Stand: 04.10.2019 14:19 Uhr  | Archiv

Keine Minarette, kein Prunk: Die Rostocker Moschee

von Golo Schmiedt

"Menschen machen Heimaten" - das war das Motto des diesjährigen Tages der offenen Moschee. Er findet jedes Jahr parallel zum Tag der Deutschen Einheit statt, so auch am Donnerstag im ganzen Land. Mehr als 2.000 islamische Gotteshäuser gibt es hierzulande - eins davon steht in Rostock.

Rostocker Moschee © NDR Foto: Golo Schmiedt
Bis zu 800 Muslime kommen zu den Freitagsgebeten in die Rostocker Moschee.

Von der Hauptstraße rechts abbiegen, dann etwa 100 Meter einen holprigen Weg entlang. Nicht so leicht zu finden, aber dann steht sie da: eine alte, flache Baracke. Von außen grün angestrichen. Keine Minarette, kein Prunk. Im Eingang ein dunkles Holzregal für die Schuhe. Danach geht es barfuß über einen roten Teppich in den Gebetsraum. Erster Programmpunkt: eine Koranrezitation. An diesem Vormittag sind gerade einmal 20 Leute in der Moschee - inklusive Besucher. Der Vorsitzende der Gemeinde Maher Fakhouri lässt sich von dem scheinbar geringen Interesse aber nicht entmutigen und erklärt in einem Vortrag geduldig seine Religion.

"Die Offenheit hat sich verschoben in Richtung Ablehnung"

Fakhouri kommt gebürtig aus Syrien und ist inzwischen seit 35 Jahren in Deutschland. 1998 hat er die muslimische Gemeinde in Rostock mit aufgebaut und fühlt sich mit seinem Glauben wohl in der Hansestadt: "Wir leben frei hier. Wir können unsere Religion hier ausüben und halten uns an die Gesetze. Wir sind gut vernetzt, vor allem im interreligiösen Dialog." Besonders freue er sich, dass seine Gemeinde nächsten Monat beim Festgottesdienst zum Jubiläum der Uni Rostock dabei sein wird. Außerdem engagiere er sich bei interkulturellen Events, stehe unter anderem mit der Nordkirche und der Jüdischen Gemeinde in engem Kontakt.

Ein bisschen Gegenwind aus der Stadt spürt Maher Fakhouri aber dennoch: "Die Offenheit hat sich verschoben in Richtung Ablehnung. Die Beziehung ist ein bisschen kälter geworden. Wir haben aber noch nie deutliche Schwierigkeiten gehabt - außer mit der AfD und der NPD.“ Um die Beziehungen wieder zu verbessern, auch deshalb haben die Moscheen am 3. Oktober ihre Türen geöffnet. Aber auch an anderen Tagen sei jeder herzlich eingeladen, so der Vorsitzende der Gemeinde.

Wichtig ist ihm noch zu betonen: Die muslimische Gemeinde in Rostock bekommt keine öffentlichen Gelder und finanziert sich ausschließlich durch Spenden der Mitglieder. Registriert haben sich nur etwa 15. Zu den Freitagsgebeten kommen aber bis zu 800 Muslime, sagt Maher Fakhouri. Einer davon ist Hany Hillal, seit zehn Jahren in Rostock, Gebietsleiter einer Krankenkasse und aktives Mitglied der Gemeinde. Vorurteile oder Ablehnung gegenüber seinem Glauben erlebt er nicht: "Ich habe ich keine Angst. Ich bin nicht so spät in Rostock unterwegs, aber am Tag gibt es keine Probleme, auch nicht bei mit meinen Kollegen. Es läuft gut."

"Ganz schön ab vom Schuss"

Das erste Mal in einer Moschee ist heute Claudia Karler. Sie ist unvoreingenommen hergekommen, jetzt aber ein wenig überrascht: " Ich finde es ganz schön ab vom Schuss. Der Weg hierher war ein bisschen beklemmend. Man muss über einen Parkplatz gehen - das ist nicht so schön. Wenn ich in die Kirche gehe, steht die auf einem großem Platz und sehr zentral. Das wirkt hier so ein bisschen an den Rand gedrängt. Sie machen hier aber was draus, und machen die Moschee zu ihrem Ort. Aber es hat nichts Schönes."

Rostocker Moschee © NDR Foto: Golo Schmiedt
Der Innenraum der Rostocker Moschee. Über einen Neubau wird in Rostock derzeit heiß diskutiert.

Die Gemeinde gibt sich dennoch alle Mühe, ihre Gäste willkommen zu heißen. Im Nebenraum wird ein reichhaltiges arabisches Büffet eröffnet. Bei Falafel, Köfte und Tee sollen sich alle etwas besser kennenlernen. Besucher Bernd Jahnke will dagegen schon wieder los. Er hatte konkrete Fragen an den Vorsitzenden der Gemeinde und hat die Chance für ein persönliches Gespräch genutzt: "Wir haben darüber geredet, ob es vielleicht nicht eine Idee ist, den geplanten Neubau gar nicht als Moschee zu bezeichnen sondern als Gemeindehaus, und dass man klar und deutlich dafür eintritt, was dann dort passieren soll. Ich fand, das war ein gutes Gespräch."

Ein möglicher Neubau an anderer Stelle: Das ist gerade ein hitziges Thema in der Stadt. Der Vorsitzende der Gemeinde Maher Fakhouri möchte lieber nicht mehr darüber reden - zu viele Emotionen und Missverständnisse. Der nächste Tag der offenen Moschee in Rostock wird also vermutlich wieder hier stattfinden. Etwas ab vom Schuss, in der grünen Baracke.

Rostocker Moschee © NDR Foto: Golo Schmiedt
AUDIO: Keine Minarette, kein Prunk: Die Rostocker Moschee (5 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 04.10.2019 | 15:20 Uhr

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