Thees Becker und Mareike Meents von den Jungen Lüüd im Bunnesrat för Nedderdüütsch lächeln in die Kamera. © NDR Foto: Lina Bande

Auftakt zu erstem eigenständigen Niederdeutsch-Studiengang

Stand: 23.03.2023 10:30 Uhr

Mit dem neuen Studiengang eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten für Studierende, um Inhalte weiter zu vertiefen. Außerdem wird so die Ausbildung von Lehrkräften für Niederdeutsch sichergestellt.

von Lina Bande

Die Vorbereitungen für diesen ersten Bachelor-Studiengang Niederdeutsch würden schon seit Jahren laufen, erzählt Prof. Dr. Doreen Brandt. Sie ist Professorin für Niederdeutsche Literatur in Oldenburg - jetzt sind sie und ihr Team auf der Zielgeraden. Mit einem Symposium am Freitag fällt sozusagen der Startschuss, dann tauschen sich Referentinnen und Referenten aus Kultur, Schule, Politik und Hochschule über die Regionalsprache aus.

Professorin Doreen Brandt von der Uni Oldenburg sitzt an ihrem Schreibtisch und schaut in die Kamera. © NDR Foto: Lina Bande
AUDIO: Niederdeutsch als eigenständiger Studiengang in Oldenburg (3 Min)

Bisher nur ergänzend, aber nicht vertiefend

Schon jetzt gibt es Niederdeutsch-Module an verschiedenen Universitäten in Norddeutschland, unter anderem in Kiel, Greifswald und eben auch in Oldenburg. Bisher ist die Sprache immer ein Ergänzungs- oder Beifach zu anderen Studiengängen, in Oldenburg ein wählbarer Schwerpunkt im Germanistikstudium. Das heißt dann, das zwar Einführungen in die Literatur, Sprachpraxis oder andere Grundlagen vermittelt werden, "aber da hat man nicht die Möglichkeit, bestimmte Aspekte zu vertiefen", erklärt Doreen Brandt.

Mit dem Bachelor-Studiengang ändert sich das: "Das Spektrum an Lehrveranstaltungen ist umfangreicher und dieses Spektrum deckt auch alle drei Fachkomponenten zu gleichen Teilen ab, also Sprache, Literatur und Didaktik", so die Professorin.

Lehrkräfte für Niederdeutsch dringend gesucht

Zudem hat der Niedersächsische Landtag schon 2011 mit einem Erlass die Grundlage geschaffen, dass Niederdeutsch als Schulfach eingeführt wird, zunächst in der Sekundarstufe I, später wurde der Erlass auch auf Sekundarstufe II erweitert. Die Lehrkräfte, die es dafür braucht, sollen künftig in Oldenburg ausgebildet werden. Dafür sollen in drei Jahren verschiedene Masterstudiengänge das Angebot erweitern.

Die Studierenden, die dann nicht als Lehrkräfte arbeiten möchten, haben noch weitere Optionen: "Weil sie sich mit diesem Studium eine besondere Kompetenz erwerben im Bereich von regionaler Kulturarbeit, Sprachförderungsarbeit, können Sie auch in diesen Bereichen in die Praxis gehen - und sie können auch in der Wissenschaft bleiben", kündigt Doreen Brandt an.

Interesse an Modulen ist jetzt schon groß

Professorin Doreen Brandt von der Uni Oldenburg sitzt an ihrem Schreibtisch und schaut in die Kamera. © NDR Foto: Lina Bande
Doreen Brandt ist Professorin für Niederdeutsche Literatur und arbeitet an der Akkreditierung des neuen Bachelorstudiengangs Niederdeutsch mit.

Das Interesse an Niederdeutsch schätzt die Professorin als groß ein, bereits jetzt sind die Module im Germanistikstudium regelmäßig voll belegt: "Und die Studierenden melden uns zurück, dass sie das nicht nur machen, weil es günstig im Stundenplan liegt, sondern weil sie sich für diese Sprache interessieren." Derzeit ist es so, dass Studierende nach erfolgreichem Abschluss der Module und einer Abschlussarbeit zu einem Niederdeutschen Thema ein entsprechendes Zertifikat erhalten.

Auf das arbeitet Thees Becker gerade hin. Der Student engagiert sich auch bei den Jungen Lüüd im Bunnsraat för Nedderdüütsch - ein Gremium, das sich unter anderem um Sprachpolitik bemüht. Er findet es zwar für sich persönlich sehr schade, dass er diesen Bachelor nicht mehr machen kann, aber: "Dat is wunnerbor! Wi wüllt dat jo, dat dat institutschonaliseert un festigt warrt un dat dor ene Perspektiv kummt."

Viel höherer Stellenwert der Regionalsprache

Mareike Meents stimmt ihm da voll und ganz zu. Sie ist ebenfalls Teil der Jungen Lüüd, ist aber schon im Referendariat und hat ihr Niederdeutsch-Zertifikat längst in der Tasche.

"De Stellenwert vun de Spraak is ja een heel anneren. Wenn du di dat ganze Studium blots mit Plattdüütsch beschäftigen kannst, denn is jo kloor, dat du dor veel mehr in de Deepde gahn kannst. Dat is nich mehr blots so nebenbi. Dor köönt wi jo ok sehen, dat dat veel ernster wurrt. Un wi wüllt ok de Spraak plegen, wi wüllt us dormit utenanner setten un wi wüllt, dat dat in de Scholen kummt."

Und auch für das Selbstverständnis der Studierenden sei das ein wichtiger Schritt, meint Thees Becker, wenn man künftig sagen könne 'Ich studiere Niederdeutsch!'.

Kooperationen mit Partnern aus der Region geplant

Neben vielen neuen Lehrveranstaltungen, die das Team um Doreen Brandt nun vorbereitet, soll im neuen Bachelor-Studiengang auch das Potential der Region genutzt werden. Immerhin sei Plattdeutsch im Nordwesten noch "sehr vital", sagt Doreen Brandt.

Kooperationen mit Kultureinrichtungen oder den Landschaften seien denkbar. "Die Universität Oldenburg wirkt dann noch stärker in die Region hinein und die Region in die Universität." Unterrichtssprache ist übrigens zumeist Hochdeutsch, Platt muss man vorher nicht können. Dafür ist die Sprachpraxis fest im Stundenplan verankert.

Ab dem kommenden Wintersemester wird es dann zunächst 25 Plätze für Studierende geben, in den Masterstudiengängen sollen es später je 15 sein: um Niederdeutsch in allen Facetten in Oldenburg zu studieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.03.2023 | 14:20 Uhr

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