Stand: 07.08.2020 15:07 Uhr

Opferfest und Hadsch in Zeiten von Corona

von Hasanat Ahmad

In der vergangenen Woche feierten gläubige Muslime in aller Welt das Opferfest. Es ist der wichtigste Feiertag im Islam. Normalerweise pilgern Millionen von Gläubigen für dieses Fest nach Mekka, im Rahmen der Hadsch. Doch wegen der Corona-Pandemie fand auch die Pilgerfahrt in diesem Jahr unter strengen Auflagen statt. Unser Gastautor Hasanat Ahmad von der Ahmadiyya Muslim Jamat berichtet über die Bedeutung des Festes und wie seine Gemeinde den Tag begangen hat.

Hasanat Ahmad © Hasanat Ahmad
Hasanat Ahmad ist Stellvertretender Bundesvorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland KdöR.

Die Bereitschaft Opfer zu bringen, gilt im privaten wie beruflichen Leben gemeinhin als unerlässliche Voraussetzung für Erfolg. Nur wer bereit ist, sich anzustrengen und sich von den weniger wichtigen Wünschen zu lösen, erreicht die großen Ziele des Lebens. Was für die Familie oder den Beruf gilt, spielt auch im Leben gläubiger Muslime eine zentrale Rolle: Sind sie bereit, aus Liebe zu ihrem Schöpfer und dessen Schöpfung auf etwas zu verzichten, erhoffen sie sich seelischen Frieden und die Zufriedenheit Gottes.

Das Opferfest als Höhepunkt des Hadsch

Das islamische Opferfest, auch Id ul-Adha genannt, dem ein ebensolcher Geist der Opferbereitschaft zugrunde liegt, ist der bedeutendste Feiertag im Islam. Das Opferfest findet am zehnten Tag des zwölften und damit letzten Monats des islamischen Kalenders statt, also dem Monat des Hadsch, der Pilgerfahrt nach Mekka, und dauert die darauffolgenden zwei Tage an.

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Pilgerstätte Mekka.  Foto: mustafa ciftci

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Das Opferfest stellt zwar den Höhepunkt des Hadsch dar und ist mit dem Wallfahrtsort in besonderem Maße verbunden. Als Feiertag jedoch ist dieses keineswegs örtlich gebunden. Im Gedenken an das berühmte Opfer Abrahams und seines Sohnes Ismael wird das Opferfest von Millionen von Muslimen in aller Welt an ihren jeweiligen Wohnorten gefeiert. Ähnlich der Geschichte im Alten Testament zeichnet der Koran das Ereignis der Opferbereitschaft des Propheten Abraham nach. Demnach war dieser bereit, seinen ältesten Sohn Ismael für Gott zu opfern. Zufrieden mit der außergewöhnlichen Opferbereitschaft Abrahams gebot Allah ihm Einhalt, so die Geschichte im Koran. Seinen Sohn sollte er nicht buchstäblich opfern. An seiner Stelle opferten Vater und Sohn einen Widder, um so ihre Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Um der Opferbereitschaft Abrahams und seines Sohnes Ismael zu gedenken, opfern zu diesem Fest gläubige Muslime in aller Welt, soweit es ihnen möglich ist, ebenfalls ein Tier.

Der Dienst an der Menschheit

Obwohl auch das Opferfest wie jeder andere religiöse Feiertag gewisse Traditionen kennt, macht der Koran in diesem Zusammenhang den Muslimen deutlich, dass der reinen Symbolik keine Bedeutung beigemessen werden kann, solange dabei der wahre Geist der Opferbereitschaft nicht im Vordergrund steht. So heißt es darin:

"Ihr Fleisch erreicht Allah nicht, noch tut es ihr Blut, sondern eure Ehrfurcht ist es, die Ihn erreicht." (22:38)

Deswegen soll an diesem Tage den Armen und Bedürftigen ganz besonders geholfen werden, damit sie auch an den Freuden des Lebens teilhaben können. Schließlich stellt der Dienst an der Menschheit neben dem Gottesdienst den zweiten essenziellen Bestandteil im Leben eines Muslims dar.

Das Dach einer Moschee.
AUDIO: Opferfest und Hadsch in Zeiten von Corona (5 Min)

Gebet nur im kleineren Umfang möglich

Ein ungewöhnliches Opfer verlangte das Id-Fest den Muslimen in diesem Jahr ab: Weder der Hadsch in Mekka konnte in gewohntem Umfang stattfinden, noch war es möglich, das übliche Ausmaß von Versammlungen bei Gottesdiensten und Feierlichkeiten zu erleben. Die Bilder aus der fast leeren Großen Moschee um die Kaaba, die sonst mit hunderttausenden Menschen gefüllt ist, hinterließen ein melancholisches Gefühl. Nichtsdestotrotz hatten wir die Möglichkeit, in einem kleineren Umfang in der örtlichen Gemeinde mit einigen Gemeindemitgliedern zusammen zum morgendlichen Id ul-Adha Gebet zu gehen. Wer schon einmal ein solches Gebet erlebt hat, weiß, was nach dem Gebet unter normalen Bedingungen folgt: Ein reges Umarmen unter Jung und Alt, mit Bekannten und weniger Bekannten. Eine Tradition, die sonst für viele Gemeindemitglieder vom Gefühl her einem unzertrennlichen Bestandteil des Festes gleicht, musste diesmal leider wegfallen. Die Segenswünsche aus 1,5 Metern Entfernung, hervorgebracht hinter dem Vorhang eines Mund-Nasen-Schutzes, lösten zwar ein seltsam wehmütiges Gefühl aus, waren indes nicht weniger herzlich.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 07.08.2020 | 15:20 Uhr

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