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Kolumne: Ist da jemand im All?

Stand: 01.07.2021 18:57 Uhr

Gibt es intelligentes Leben im Weltall? Warum beschäftigen uns gerade die außerirdischen Schwingungen? Eine Kolumne von Claudia Christophersen über Ufos und nicht erklärbare Phänomene.

Claudia Christophersen © NDR Foto: Christian Spielmann
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von Claudia Christophersen

Mal Hand aufs Herz: Glauben Sie an diese außerirdischen Begegnungen der dritten Art, die gerade wieder in den USA bis hinein in den Kongress großes Stirnrunzeln und Irritation verursachen? Ich für meinen Teil erinnere mich an eine legendäre Fernsehserie aus den 1980er-Jahren. Da landet ein merkwürdiges Wesen vom Planeten Melmac auf der Erde, in einem Vorort von Los Angeles direkt in der Garage einer ganz normalen Familie. Alf ist sein Name, der für "Alien Life Form" steht. Natürlich ist das Ganze mysteriös, zumal Alf für unser Empfinden seltsam aussieht - mit Fell, Rüssel und riesigen Augen. Mit seiner markanten Stimme hat er immer etwas zu sagen, ist extrem kommunikativ und gibt gerne seinen Senf zu jedem und allem. Kein Zufall, dass zu seinen Lieblingsbeschäftigungen das Telefonieren gehört. Allein damit geht er seiner Gastfamilie Tanner mächtig auf die Nerven. Aber: Alf ist so hemmungslos unverstellt, messerscharf klug und gewitzt, dass kein Familienmitglied mehr ohne ihn leben will. Egal wie dieses menschenähnliche Känguru-Schwein-Kleintier aussieht und was es anstellt, Alf ist einfach eine Wucht.

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Darstellung eines Ufos, das auf einem Planeten landet. © colourbox Foto: daniel guffanti

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Irritation und Wissenschaft gehen Hand in Hand

Aliens, Ufos, Undefinierbares aus dem All befinden sich gerade auf einer Hype-Welle. Ihre mögliche Präsenz sorgt für Rätsel, Nervosität und vor allem für Gesprächsstoff. Ist da jemand im All? Wer bewegt sich auf den ominösen Videos, die durchs Internet geistern? Was sind das für bunte Lichter, die am Himmel funkeln? Flugobjekte, die den amerikanischen Luftraum betören, ausspähen? Ufos in geheimer Aktion? Von Russland oder China kommend?

Irritation und Wissensdrang gehen hier Hand in Hand. 1977 zum Beispiel schickte die NASA zusammen mit einer Raumsonde eine goldene Datenplatte ins All. Grußbotschaften von Jimmy Carter und Kurt Waldheim, Musik von Bach, Beethoven und Chuck Berry, Mozarts Arie der "Königin der Nacht", bezaubernd gesungen von Edda Moser. Bis heute ist auf diesen Kontaktversuch keine Antwort gekommen.

Schwingungen sind wohl auf Luftphänomene zurückzuführen

Eine Erklärung hätte sich jetzt die Taskforce, bestehend aus Mitarbeitern des Pentagons und Geheimdienstes gewünscht, als sie den unerklärbaren Schwingungen nachging. Zeitungen und Nachrichten wurden mit Experten-Interviews befüllt. Das Ergebnis, nach großer Spekulation, ist vergleichsweise mager: Keine schwirrenden Ufos, keine Aliens, keine geheimen, gegnerischen Späh- und Spionageaktionen. Die Botschaft und Erklärung für all das Flirrende ist schlicht und zugleich indifferent: "Unidentified Aerial Phenomenons" (UAPs), zu Deutsch: nicht identifizierbare Luftphänomene.

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Claudia Christophersen © NDR Foto: Christian Spielmann

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Sehnsuchtsinseln zum Wundern und Verwundern

War die weltweite Aufregung also umsonst? Nicht ganz. Man kann sich die Frage stellen: Warum sind die unerklärbaren Himmelsflitzer gerade so hip? Ausdruck einer nervös aufgeladenen Stimmungslage? Wie am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Neurasthenie? Eine reizbare Schwäche, Erschöpfung und Ermüdung, die nach neuen Spannungskanälen sucht? Wäre nicht verwunderlich nach monatelangem Stillstand, nach monatelangem Kampf mit einem unbekannten Virus und einer grundsätzlichen und allgemeinen Verunsicherung. Immerhin verleihen prominente Anhänger der Aufregung eine gewisse Portion Seriosität und Glaubwürdigkeit. Barack Obama will an die Phänomene glauben, zumindest daran, dass da etwas ist, das sich nicht einfach erklären lässt.

Schön, dass wir noch etwas haben zum Wundern und Verwundern. Kleine Sehnsuchtsinseln im Pandemie-Alltag? Wer weiß. Wie auch immer es um Ufos und außerirdische Wesen stehen mag: Sie bringen auf jeden Fall Überraschungen und niemals endenden Stoff für Diskussionen. Dem außerirdischen Wesen Alf würde das gefallen. Quatschen, telefonieren, den Gesprächsfaden nie abreißen lassen, eine große Kunst und Leidenschaft.

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Ulrich Kühn, Claudia Christophersen und Alexander Solloch. © NDR Foto: Christian Spielmann

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