Frauen gehen vor einem Geschäft entlang © Bita Schafi-Neya Foto: Bita Schafi-Neya

Mehr als Burka und Nikab: Mode für muslimische Frauen

Stand: 09.07.2021 15:20 Uhr

Worauf achten muslimische Frauen beim Kleiderkauf? Wie lassen sich Religion und Mode verbinden? Auch in Niedersachsen gibt es immer mehr Geschäfte und Schneidereien speziell für islamische Mode. Eindrücke aus einer Schneiderei in Wolfenbüttel.

Frauen gehen vor einem Geschäft entlang © Bita Schafi-Neya Foto: Bita Schafi-Neya
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von Bita Schafi-Neya

Sidiga Zadran ist Schneiderin und hat ihr Geschäft mitten in der Innenstadt von Wolfenbüttel. Überall hängen bunte Kleider mit glitzernden Applikationen aus seidig schimmernden Stoffen. Lange Mäntel und Hosen, dazu die passenden Kopftücher in schlichten Farben oder verziert. Ihre Kundin Medine Sena sucht für die anstehende Familienfeier ein spezielles Outfit. Sie einigen sich auf einen Hosenanzug. Jetzt fehlt nur noch das passende Kopftuch. Sidiga Zadran holt verschiedene Stoffe aus einem Regal.

Seit ihrem siebten Lebensjahr trägt Medine Sena ein Kopftuch. Aber nur weil sie einen sogenannten Hidschab trägt, ist ihr Mode nicht egal. Auch heute hat sie ihre Haare mit einem rostbraunen Tuch verdeckt, passend dazu trägt sie ein weites schwarzes Gewand und eine elegante Hose: "Meine Familie ist bedeckt, meine Mutter, meine Schwester. Als ich klein war, hatte ich mal einfach die Tücher aus dem Schrank genommen und habe gesagt 'Oh ja, probierst du mal aus' und ich wollte es einfach selber mal anziehen. Es war auf keinen Fall Zwang von meinen Eltern, es war meine freie Entscheidung", betont Sena.

Mode und Kopftuch kreativ verbinden

Sieben Frauen und ein Mann stehen vor einer Mauer. © Muslimische Frauen im Iran Foto: Muslimische Frauen im Iran
Viele muslimische Frauen möchten sich modisch kleiden und dabei die Bekleidungsregeln einhalten.

Mode ist auch eine Art auszudrücken, wer man selber ist, sagt Medine Sena. Deshalb sei es manchmal schwer, gerade mit muslimischer Mode, weil viele dann irgendwann ihre Identität daran verlieren und alle gleich aussehen. Es gibt zunehmend Frauen, die sich zwar islamkonform anziehen, dabei aber auch in der Öffentlichkeit nicht auf Mode verzichten möchten. "Nur weil man Kopftuch trägt, heißt das ja nicht, dass man dann nicht mit der Mode spielen muss. Ich finde das immer total schön, wenn ich andere Kopftuchleute sehe, die sich anders kleiden", sagt Elif Elbey, sie ist ebenfalls Schneiderin. "Es gibt extrem andere Klamottenarten, die Kopftuchträger sozusagen herauszaubern. Das ist etwas ganz anderes. Man wird auf jeden Fall kreativer."

Dabei gehe es nicht nur um Religion, sondern auch um das Bedürfnis, bei einer Hochzeit, Abschlussfeier oder bei der Arbeit zurückhaltend, aber eben modisch gekleidet zu sein. Wenn sie unter sich sind, dürfen Musliminnen sich kleiden wie sie möchten, sagt Sidiga Zadran. Eine Frau im Islam müsse sich immer hübsch machen: "Auch wenn du betest, musst du dich schön anziehen. Auch wenn du bei deinem Mann bist, musst du dich schön anziehen. Ich bin manchmal fasziniert, dass die Mode bei den Deutschen sich verändert hat, sie sind in unsere Richtung gegangen, Richtung Kopftuchträgerin. Viele finden das auch total schön. Die sagen mir 'Guck mal, die Frau hat sich so schön angezogen, ein schönes Kleid und passend mit dem Kopftuch'."  

Islamkonform und stylisch zugleich

Die gebürtige Afghanin Zadran trägt zwar kein Kopftuch, aber wenn sie auf die Straße geht, achtet sie auf gewisse Details: zum Beispiel darauf, dass ihre Kleidung nicht durchsichtig ist und die wichtigsten Körperteile bedeckt sind. Gerade, wenn es darum geht, wie die Kopftücher gebunden werden, lassen sich Frauen immer wieder etwas Neues einfallen, sagt Medine Sena: "Natürlich machen wir jungen Frauen das etwas stylischer, dass das dann irgendwie von der Seite gebunden ist, dass das optisch auch schöner aussieht. Das ist das Eine und die Kleidung ist dann halt so vorgeschrieben, dass die körperlichen Proportionen nicht deutlich sichtbar sind. Das heißt, dass es nicht eng auf der Haut sitzen sollte."

Für sie ist das Kopftuch ein Zeichen der Selbstbestimmtheit der Frau. Muslimische Mode folgt strengen Regeln - nur das Gesicht und die Hände bleiben frei - die Stoffe aber dürfen vielfältig und farbenfroh sein.

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Muslimische Frauen auf dem Laufsteg © imago

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NDR Kultur | Freitagsforum | 09.07.2021 | 15:20 Uhr

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