pöbeleien

Hat die Hamburger Polizei nicht richtig reagiert, als ein junger Mann Hilfe suchte, als er rassistisch beleidigt wurde? Benoit A. aus Lemsahl-Mellingstedt hat sich an NDR 90,3 gewandt und von Pöbeleien im Bus berichtet. Vom Rat des Beamten am Notruftelefon war er schockiert. Die Polizei erklärt das Vorgehen allerdings.

Beim Einsteigen beleidigt

Am Mittwoch fuhr der 21-Jährige nach eigenen Angaben mit dem Bus zur Arbeit. An einer Haltestelle in Poppenbüttel sei er im Bus von einem 40 bis 50 Jahre alten Mann rassistisch beleidigt worden, berichtet Benoit A. NDR 90,3: "Er hat mich beim Einsteigen beleidigt, übelst rassistisch beschimpft, dann beim Aussteigen an der anderen Bushaltestelle als Affe bezeichnet."

Polizei rät, Mann loszulassen

Der 21-Jährige wählte den Notruf 110 und wollte den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Doch er wurde enttäuscht. "Der Beamte am Telefon sagte, dass ich ihn loslassen soll. Dass es ja nicht notwendig ist, da mit Blaulicht zu kommen und das zu klären." Stattdessen sei ihm geraten worden, sich das Nummernschild des Busses zu notieren, um Anzeige zu erstatten.

Die Polizei verteidigt und erklärt das Vorgehen der Beamten am Notruftelefon. Die Reaktion des Polizeibeamten sei richtig gewesen, sagt Polizeisprecher Holger Vehren NDR 90,3. Der Beamte am Notruftelefon habe verhindern wollen, dass die Situation eskaliert und damit richtig gehandelt.

Verdächtiger ermittelt

Inzwischen hat die Polizei einen Tatverdächtigen gefasst. Der Staatsschutz wertete das Videomaterial aus der Bus-Kamera aus und ermittelte einen 44 Jahre alten Mann, wie am Freitag bekannt wurde. Der Beschuldigte gibt an, dass er den 21-Jährigen nicht gezielt beleidigt habe. Die Ermittlungen dauern noch an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.07.2020 | 10:00 Uhr

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