Eine Fahne mit dem Logo des Schleswig-Holstein Musikfestivals weht im Wind. © dpa Foto:  Markus Scholz

Big Vienna: Wiener Luft beim Schleswig-Holstein Musik Festival

Sendedatum: 18.07.2021 15:00 Uhr

Wien ist nicht nur die Stadt von Sissi, Sachertorte und Schnitzel, sondern eine Stadt der Musik. Daher widmet sich das Schleswig-Holstein Musik Festival der Wiener Musik in all ihren Facetten.

von Lina Bande

Gleich zwei Epochen wurden in der österreichischen Hauptstadt geprägt: Die Wiener Klassik und die Zweite Wiener Schule. Von Mozart über Schubert, Strauß und Brahms bis Schönberg: alle lebten und wirkten in Wien, um nur eine Auswahl an Komponisten zu nennen. Bei "The Big Vienna" im Zuge vom Schleswig-Holstein Musik Festival in Büdelsdorf, mitten in der NordArt-Ausstellung, standen jeweils drei Konzerte rund um Wien im Programm.

Wiener Leichtigkeit in bizarrem Ambiente

In den riesigen, lichtdurchfluteten Industriehallen der Carlshütte steht die Luft. Draußen scheint die Sonne und es sing 26 Grad - drinnen noch wärmer. Da fügt es sich, dass sich das Programmheft auch als Fächer eignet.

Die Serenade Nr. 13 für Streicher in G-Dur - die "Kleine Nachtmusik" von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Meisterwerk erklingt zwischen roten, geflügelten Hirsch-Skulpturen, die von der Decke schweben. Und Tausenden rostigen Ameisen, die in Richtung des Publikums zu kriechen scheinen. Ein bizarres Ambiente, und irgendwie doch so passend zum Programm, das Stargeiger Daniel Hope mit seinem Zürcher Kammerorchester auf die Bühne bringt.

"Es gibt eine Leichtigkeit, finde ich. Vielleicht liegt das am Tänzerischen, an diesem Walzer. Auch die Volksmusik, die in allen Werken und bei allen Komponisten dieser Gattung eine große Rolle spielt. Und vielleicht gibt es etwas in der Luft in Wien, jeder spürt es, wenn man da ist. Und ob das Mozarts Zeit war oder heute, es ist geblieben", so Hope. Deshalb hat er die Stücke wie eine Zeitreise zusammengestellt: Mozart, Haydn und Beethoven, die Wiener Klassik. Genauso haben auch ein Jahrhundert später Gustav Mahler und Arnold Schönberg die Musikwelt geprägt.

Schönbergs "Notturno für Streicher und Harfe in As-Dur" erklingt als voller Klang in der ausverkauften Halle. 600 Menschen wiegen im Takt mit. Viele lauschen mit geschlossenen Augen. Und das war ja noch längst nicht alles. Nachdem am frühen Nachmittag schon Erika Pluhar mit Lesung, Gesang und Walzerklängen die Halle füllte, vervollständigt am Abend noch Franz Schuberts "Winterreise" das Big-Vienna-Wochenende - in der "komponierten Interpretation" von Hans Zender, mit dem gefeierten Tenor Julian Prégardien.

Altes Werk neu gedacht

"Es ist einfach ein anderer Ansatz an die Musik. Die nicht versucht, sie so aufzuführen, wie sie aufgeführt gehört, nach Meinung einer, sag ich mal, provokativ, gebildeten Elite. Sondern herauszukitzeln, was in ihr steckt", berichtet Prégardien. Denn Prégardien wird nicht nur am Klavier begleitet, sondern vom Schleswig-Holstein Festival Orchestra - die erste, entscheidende Veränderung in Zenders Version. Die lautmalerischen Elemente der Winterreise werden nochmal verstärkt, etwa durch Beckenschläge, Flageoletttöne oder Windmaschinen.

"Das Grelle des Zyklus, das wird nach vorne gekehrt. Das ist im Verlaufe der Aufführungspraxis so ein bisschen in Mitleidenschaft gezogen worden, weil der Zyklus bevorzugt von tieferen Stimmen gesungen wurde. Und vergessen wurde, dass das Stück mal anders geklungen hat. Nämlich heller und greller", erzählt der Tenor

Ein fast 200 Jahre altes Werk - neu gedacht, in die Gegenwart geholt. Oft unkonventionell, ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Zum Beispiel dann, wenn Julian Prégardien zum Megafon greift. Es ist ein Klangerlebnis, das auch jüngere Zielgruppen ansprechen dürfte. In einem Ambiente, das mit zeitgenössischer Kunst und Industrie-Chic nicht passender hätte sein können.

"Die Winterreise" wird am 8. September um 20 Uhr im ARD Radiofestival gesendet, "Wiener Blut" zu einem späteren Zeitpunkt.

Weitere Informationen
Die Kapelle "Meute" auf der Bühne. © picture alliance / Photoshot | -

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 18.07.2021 | 15:00 Uhr

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