Menschen sitzen an einem gedeckten Tisch © picture alliance / Zoonar Foto: Benis Arapovic

Fastenmonat vorbei: Wie feiern Muslime das Ende des Ramadan?

Stand: 14.05.2021 16:10 Uhr

Das Ende des Fastenmonats Ramadan wird traditionell drei Tage lang mit dem Fest des Fastenbrechens gefeiert. Doch wegen der Corona-Krise sind auch in diesem Jahr solche Zusammenkünfte nicht erlaubt.

Menschen sitzen an einem gedeckten Tisch © picture alliance / Zoonar Foto: Benis Arapovic
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von Bita Schafi-Neya

Mitten in Salzgitter-Lebenstedt befindet sich die Bäckerei Ümit. Der gekachelte Raum ist erfüllt vom Duft süßen Gebäcks, deftiger Schafskäse- und Hackfleischpizza. An der Theke stehen die Kunden Schlange. Sie sind froh, dass sie zumindest hier in der Corona-Zeit etwas Normalität erfahren können.

Ramadan - Eine harte Probe für Körper und Geist

Hinter dem Tresen herrscht reges Treiben, bis in die späten Abendstunden wird gebacken. Denn erst nach Sonnenuntergang darf gegessen und getrunken werden bis zum Sonnenaufgang. Eine harte Probe für Körper und Geist, die viel Disziplin erfordert, betont Mitarbeiterin Sünay Salan. "Aber wir haben uns daran gewöhnt", ergänzt sie, während sie in einer Backmaschine den Teig für Lokma vorbereitet - eine spezielle Süßigkeit aus Hefeteig: Zunächst werden kleine Bällchen geformt, dann in der Fritteuse gebacken und in Sirup getaucht, erklärt Sünay Salan: "Es sind zwei verschiedene Sorten, einmal in Ringelform und einmal runde. Die kann man auch mit Schokolade befüllen oder mit Erdbeeren, Schokolade, Pistazien, Karamell oder Streusel schmücken - das schmeckt auch sehr lecker."

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Die Mutter zweier Kinder freut sich jedes Jahr auf das dreitägige Fastenbrechenfest. Doch sie bedauert, dass es sowohl im Kindergarten als auch in der Schule keine Rolle spielt: "Es ist ja gut, dass mein Kind lernt, wie die Deutschen leben, wie die Christen sind. Ich fände es gut, wenn sie uns mal die Chance geben würden, damit die Kinder auch wissen, was der Islam ist, dass sie auch mal mit uns feiern können. Das habe ich mal vorgeschlagen, ob wir das machen dürfen. Nein, dürfen wir nicht. Naja."

Mit dem Ramadan wollen Muslime Selbstdisziplin erlernen und durch gemeinsames Zusammensein ihren Glauben stärken. Doch während der Corona-Zeit sind derartige Treffen nicht möglich, bedauert Ali Kagnavi, ein Bäckerei-Kunde: "Es ist ein bisschen schwierig, weil es zum Ramadan dazu gehört, dass wir alle zusammen sitzen und essen. Aber mit Corona darf man sich nicht besuchen - das ist das Schlimmste."

Kranke und Kinder müssen nicht fasten

Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam und Pflicht für gläubige Muslime. Schwangere, Kranke, Kinder und Reisende sind vom Fasten ausgeschlossen. Auch Bauarbeiter Ahmad Ugur verzichtet jedes Jahr auf Ramadan, obwohl sein deutscher Chef nichts dagegen hätte: "Die Zeit ist zu lang, und wenn man im Staub, im Dreck arbeitet, dann kann man nicht fasten, das sollte man auch nicht. Man soll das nicht so extrem sehen. Derjenige, der gesund ist, kann fasten - aber ich persönlich, nein."

Soha Nassan arbeitet bei einer Firma in Salzgitter als Gabelstaplerfahrer. Für seinen Chef sei das Beten während der Arbeitszeit kein Problem: "Ich stempele mich aus und gehe zum Gebet - genau wie die Leute, die rauchen, sich auch austempeln müssen. Jedes Gebet dauert fünf bis zehn Minuten, und die restliche Gebete verrichte ich zu Hause."

VIDEO: Ramadan: Wie gemeinsames Fastenbrechen trotz Corona gelingt (3 Min)

Neue Formen: Iftar-to-go und Green-Iftar

In der Moschee in Salzgitter Bad erklingt der Ruf des Muezzins. Doch nur eine kleine Gruppe kommt zum gemeinsamen Gebet zusammen. Dafür gibt es regelmäßig Videobotschaften, erzählt Nurai Atayer, stellvertretene Vorsitzende der Gemeinde Ditib Salzgitter Bad: "Darüber hinaus versuchen wir, dass die Gemeindemitglieder, die Älteren zumindest, in bestimmten Abständen angerufen werden. Wir fragen nach, wie es ihnen geht, ob sie Hilfe brauchen, wie man sie unterstützen kann. Das übernehmen meistens unsere Jugendlichen und auch die Frauengemeinde."

Spezielle Programme, die normalerweise während des Ramadans angeboten werden, fallen aus. Wie beispielweise Iftar - das gemeinschaftliche Fastenessen. In Zeiten von Corona wird das Iftar-to-go angeboten - Freiwillige bringen für bedürftige, kranke und alte Menschen Essen. Darüber hinaus hat sich in zahlreichen Gemeinden das sogenannte Green-Iftar etabliert, betont Nurai Atayer: "Teilweise rufen uns die Lebensmittelhändler an und sagen: 'Ich habe hier noch eine Kiste Tomaten, die möchte ich ungerne wegschmeißen, habt ihr noch Verwendung dafür?' Das nehmen wir gerne an, sodass das am nächsten Tag mitverwendet wird."

Auch wenn es inzwischen Corona-Lockerungen gibt, verzichtet auch in diesem Jahr die islamische Gemeinde auf das gemeinsame Fastenbrechenfest.

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