Ein junge Frau steht auf einer Bühne, hält ein Mikrophon in der einen Hand und mit der anderen Hand gestikuliert sie. © Lornz Lorenzen Foto: Lornz Lorenzen
Ein junge Frau steht auf einer Bühne, hält ein Mikrophon in der einen Hand und mit der anderen Hand gestikuliert sie. © Lornz Lorenzen Foto: Lornz Lorenzen
Ein junge Frau steht auf einer Bühne, hält ein Mikrophon in der einen Hand und mit der anderen Hand gestikuliert sie. © Lornz Lorenzen Foto: Lornz Lorenzen
AUDIO: Carina Dawert freut sich auf den Poetry Slam in Flensburg (3 Min)

Von Plateau-Crocs und Wortkunst op Platt- und Hochdüütsch

Stand: 16.05.2023 13:47 Uhr

Seit 2012 gibt es plattdeutsche Poetry Slams im Norden. Ein guter Grund, an die Anfänge zu erinnern und nach vorne zu blicken: Auf den kommenden Hochdeutsch versus Plattdeutsch Poetry Slam am 17. Mai.

von Lornz Lorenzen

Gut zehn Jahre ist es her, da ging ein Redakteur von NDR 1 Welle Nord auf einen bekannten Veranstalter von hochdeutschen Poetry Slams zu und fragte ihn, warum es diesen kreativen Wortkunstwettstreit, der immer mehr Lesebühnen weltweit eroberte, nicht auch in niederdeutscher Sprache gebe? Das war die Geburtsstunde des weltweit wohl ersten plattdeutschen Poetry Slams im Husumer Kulturspeicher im November 2012.

Ein süddeutscher Moderator zwischen plattdeutschen Slammern

Poetry-Slammaster Björn Högsdal steht am Mikrofon © Lornz Lorenzen Foto: Lornz Lorenzen
Björn Högsdal mag die Slammer so sehr, dass er sie am liebsten mit nach Hause nehmen würde, damit sie ihm dort jederzeit etwas vortragen können.

Nur wenige Monate später traten die Slammer im Flensburger Kulturspeicher auf, wo Gerd Spiekermann am Ende des Abends die Kontrahentinnen und Kontrahenten anführte. Der Hörfunkredakteur damals war Andreas Schmidt und der Veranstalter - bis heute übrigens - Slammaster Björn Högsdal: "Für mich war das trotz all der Erfahrung mit dem Format Slam etwas völlig neues. Ein neuer Klang, eine ganz eigene Exotik. Zumal ich am Anfang als in Süddeutschland groß gewordener weniger als zehn Prozent der Texte verstand und genau so gut einen Slam auf Chinesisch hätte veranstalten können. Durch den Slam op Platt hat sich das geändert, ich als Zugezogener verstehe nach all den Jahren mit dem Format op Platt inzwischen mehr als 90 Prozent der Texte."

Slam-Profis treffen auf Platt-Profis

Noch im Beitrag des Schleswig Holstein-Magazins am Folgeabend ist die Begeisterung des Publikums und der Akteurinnen und Akteure in jeder Einstellung zu spüren.

Die Ursprungsidee war, plattschnackende Autorinnen und Autoren mit wenig Slam-Erfahrung gegen Slamprofis mit weniger Plattkompetenz im Rededuell aufeinander treffen zu lassen. Zur letzteren Gruppe gehörte Sven Kamin aus Wedel: "Witzigerweise, ich habe in Kassel studiert, da wird man als Nordlicht verschrien, da entstand die Liebe zu dieser Sprache meiner Heimat und ich habe mich da mühsam reingequält."

Und das mit großem Erfolg. Mit seinem im amerikanischen Baptistenprediger-Stil intonierten Glaubensbekenntnis zur Plattdeutschen Sprache gewinnt er die Herzen des Publikums und wird 1. Platt-Poetry-Slam-Weltmeister.

Traurednerin Carina Dawert © NDR/Carina Dawert
AUDIO: "Singlegespräche": Platt Poetry Slam von Carina Dawert (6 Min)

Weltmeistertitel wechselt ständig

Auf einer Rampe vor dem Eingang zum Kultuzentrum Kühlhaus in Flensburg präsentieren sich die Poetry-SalmmerInnen © Lornz Lorenzen Foto: Lornz Lorenzen
Aufmarsch der Wortakrobatinnen und Wortakrobaten beim 2. Platt-Poetry-Slam von NDR 1 Welle Nord im April 2013 vor dem Flensburger Kulturspeicher.

Beim 2. Platt-Poetry-Slam im Flensburger Kühlhaus im April 2013 sollte Sven Kamin seinen mühsam erkämpften Titel gegen den zur Höchstform auflaufenden Gerd Spiekermann gleich wieder verlieren. Aber nun, zehn Jahre danach, wird der vielfache Preisträger am 17. Mai 2023 eine zweite Chance bekommen, in Flensburg zu gewinnen.

Dieses Mal im Modus drei gegen drei

Im Kulturzentrum Kühlhaus Flensburg treten am Mittwoch auf der Bühne drei Hochdeutsche gegen drei Plattdeutsche Slamer und Slamerinnen an. Auch die Hamburgerin Carina Dawert fiebert dem poetischen Wortduell entgegen. Auf die Frage, welche Erfahrungen sie in der plattdeutsch-hochdeutschen Poetry Slam-Szene gemacht habe, sagt sie: "Ich habe großartige Erfahrungen gemacht. Der Wettkampf wird ja immer als ein Gegeneinander verkauft. Aber in Wirklichkeit ist es ein Miteinander."

Bei ihrer Premiere als Platt-Poetry-Slam Künstlerin beim Kunstflecken in Neumünster 2022 gewann sie als "Neue" überraschend gegen Mona Harry, die vor einigen Jahren mit Ihrem Liebesgedicht an den Norden große Bekanntheit erreicht hatte. "Ich freue mich auch darauf Mona Harry mal wieder zu sehen und bin gespannt, welche Texte sie diesmal mitbringt." 

Carina Dawert habe diesmal einen neuen Schnack aus ihrem Leben dabei. "Ich werde tatsächlich auch einen Text zum Thema Trauer und Einsamkeit dabei haben. Weil mir das wichtig ist, zu zeigen, das Plattdeutsch viel mehr kann, als nur lustig zu sein. Plattdeutsch kann Generationen miteinander verbinden - und Trauer gehört auf jeden Fall dazu." Die Themenwahl verwundert nicht, denn Carina Dawert ist nicht nur "Hör mal'n beten to"-Autorin sondern auch Trauer und Hochzeitsrednerin.

Auf der hochdeutschen Seite stehen Mona Harry, Jann Wattjes und Shafia Khawaja. Auf der plattdeutschen Seite treten neben Sven Kamin noch Jan Graf und Carina Dawert auf.

Slam-Bühne immer offen für Newcomer

Sie ist noch relativ neu im Geschäft, konnte aber gleich bei ihrem ersten Auftritt beim Kunstflecken in Neumünster im vergangenen Jahr mit ihrer Schilderung von "Singlegesprächen" punkten:

"Endlich erbarmt sik een junge hippe Deern mit mi to snacken. Se is midde twintig un hett veel to veel Hoor op den Kopp. Se driggt en stilsekere Wickelrock in Kombination mit Plateau-Crocs. Hann in Hann mit jichensoeen Keerl steiht se dor un seggt to mi: 'Hi, ich bin Sarah und das ist Ben, mein Mann. Wir leiten eine Yoga-Schule in Eppendorf, un na, was machst du denn so?' - 'Ik bün free Rednerin för Hochtieden un so', segg ik. Se: 'Ach das ist ja voll schön und wie lang bist du mit deinem Mann schon verheiratet?' - Un zack, hett se tosnappt, de Fall, för de wi as Singles de grötste Angst hebben."

Der nächste Wettstreit ist im Mai in Flensburg

Plattdeutsche und hochdeutsche Poesie auf Höhe der Zeit und in Hochform. All das gibt es am 17. Mai 2023 auf der Bühne im Flensburger Kühlhaus zu erleben.

Der Einlass ist um 19 Uhr, los geht es um 20 Uhr. Weitere Infos gibt es auf der Seite der Kulturwerkstatt Kühlhaus.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 15.05.2023 | 20:10 Uhr

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Plattdeutsch

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