Der britische Musiker Sting steht bei der Eröffnung des Reeperbahn-Festivals auf der Bühne des Stage Operettenhauses. © dpa Foto: Axel Heimken

"The Bridge": Stings Arzneimittel gegen den Corona-Blues

Stand: 18.11.2021 06:00 Uhr

Der britische Sänger Sting sucht mit seinem 15. Album "The Bridge" nach einer Brücke in eine bessere Zukunft. Als Mittel gegen den Corona-Blues schreckt Sting auch vorm Pfeifen nicht zurück.

von Marcel Anders

Für sein 15. Album "The Bridge" hat Sting den kompletten Sommer 2020 in seinem Heimstudio in der Toskana gebraucht. Eine Art Beschäftigungstherapie und kreativer Ausgleich während der Corona-Pandemie. "Songs zu schreiben ist immer ein langsamer Prozess - weil ich erstmal eine Idee entwickeln muss. An einigen Tagen funktioniert es, an anderen nicht. Doch wenn du lange genug auf ein leeres Blatt starrst, kommt dabei irgendwann auch etwas heraus."

"The Bridge": Metapher für eine Brücke in eine neue Zeit

Obwohl er das Virus nicht direkt thematisiert, drehen sich die 13 Stücke genau darum - um eine tief-therapeutische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen. Sting reflektiert seine Ängste, Sorgen und Gefühle während des ersten Lockdowns - und die Art wie er und wir alle damit klarkommen. Eben indem wir unsere Beziehungen hinterfragen, in Erinnerungen schwelgen, eine wachsende Unzufriedenheit spüren, aber eben auch nach Lösungen und Erlösung streben. "Alle Charaktere, um die es in dem Album geht, suchen nach einem Weg in eine bessere Zukunft. Deshalb die Brücke - denn sie ist es, die uns dahin führt", schildert Sting. "Wir haben die Pandemie, die Flüchtlingskrise und all diese politischen Unruhen. Wir sehnen uns nach einem sicheren und fröhlichen Ort. Insofern ist 'The Bridge' die perfekte Metapher."

Optimistische Songs gegen den Corona-Blues

Stings Botschaft hat auch etwas Kathartisches. Denn nach einer Brücke zu suchen, heißt nicht, in Lethargie oder Hass zu verfallen, sondern die Situation aktiv verändern zu wollen. Das verpackt Sting in optimistische Songs, die Harmonie und Wärme ausstrahlen. Anspruchsvolle Grenzgänge zwischen Folk, Rock, Jazz und Pop, die in Zusammenarbeit mit Koryphäen wie Dominic Miller, Manu Katché und Branford Marsalis entstanden sind.

Sting spielt zwei Hamburg-Konzerte in 2022

Einzige Schwachstelle eines ansonsten gelungen Albums: Ein Cover von "Sittin On Dock Of The Bay" von Otis Redding mit einem pfeifenden Sting. "Ich will die Leute überraschen. Sie sollen das Pfeifen hören, den positiven Vibe spüren und sich fragen: ´Was ist denn hier los?´", sagt Sting. "Ich denke, wir brauchen dringend etwas Leichtigkeit und Entspannung. Pfeifen ist eine sehr therapeutische Sache." Pfeifen als legitimes Mittel gegen den Corona-Blues. Eine von vielen, kleinen Botschaften auf Stings neuem Album "The Bridge". Das präsentiert er im kommenden Jahr auch zwei Mal in Hamburg - am 30. März und am 25. Juni.

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The Bridge

Zusatzinfo:
Songs: "Rushing Water" "If It’s Love" "The Book of Numbers" "Loving You" "Harmony Road" "For Her Love" "The Hills on the Border" "Captain Bateman" "The Bells of St. Thomas" "The Bridge"
Label:
Interscope
Veröffentlichungsdatum:
19.11.2021
Preis:
26,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 18.11.2021 | 09:20 Uhr

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