Stand: 08.07.2019 18:30 Uhr

Lübeck: Einzigartige Reise in die Zeit um 1900

von Katrin Bohlmann

Im Norden sind Ferien - und das Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus holt die Urlaubsstimmung zu sich. Passend zum Sommer sind Ostseebilder zu sehen. Mit einer Sensation: einem sogenannten Kaiser-Panorama. Eine Art Zeitmaschine aus der Zeit um 1900. Durch beleuchtete Gucklöcher können die Besucher damit farbige 3D-Fotos von damals anschauen.

Der Aufbau des Kaiser-Panoramas

Alle sieben Sekunden dreht sich das Kaiser-Panorama weiter. Hinter den beleuchteten Schaugläsern der an Jules Verne erinnernden Maschine im Gründerzeitstil können stereoskopische Aufnahmen von der Ostsee aus der Zeit um 1900 betrachtet werden. In ihm stecken 24 kolorierte historische Fotos mit 3D-Effekt. Der Zuschauer sitzt davor auf einem Stuhl, schaut durch die Okulare - ähnlich wie bei einem Fernglas - und die Bilder ziehen an ihm vorbei. Ein wahres Schmuckstück ist das runde Kaiser-Panorama - mit seiner Eichenholzvertäfelung und den goldenen Gucklöchern.

Der Lübecker Museumschef Alexander Bastek hat so etwas auch noch nicht gesehen. "Für mich als Museumleiter ist das Besondere, dass das dreidimensional ist", sagt er. "Etwas abwertend wird das, was wir sonst präsentieren, Flachware genannt: die Gemälde, die Zeichnungen. Aber hier haben wir es mit etwas zu tun, das in den Bereich der Illusion geht. Man schaut sich die Bilder so an, dass man tatsächlich den Eindruck hat, man blickt in einen Raum, und das in Farbe. Das ist etwas, was die Kunst um 1900 nicht liefern kann."

Einziges Kaiser-Panorama, das verliehen wird

Die Bilder zeigen typische Strand- und Stadtszenen aus Kiel, Lübeck und Rostock, die Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals und ein Flottenmanöver mit Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus II. in Swinemünde. Es ist das Lieblingsbild von Karsten Hälbig. Er leitet den Förderverein in Celle in Niedersachsen und hat das Kaiser-Panorama nach Lübeck gebracht. Es ist ein Erbstück aus der Familie seiner Frau und das einzige deutschlandweit, das verliehen wird. Alle anderen - es gibt nur noch eine handvoll - stehen fest in Museen. Mit diesem Massenmedium von damals tauchen wir ein in das Lebensgefühl von 1900 - sehen mit den Augen des damaligen Fotografen, wie Hälbig erzählt.

Höhepunkt der Bilderpräsentation um 1900

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Karsten Hälbig hat das Kaiser-Panorama nach Lübeck gebracht. Es ist ein Erbstück aus der Familie seiner Frau.

"Sie müssen sich vorstellen, dass in der Zeit um 1900 die Leute nicht verreisen konnten wie wir", sage Hälbig. "Ich kann mich an eine 100-Jährige erinnern, die ich mal gefragt habe: 'Was war denn für Sie das Besondere am Kaiser-Panorama? Welche Serie hat Ihnen besonders gefallen?' Da hat die Frau mir erzählt: 'Das war Venedig. So etwas Schönes konnten wir nirgendwo sehen als im Kaiser-Panorama.'" Diese Technik sei der Höhepunkt der Bilderpräsentation gewesen, so Hälbig weiter. Was für uns heute die Tagesschau ist, sei damals das Kaiser-Panorama gewesen.

"Das Kaiser-Panorama war zu der Zeit um 1900 die einzige Möglichkeit, illustrierte Bilder für wenig Geld zu bekommen", erklärt Hälbig. "Sie hatten in den Tageszeitungen zum Beispiel keine Illustrationen, nur den Text und keine Vorstellung von dem, was da beschrieben wurde. Das konnte man dann im Kaiser-Panorama sehen, in dreidimensionaler Qualität und in Farbe. Das war um 1900, also zu Kaisers Zeiten das Nonplusultra. Das konnte keiner besser."

Zwölf Personen finden rund um das etwa 2,40 Meter hohe Panorama mit einem Durchmesser von zwei Metern Platz. Die Originale, von denen es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland und dem angrenzenden Ausland etwa 250 Stück gegeben habe, hätten bis zu 24 Betrachtern Platz geboten, so Hälbig.

Es wurden auch gerne mal nackte Damen gezeigt

Hinter verschlossenen Türen wurden durch diese Schaukästen auch gerne mal Fotos von nackten Damen gezeigt, verrät der Experte. Nicht aber im Lübecker Behnhaus Drägerhaus. Hier soll reine Urlaubsstimmung verbreitet werden mit Bildern von der Ostsee, wie Musemschef Alexander Bastek sagt. Er wagt gerade neugierig einen Blick in das Kaiser-Panorama und sieht Lübeck: "Das Burgtor sehe ich hier gerade", beschreibt er die Szene. "Das hat sich im Laufe der Zeit verändert. Zunächst hatte es einen Durchgang, dann mit dem wachsenden Verkehr kam der zweite. Anschließend kam noch einer für Fußgänger hinzu. Inzwischen sind es vier. Ich schau mal, wie es um 1900 war: Da sind zwei Durchgänge zu sehen. Direkt daneben sieht man Straßenbahnwagen in der Sandstraße. Auch spannend - dieser Rückblick in die Geschichte Lübecks, als noch Straßenbahnen fuhren. Also, da gibt es einiges zu entdecken."

Die dreidimensionalen historischen Bilder sind beeindruckend. Die Technik aus der Kaiserzeit ist faszinierend. Das Kaiser-Panorama steht noch bis Anfang September im Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus.

Lübeck: Einzigartige Reise in die Zeit um 1900

Das Lübecker Behnhaus zeigt die 3D-Zeitreise "Kaiser-Panorama". Die Besucher werden in die Zeit um 1900 mitgenommen und erleben Ereignisse wie die Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Behnhaus Drägerhaus
Königstraße 9-11
23552  Lübeck
Telefon:
(0451) 1224148
E-Mail:
behnhaus@luebeck.de
Preis:
7 Euro (ermäßigt 3,50), Kinder und Jugendliche 2,50 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 08.07.2019 | 20:00 Uhr

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